Wiener Kampf ums Wahlkämpfen

25. August 2008, 18:50
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Die Wiener SPÖ stößt sich an den Dreiecksständern, die seit den Sechzigern vor Wahlen das Stadtbild prägen. Die Alternativen, die sie diesbezüglich auf Lager hat, sind allerdings nicht ganz uneigennützig

Harry Kopietz hofft weiter. "In ein paar Jahren", sagt der rote Landesparteisekretär, "hat sich die Aufregung wegen der Halbschalen gelegt, dann wird es vielleicht möglich." Seit Jahren kämpft Kopietz gegen die sogenannten Dreiecksständer, die sämtliche Parteien vor jeder Wahl in Wien um Bäume und Lichtmasten anbringen lassen. Bisher mit mäßigem Erfolg.

Dabei ist Kopietz, der den Wahlkampf für die SPÖ in Wien schupft, nicht der Einzige, der die Steher weghaben will. Auch sämtliche Wiener Oppositionsparteien halten diese Form der Wahlwerbung für problematisch. Nicht nur weil sie die Stadt verschandelt, sondern auch weil sie für Fußgänger und Radfahrer gefährlich werden kann. Allerdings ist bislang niemandem eine Alternative für die relativ günstige Form des Stimmenfangs - für die Standorte fallen keine Kosten an - eingefallen. Und so greift man eben weiterhin auf die Steher zurück.

Halbschalen-Werbung

Von Kopietz' aktuellem Versuch, die Dreiecksständer aus der Stadt zu drängen, hält die Opposition - allen voran die Grünen - aber wenig. Denn der SPÖ-Wahlkampfleiter schlug vor, auf sogenannten Halbschalen wahlzuwerben. "Dass sich die SPÖ erdreistet, mit diesem Vorschlag an uns heranzutreten, ist wirklich frech", sagt Grünen-Klubchefin Maria Vassilakou.

Die Grünen bekämpfen die an Lichtmasten befestigten Plakathalterungen seit ihrer Einführung Anfang des Jahres. Sie sehen darin einen weiteren "Ausbau der Monopolstellung" der Außenwerbefirma Gewista in Wien. Zudem wurmt die Grünen die Nähe der ehemaligen Magistratsabteilung Gewista zur SPÖ. Über die Progress Beteiligungs Ges. m. b H. und die A. W. H. Beteiligungsgesellschaft verdient die Wiener SPÖ nämlich an der Gewista mit. "Wir helfen doch nicht mit unserer Wahlwerbung, die SPÖ-Kassa zu füllen", sagt Vassilakou.

Kopietz beteuert hingegen, es gehe keineswegs ums Geld - die Gewista hätte lediglich einen Euro pro Plakat verrechnet -, sondern um die Sicherheit der Bevölkerung. "Die Steher stellen zum Teil eine enorme Beeinträchtigung der Sicht dar."

Plakatwildwuchs

"Natürlich sind die Halbschalen ästhetisch ein Problem", sagt der schwarze Wiener Wahlkampfleiter Norbert Walter. "Und natürlich stellt sich die Frage, wie man die Flächen gerecht aufgeteilt hätte." Für den 28. September hat man sich bezüglich der Standorte für die Dreiecksständer laut MA 46 (Verkehr) jedenfalls darauf geeinigt, dass auf SPÖ, ÖVP und FPÖ je 1100 bewilligte Plätze, auf die Grünen 1000, auf BZÖ, KPÖ und LIF je 300 entfallen. Wobei die 300, die eigentlich dem LIF zustünden, offenbar das BZÖ übernommen hat: Denn während sich das LIF nicht am "Wiener Plakatwildwuchs" beteiligen will, gedenkt das BZÖ, ab 1. September 600 orange Werbesteher zu platzieren. Die SPÖ wird übrigens 800 Steher quer über das Stadtgebiet verteilen. (Martina Stemme, DER STANDARD; Printausgabe, 26.8.2008)

  • ÖVP und FPÖ machten vergangenes Wochenende den Anfang, SPÖ, Grüne, BZÖ und KPÖ werden am 1. September folgen: Die Wiener Stadtverwaltung genehmigte 5200 Dreiecksständer.
    foto: standard/fischer

    ÖVP und FPÖ machten vergangenes Wochenende den Anfang, SPÖ, Grüne, BZÖ und KPÖ werden am 1. September folgen: Die Wiener Stadtverwaltung genehmigte 5200 Dreiecksständer.

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