Ein Wanderer rastet in Altach

26. August 2008, 13:01
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Aílton (35), ehemaliger Goalgetter von Werder Bremen, hat bei Altach unterschrieben. Die Spielgenehmigung fehlt noch. Die Vorarlberger dürfen sich auf einiges gefasst machen

Wien/Altach - "Wir hoffen, dass Aílton Führungsaufgaben übernimmt und den jungen Spielern hilft, sich schneller zu entwickeln." So haben nicht Altachs Verantwortliche auf die Verpflichtung des brasilianischen Stürmers reagiert, das war im Februar 2008 auf der Website des ukrainischen Klubs Metallurg Donezk zu lesen. Aílton hatte nach einem Intermezzo beim MSV Duisburg einen Zweijahresvertrag bei Donezk unterschrieben. Doch nach nur zwei Meisterschaftsspielen und einem Tor war es schon wieder vorbei mit der Übernahme von Führungsaufgaben. Aílton tauchte in seiner Heimat Brasilien unter, hielt sich mit Benefizspielen mehr oder weniger fit, ehe er überraschend mit dem Bundesliga-Klub SCR Altach in Verbindung gebracht wurde. Am Montagabend unterschrieb der 35-Jährige einen Einjahresvertrag.

Sicher kein Trainingsweltmeister

Die zuvor durchgeführten sportmedizinischen Tests sollen positiv verlaufen sein. Bedenken über die Fitness des zu Übergewicht neigenden Angreifers wollte Altachs Sportdirektor Christoph Längle aber nicht gänzlich zerstreuen. "Er ist sicher kein Trainingsweltmeister. Man merkt, dass er eine Pause gehabt hat", sagt er zum Standard. "Aber ich denke, er kann uns temporär helfen. Er spielt sehr ökonomisch. Und er hat uns gesagt, dass er unbedingt wieder spielen will."

Auch wenn der Brasilianer seinen Trainingsrückstand bis zur Auswärtspartie am Freitag in Kapfenberg vermindern sollte, wackelt der erste Einsatz von Aílton. Sein Ex-Verein Donezk verweigert dem Spieler die ablösefreie Freigabe, weil er seinen Vertrag nach Ansicht der Ukrainer nur einseitig aufgelöst haben soll. Aílton hätte kolportierte 800.000 Euro pro Jahr verdienen sollen.

Laut seinem österreichischen Berater Horst Zangl sind aber jegliche Zahlungen ausgeblieben. "Der ÖFB und die Fifa sind am Zug", sagt Zangl, der zuvor schon unter anderem den brasilianischen Ex-Nationalteamspieler Zé Elias (31) ins Ländle gelotst hatte. Parallel dazu versucht Rechtsanwalt Bernardo Schaem in São Paolo die Spielgenehmigung einzuholen. Aílton selbst gibt sich zum Transferstreit wortkarg. "Ich will nur trainieren, in Ruhe arbeiten und mich hier in die Mannschaft integrieren", kommentiert er im kurzen Gespräch mit dem Standard.

Bussibär der Fans

Als "Kugelblitz" wurde Aílton ab 1998 quasi zum Bussibär der Fans von Werder Bremen. Bis 2004 schoss der Stürmer mit dem starken Antritt in 169 Spielen 88 Tore. In seiner letzten Saison mit Werder wurde er Meister und Pokalsieger, krönte sich mit 28 Treffern zum Schützenkönig und wurde als erster ausländischer Spieler zu Deutschlands Fußballer des Jahres gewählt. Seinem recht erfolgreichen Wechsel zum FC Schalke folgten glanzlose Gastspiele: Besiktas Istanbul, Hamburger SV, Roter Stern Belgrad, Grasshoppers Zürich, Duisburg und Donezk. Aílton machte mehr mit Disziplinlosigkeiten als mit Toren auf sich aufmerksam, verpasste Trainings oder legte sich mit Vereins-Bossen an. In Istanbul packte er seine Koffer, nachdem er vom Trainer nach einem Kreislaufkollaps nicht mehr berücksichtigt worden war. "Dass er kein einfacher ist, wissen wir", sagt Altachs Sportdirektor Längle. Finanziell sei aber kein Risiko gegeben. "Die Machbarkeit war da."

Dass sich die Bemühungen um Aílton auszahlen, hofft Heinz Fuchsbichler. Denn dem Trainer wurde vom Vorstand des Tabellen-Neunten Folgendes mitgeteilt. Zitat Obmann Werner Gunz: "Bei einer Niederlage gegen Kapfenberg ist es für ihn definitiv vorbei." (David Krutzler, DER STANDARD, Printausgabe, Mittwoch, 27. August 2008)

 

 

  • Drei Stationen einer 
abenteuerlichen Reise: Torschützenkönig, Meister und Pokalsieger 2004 mit Werder 
Bremen...
    foto: reuetrs/ fassbender

    Drei Stationen einer abenteuerlichen Reise: Torschützenkönig, Meister und Pokalsieger 2004 mit Werder Bremen...

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    Gastspiel bei Roter Stern Belgrad...

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    Die eher glanzlose Rückkehr 2007 in die deutsche Bundesliga zum MSV Duisburg. Altach ist für Aílton der neunte Klub binnen vier Jahren.

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