Wiens Jugend ist beim Trinken Europameister

26. August 2008, 13:30
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Eine neue EU-Studie über die Ernährungs- und Lebensgewohnheiten Jugendlicher in europäischen Städten zeigt: Wiens Jugend trinkt mehr als Gleichaltrige anderswo - Experten fordern nun Ursachenforschung

Wien - Die Wiener Burschen und Mädchen sind beim Alkoholkonsum Spitzenreiter in Europa. Außerdem Naschen sie viel mehr als ihre Alterskollegen und haben mit Übergewicht zu kämpfen. So lauten die Ergebnisse einer EU-weiten Studie über den Gesundheits- und Ernährungszustand von 13- bis 16-Jährigen in zehn europäischen Städten.

In der sogenannten Helena-Studie wurden zwischen Mai 2005 und Juni 2008 insgesamt 4156 Jugendliche in Wien, Stockholm, Pécs, Rom, Lille, Gent, Dortmund, Heraklion, Zaragoza und Athen zu ihren Lebensgewohnheiten befragt. Besonders auffällig: Die jungen Wienerinnen und Wiener trinken am meisten Alkohol. Rund zwei Achtel Wein oder eine Dose Bier pro Tag kippen die 427 befragten Wiener Schüler und Schülerinnen. Die Burschen mehr als die Mädchen.

"Das ist besorgniserregend. Die Jugendlichen, die in dieser Studie untersucht wurden, waren zwischen 13 und sechzehneinhalb Jahre alt. Was sich vorher abspielt, ist nicht erfasst worden, aber in diesem Alter spielt der Alkoholkonsum ganz ohne Zweifel eine große Rolle", sagte Kurt Widhalm von der Kinderklinik im Wiener AKH (er ist einer der Studienautoren) im Ö1-"Morgenjournal". Es müsse aber noch genauer erforscht werden, warum Österreich an der Spitze liege.

Einstiegsalter sinkt

Rohdaten des Wiener Drogenberichtes, der im Herbst erscheinen wird , zeigen, dass Zehn- bis 19-Jährige Wiener im Vergleich weniger häufig trinken (20 Prozent zwei- bis dreimal pro Woche) als Erwachsene (27 Prozent). Wiens Drogenkoordinator Michael Dressel glaubt nicht, dass es Sinn mache, mit noch mehr Verboten legale und illegale Suchtmittel zu bekämpfen. Bestehende Gesetze reichten aus, sie müssten nur eingehalten werden, sagt Dressel (siehe auch Artikel rechts). An Kinder bei Zeltfesten Alkohol auszuschenken sei genauso inakzeptabel, wie ihnen in einer Straßenbahn Cannabis anzubieten. Denn ein weiterer Wermutstropfen in der an sich stabilen Suchtgiftsituation sei, dass das Einstiegsalter merklich sinke. Bei Alkohol auf derzeit 13,4 Jahre.

Süß und pickig

Doch nicht nur die harten Drinks scheinen ein Problem zu sein. Auch die Softdrinks geben den Experten nach wie vor Grund zur Sorge. Bei der Befragung im Rahmen der Helena-Studie gaben 83,6 Prozent an, dass es in ihrer Schule täglich Limo zu kaufen gebe (EU-Schnitt: 54 Prozent), 73,8 Prozent (EU: 49,8) konnten dort jeden Tag ungesunde Snacks kaufen.

Gegessen werden die Süßigkeiten laut der Studie auch nicht zu knapp. Die Wiener Jugendlichen naschen täglich eine halbe Tafel Schokolade (50 Gramm), der EU-Schnitt liegt bei 25 Gramm. Dafür nehmen nur 16 Prozent die ausreichend Obst und Gemüse zu sich.

In Wien sind 22,3 Prozent der Jugendlichen übergewichtig. Damit liegen sie knapp unterhalb des EU-Schnittes von 24,1 Prozent. Was die Studienautoren besonders erstaunte: In Heraklion auf Kreta und in Athen leben die meisten Jugendlichen mit Übergewicht (42,6 Prozent). Die berühmte Mittelmeerkost mit viel Gemüse, Olivenöl und wenig Fleisch dürfte der Vergangenheit angehören. Gleichzeitig leben in den beiden Städten auch die meisten Jugendlichen, die mehr als drei Stunden täglich fernsehen.

Am wenigsten mit ihrem Gewicht zu kämpfen haben übrigens die Jugendlichen in Gent (11,9 Prozent), Stockholm (14 Prozent) und Lille (17,9 Prozent).(Bettina Fernsebner-Kokert, Der Standard Print-Ausgabe, 27.08.2008)

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    Im EU-Vergleich trinken die Wiener Jugendliche am meisten Alkohol. Also erheblich mehr als im EU-Durchschnitt, wo am Tag ein Seidel Bier bzw. 14 Gramm Alkohol täglich getrunken werden.

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    Alkohol spielt im Leben von Wiener Jugendlichen "eine große Rolle", beklagt Studienautor Kurt Widhalm vom AKH.

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