Charles Vögele mit Gewinneinbruch

26. August 2008, 16:41
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Das kühle Wetter im Frühling hat der international tätigen Schweizer Bekleidungskette Charles Vögele zugesetzt

Pfäffikon  - Das kühle Wetter im Frühling hat der international tätigen Schweizer Bekleidungskette Charles Vögele zugesetzt: Sie hat im ersten Halbjahr in den westeuropäischen Ländern an Umsatz eingebüßt. Der Konzerngewinn brach von 22,8 Mio. auf 5,5 Mio. Franken (3,41 Mio. Euro) ein.

Insgesamt stieg der Umsatz der Charles Vögele Gruppe zwar um knapp vier Mio. Franken oder ein Prozent. Das Umsatzwachstum ist jedoch ausschließlich auf die Expansion in Osteuropa zurückzuführen, wie Finanzchef Felix Thöni am Dienstag vor Journalisten in Zürich erklärte.

In Slowenien, Ungarn, Polen und Tschechien verdoppelte sich der Umsatz im Vergleich zum ersten Halbjahr 2007 beinahe und beträgt nun 28,9 Mio. Franken. In der Schweiz sowie in Österreich, Deutschland und den Benelux-Staaten büßte Charles Vögele hingegen 1,2 Prozent ein und erzielte einen Umsatz von 646,7 Mio. Franken.

Verwaltungsratspräsident Bernd Bothe, der anstelle des erkrankten Konzernchefs Daniel Reinhard das Halbjahresergebnis präsentierte, meinte dennoch, Charles Vögele habe sich "wacker" und besser als der Gesamtmarkt geschlagen. Das Ergebnis sei der Beweis, dass der Konzern seine Marktposition halten und ausbauen könne.

Bothe übte aber auch Selbstkritik. Namentlich in Deutschland müsse die Expansionsgeschwindigkeit erhöht werden. "Wir sind im Branchenvergleich viel zu langsam", sagte Bothe. Ziel ist es, in Deutschland den Marktanteil von gegenwärtig rund 1 Prozent so stark zu steigern, dass Größenvorteile resultierten.

Expansion wird vorangetrieben

Zu den heute 320 Filialen in Deutschland sollten mindestens 250 zusätzliche hinzukommen. Die Expansion wird weiter auch in den osteuropäischen Märkten vorangetrieben, wo alleine bis Ende Jahr gegen 20 neue Läden eröffnet werden. Rentabel arbeitet Charles Vögele aber weder in Osteuropa noch in Deutschland.

Während sich der Betriebsverlust (EBITDA) im nördlichen Nachbarland Deutschland im ersten Halbjahr von 1,5 auf 4,8 Mio. Franken mehr als verdoppelte, wies die Kleiderkette für die Ostmärkte ein Minus von 2,2 Mio. Franken aus.

Wirklich Geld verdient hat Charles Vögele lediglich in der Schweiz. Bei einem drei Prozent tieferen Umsatz (215,5 Mio. Franken), fiel der operative Gewinn um mehr als einen Drittel auf 21,3 Mio. Franken.

Unter dem Strich sank der konzernweite Bruttogewinn um 1 Prozent auf 421,5 Mio. Franken, der Betriebsgewinn der Gruppe sackte aufgrund deutlich gestiegener Raum-, Personal- und Logistikkosten sogar um 28 Prozent auf 48,4 Mio. Franken ab.

Die vor drei Wochen gesenkte Prognose fürs laufende Jahr - Charles Vögele rechnet nun mit einer Gewinnmarge (EBITDA-Marge) von acht bis elf Prozent - bezeichnete Bothe als "herausfordernde Vorgabe, die enorme Anstrengungen voraussetzt". Nötig sei aber auch ein kühler September, welcher das Herbstgeschäft ankurbeln würde.

Dass Charles Vögele künftig beim Einkauf mit der Migros zusammenarbeiten könnte, wie dies Migros-Chef Herbert Bolliger kürzlich vorgeschlagen hatte, schloss Verwaltungsratspräsident Bothe am Dienstag nicht aus. Man prüfe gemeinsam die Möglichkeit einer Kooperation. Der orange Riese hält an der Kleiderkette derzeit einen Anteil von rund fünf Prozent. (APA/sda)

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