Feinstaub-Tempo 100 um Graz nun flexibel elektronisch verordnet

26. August 2008, 14:05
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Verkehrsbeeinflussungsanlagen ab Mitte Dezember in Betrieb - 17,5 Millionen Euro Investitionen

Nach einer Pause 2007/08 wird es in der kommenden Wintersaison wieder Tempo 100 auf den Autobahnen im Großraum Graz geben. Im Unterschied zu den vergangenen, rechtlich umstrittenen Verordnungen wird das Limit jetzt aber durch die aktuelle Luftgüte- und Wettersituation mittels Verkehrsbeeinflussungsanlage (VBA) festgesetzt: Asfinag und Umwelt-Landesrat Manfred Wegscheider (S) haben am Dienstag das dazu notwendige elektronische Equipment vorgestellt, das Investitionen der Autobahngesellschaft von insgesamt 17,5 Mio. Euro erfordert.

Beobachtungssystem

Die VBA soll ab Dezember auf vier Autobahnkorridoren im Großraum Graz ein Beobachtungssystem bereitstellen, das Politik und Behörden u.a. ein Instrument zur Bekämpfung des Feinstaubs und der Erfüllung des Immissionsschutzgesetzes Luft (IG-L) in die Hand gibt. 50 Anzeigetafeln sind auf einer Gesamtlänge von 92 km auf der A2 Südautobahn und der A9 Pyhrnautobahn geplant. Als Grundlage für die jeweils vorgegebenen Geschwindigkeitsbeschränkungen dient ein Algorithmus, den die Asfinag gemeinsam mit der TU Graz entwickelt hat. "Es werden sowohl Luftmessungen als auch Verkehrsaufkommen und Witterungsverhältnisse miteinbezogen", erklärte Projektleiter Christian Kurz von der TU. "Um die Werte des IG-L zu erzielen, müssten wir etwa die Hälfte aller Jahresstunden Tempo 100 verordnen." Im Winter könnte das tagelang Tempo 100 bedeuten.

Viktor Geyrhofer von der Asfinag erörterte den Nutzen der Anlage, die erstmals 2005 in Tirol, allerdings vorerst nur zur Verkehrsflussoptimierung eingesetzt wurde, aus Sicht des Betreibers: "Die Verkehrszeichen, die von der VBA angezeigt werden, richten sich nach dem Verkehr, nicht umgekehrt. So erreichen wir eine höhere Kapazität auf unseren Straßen." Die Tafeln bremsen den Verkehr nicht nur bei Feinstaubalarm ein, sondern dienen auch als Warnungen bei Schlechtwetter oder Stau. Die VBA in der Steiermark ist bis jetzt das größte derartige Projekt in Österreich. Etwas widersprüchlich sind allerdings die Zielsetzungen der Beteiligten: Während die Asfinag davon sprach, so oft wie möglich Tempo 130 beibehalten zu wollen, liegt das Hauptaugenmerk von Wegscheider auf der Feinstaubreduktion und Tempo 100.

Höhere Sicherheit, weniger Feinstaub

Laut Umweltreferent profitiere auch der Autofahrer von der VBA, nämlich durch höhere Sicherheit, weniger Feinstaub und geringerer Kosten infolge niedrigeren Verbrauchs. Besondere Überwachungen werde es auf den Abschnitten nicht geben. "Die anderen VBA in Österreich wurden gut angenommen und zeigen Wirkung", erklärte Thomas Greiner von der Asfinag. Zum einen sei es die Dynamik der Anzeigen, zum anderen auch die Angst vor einer möglichen Tempomessung, weil man hinter der Anlage eine "Section Control" vermute. (APA)

 

 

 

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