Kampfzone Karlsplatz

26. August 2008, 13:08
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Der Vorarlberger Gottfried Bechtold lächelt bis 12. Oktober als falscher Politiker für wechselnde Parteien von Plakaten - Kunst im öffentlichen Raum

Wien - An einer großen Kreuzung am Wiener Karlsplatz fügt sich der Plakatständer unscheinbar ins Stadtbild ein. Der Mann, der in altbekannter Politikermanier neben einem Parteien-Logo vom Plakat lächelt, findet kaum Beachtung von den wenigen Passanten die vorüber gehen, und auch die Autofahrer wirken kaum interessiert. Kombiniert mit dem einfachen Wahlspruch "Unser Mann" blickt der ältere Herr im Anzug freundlich auf die Betrachter. Der Vorarlberger Künstler Gottfried Bechtold, der unter anderem mit seinem "Beton-Porsche" bekanntwurde, ließ sich für falsche Wahlplakate, die seit gestern Abend bis 12. Oktober am "public space karlsplatz" zu sehen sind, ablichten.

"Es geht nicht um die Inhalte"

Während das Gesicht des Künstlers unverändert bleiben wird, soll das Logo aller real kandidierenden Parteien zweimal pro Woche ausgetauscht werden, heißt es in einer Aussendung. "Es geht nicht um Inhalte", so die Projektbeschreibung von "Unser Mann" auf der Homepage der Kunsthalle Wien, "sondern um Repräsentation". Eine kleine Tafel erläutert die Intention hinter der Plakataktion - für jene, die überhaupt genauer hinsehen. Vor allem Touristen passieren die gewählte Stelle, und diese können mit der Kunstaktion nur wenig anfangen. Die Austauschbarkeit von Politikern auf Plakaten wird nur bei näherer Betrachtung deutlich - etwa, wenn man den Plakatständer von beiden Seiten aus in Augenschein nimmt: Derzeit wirbt "Unser Mann" auf der einen Seite für ÖVP, auf der Rückseite jedoch für SPÖ.

Ab 1. September sollen die gefakten Wahlplakate auch in den Bundesländern zu sehen sein. Das Projekt ist eine Kooperation mit der Werkstadt Graz, dem Kunstraum Innsbruck in Zusammenarbeit mit dem Treibhaus und Kunstraum Dornbirn. Bechtold lebt und arbeitet in Hörbranz, Vorarlberg. "public space karlsplatz" ist ein Projekt der Kunsthalle Wien und bietet Künstlern die Möglichkeit ihre Werke öffentlich zu zeigen. (APA)

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