"Steuern auf Lose-lose-Situation zu"

26. August 2008, 17:37
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Die Anfechtungsklage gegen die Beschlüsse der MIP-HV tue der Sache nicht gut, sagt Anlegervertreter Wilhelm Rasinger im STANDARD-Gespräch

STANDARD: Sie befürchten, dass die Stimmen vom Anlegerverband IVA bei der MIP-HV auf der ominösen Stimmkarte 09607 gelandet sind und missbräuchlich eingesetzt wurden. Gibt es dafür eine Bestätigung?

Rasinger: Ich habe die Information bekommen, dass dies so sei. Von Meinl International Power oder vom Notar habe ich dafür keine Bestätigung bekommen. Der IVA hat die Grasser/Haider-Linie nicht unterstützt. Wenn unsere Stimmen umfunktioniert wurden, empört mich das.

STANDARD: Ist der IVA an der Anfechtungsklage beteiligt?

Rasinger: Nein, dafür fehlen dem Anlegerverein die finanziellen Ressourcen. Die Luft ist zuletzt aber viel rauer geworden.

STANDARD: Gegen Sie wurde bei der Staatsanwaltschaft eine anonyme Anzeige eingebracht, in der man Ihnen illegale Bereicherung vorwirft.

Rasinger: In Österreich kann jeder jeden anonym anzeigen. Ich habe bis heute die Anzeige nicht bekommen. Für mich ist das ein Zeichen dafür, dass ich den einen oder anderen störe oder geärgert habe. Diese Untergriffigkeit löst bei mir große Nachdenklichkeit aus.

STANDARD: Sie stehen auch wegen Zahlungen der Meinl Bank an den IVA unter Kritik.

Rasinger: Das ist eine der größten persönlichen Gemeinheiten, die ich erlebt habe. Meinl hat dem IVA Unterstützung angeboten. Diese finanzielle Hilfe floss auf ein Konto einer Rechtsanwältin. IVA hat Meinl aber nie beraten. Dass heute als Beratungshonorar darzustellen, stimmt nicht.

STANDARD: Denken Sie daran, das Geld zurückzugeben?

Rasinger: Ich habe darüber nachgedacht, aber viele sagten mir, es wäre ein Bekenntnis dafür, dass ich damals falsch gehandelt hätte.

STANDARD: Was erwarten Sie, wie es bei MIP weitergeht?

Rasinger: Alles, was sich auf die Gerichtsebene verlagert, steuert auf eine Lose-lose-Situation zu. Ein langer Rechtsstreit tut der Sache sicher nicht gut.

STANDARD: Was wäre die Alternative gewesen?

Rasinger: Das ist eine berechtigte Frage, weil man sich ja auch nicht alles gefallen lassen darf. Es scheint aber so, als ob die Emotionen hier stärker sind als die Vernunft.

STANDARD: Was wäre bei MIP eine vernünftige Situation?

Rasinger: Dass es zu vertretbaren Kosten ein ordentliches Management gibt. Und unter die Vergangenheit muss ein Schlussstrich gezogen werden.

STANDARD: Sie sagen, dass Sie durch Ihre Tätigkeit beim IVA nichts verdienen, sind persönlich aber stark involviert. Was bewegt Sie dazu?

Rasinger: Das Interesse an der Sache. Aber das Bild in den vergangenen zehn Jahren hat sich verändert. Die Tätigkeit für den IVA geht nicht mehr nebenbei. Heute frage ich mich schon, was ich davon habe.

STANDARD: Das klingt nach Rückzug. Suchen Sie einen Nachfolger?

Rasinger: Sicher nicht in der im Moment komplexen Situation. Ich würde nur einen Nachfolgersuchen, wenn der IVA ein gesichertes Budget hat und die Tätigkeit ein Einkommen abwirft. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.8.2008)

Zur Person

Wilhelm Rasinger (60) ist Unternehmensberater und seit 1999 Chef des Interessenverbandes für Anleger (IVA). Der Vater von fünf Kindern sitzt im Aufsichtsrat von Wienerberger und Erste Bank.

  • Wilhelm Rasinger: "Die Tätigkeit für den IVA geht nicht mehr nebenbei. Heute frage ich mich schon, was ich davon habe."
    foto: standard/hendrich

    Wilhelm Rasinger: "Die Tätigkeit für den IVA geht nicht mehr nebenbei. Heute frage ich mich schon, was ich davon habe."

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