Uni-Gebühren: Sehr unterschiedliche Regelungen in Europa

26. August 2008, 13:42
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In elf von 29 europäischen Ländern zahlen Studierende nichts fürs Studium - Gebühren in den USA erheblich teurer als in Europa

Wien - In knapp über einem Drittel, nämlich 11 von 29 europäischen Ländern (EU-Mitgliedsstaaten plus Norwegen und Schweiz) müssen Studierende für ihre Hochschulausbildung nichts zahlen. Das zeigt ein Bericht des Münchener "ifo Institut für Wirtschaftsforschung" aus dem Jahr 2007. Dabei variieren die Bestimmungen und die Höhe der allgemeinen Studiengebühren in Europa sehr stark, heißt es in der Studie.

Laut einer früheren Erhebung aus dem Jahr 2005 verlangten die Universitäten in zwölf von 27 Ländern (damalige EU-25 sowie Norwegen und Schweiz) keine allgemeinen Studiengebühren. Im Vergleich zu 2007 lässt sich kein allgemeiner Trend in Richtung Einführung oder Abschaffung der Gebühren in Europa ablesen. Veränderungen gab es auf Länderebene: Zwischen 2005 und 2007 schaffte Zypern die Gebühren ab, einige Bundesländer in Deutschland sowie Luxemburg führten sie in der Zwischenzeit ein.

Kostenfreies Studieren in skandinavischen Ländern

Studierende werden auch in den neuen EU-Mitgliedsstaaten zur Kasse gebeten: In Rumänien zahlen Studierende bis zu 650 Dollar (440 Euro nach aktuellem Kurs) pro Jahr für öffentliche und private Universitäten. In Bulgarien gibt es für einen Teil der Studenten über eine "Staatsquote" freien Hochschulzugang an den öffentlichen Einrichtungen, alle weiteren zahlen bis zu 200 Euro jährlich.

Einen kostenfreien Hochschulzugang an staatlichen Unis - zumindest für Studierende aus dem eigenen Land und teilweise auch für Studierende aus EU-Mitgliedsländern - gibt es unter anderem in den skandinavischen Ländern Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland sowie in Tschechien, Irland, Polen, in der Slowakei, in einigen deutschen Bundesländern, auf Zypern und Malta. In Slowenien ist zwar das Grundstudium frei, doch ab dann fallen Gebühren bis zu 1.500 Euro pro Jahr an. Frankreich wertet das "ifo" als Studiengebühren-frei, allerdings müssen Immatrikulationskosten von 150 bis 420 Euro jährlich bezahlt werden, an den Grand Ecoles noch deutlich mehr. In Litauen betragen die Gebühren laut "ifo" zwischen null und 3.475 Euro pro Jahr.

USA erheblich teurer

Studierende zahlen eine landesweit einheitliche Gebühr in Luxemburg (100 Euro pro Semester), in den Niederlanden (1.538 Euro pro Jahr), in Österreich (363 Euro pro Semester) und in Portugal (500 Euro pro Jahr). In Ländern wie etwa Belgien, in der Schweiz und in Italien bestimmen die Unis selbst die Höhe der Studiengebühr. Regionale Unterschiede gibt es in Spanien, sowie in Großbritannien: Während die Studenten an schottischen Einrichtungen in Genuss des freien Zugangs kommen, müssen Studierende in Wales und England zahlen - und zwar mit bis zu 3.070 Pfund (3.854 Euro) pro Jahr an den öffentlichen Unis auch am meisten in ganz Europa.

Im Vergleich zu den USA sind die Studiengebühren in Europa viel geringer: Diese variieren in den USA im Schnitt zwischen 12.000 und 16.000 Dollar (8.126 bis 10.835 Euro) jährlich. In Harvard kosten Graduierten-Programme, also etwa Master- oder PhD-Studien, 37.000 Dollar (25.056 Euro) pro Jahr, so die Studienautoren. (APA)

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    Grafik: APA/Waxmann
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