Medizinische Vorsorge im Konsumententest

26. August 2008, 13:14
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16 von 21 Ärzten "sehr gut" oder "gut" - Mängel vor allem bei Anamnese und Beratungsgesprächen: Veränderungen des Lebensstils sowie Risikofaktoren wurden nicht immer ausreichend thematisiert

Wien - "Es ist beruhigend und motivierend, bei der Gesundenuntersuchung sind Sie im Allgemeinen in guten Händen", fasste Franz Floss, Geschäftsführer vom Verein für Konsumenteninformation (VKI), die Testergebnisse der Qualitätsüberprüfung bei Vorsorgeuntersuchungen zusammen. Verbesserungspotenzial gibt es dennoch: Vor allem in den Bereichen Anamnese und bei den Abschlussgesprächen mit der Lebensstilberatung besteht zum Teil noch Aufholbedarf.

Erfreuliche Gesamtbeurteilung

Insgesamt fiel das Ergebnis erfreulich aus: 16, also drei Viertel der 21 zufällig ausgewählten, getesteten Wiener Ärzte wurden mit "sehr gut" oder "gut" bewertet. Zwei Mediziner erhielten nur ein "durchschnittlich", einer gar nur ein "weniger zufriedenstellend". Zwei Ärzte konnten nicht bewertet werden, da sie Testpersonen aus nicht nachvollziehbaren Gründen abgelehnt hatten. Die Probanden waren ein 65-jähriger Mann und eine 66-jährige Frau, die mit einer Krankengeschichte und Laborwerten ausgestattet wurden, die ihnen gewisse Risikofaktoren bescheinigten.

Lücken in der Anamnese

Defizite zeigten sich vor allem bei der Anamnese. Hier schnitt jeder zweite Arzt nicht besser als "zufriedenstellend" ab, vier sogar "nicht zufriedenstellend", bilanzierte Bärbel Klepp, VKI-Projektleiterin im Bereich Gesundheit/Medizin. Lücken ergaben sich vor allem bei den Fragebögen zum Thema Alkoholkonsum sowie bei der Erhebung der Krankengeschichte.

Lebensstilfragen und Risikofaktoren kamen zu kurz

Das Abschlussgespräch, bei dem Befunde besprochen, auf Risikofaktoren eingegangen sowie Veränderungen des Lebensstils besprochen werden sollten, verlief ebenfalls nicht immer ideal. "Wir denken, dass hier doch einiger Stoff für Verbesserungen gegeben ist", befand auch Klepp. Deutliche Unterschiede zeigten sich zwischen den beiden Testpersonen: Während beim Mann dreimal "sehr gut" und elfmal "gut" vergeben wurde, wurden die Gespräche bei der Frau 15-mal mit "sehr gut" und fünfmal mit "gut" bewertet. Notwendige Veränderungen des Lebensstils sowie Risikofaktoren wurden nicht immer ausreichend thematisiert.

Untersuchungsdauer: Zwischen 10 Minuten und zwei Stunden

Die klinische Untersuchung verlief in 32 von 40 Fällen "sehr gut" und auch der Facharzt-Check erhielt überwiegend positive Bewertungen. Die Dauer der Vorsorgeuntersuchung war in den meisten Fällen ausreichend. Die Richtlinien für Untersuchung und Beratungsgespräch sehen insgesamt 30 Minuten vor, für das Gespräch alleine 15 Minuten.

In fünf Fällen wurden die 30 Minuten jedoch deutlich unterschritten - negativer Spitzenreiter war ein Arzt, der seine Testpersonen in sieben bzw. zehn Minuten abfertigte. Am meisten Zeit nahm sich eine Ärztin für die weibliche Testperson - erst nach fast zwei Stunden war die Untersuchung beendet.

Hohe Patientenzufriedenheit

Natürlich würden die 21 Wiener Ärzte nur eine Momentanaufnahme darstellen, gab Floss zu. Der Hauptverband der Sozialversicherungsträger erhebe aber auch österreichweit die Zufriedenheit der Patienten nach der Vorsorgeuntersuchung - und diese betrage etwa 90 Prozent, fügte Verbandsvorsitzender Erich Laminger hinzu. Österreichweit werde die Untersuchung jährlich von 12,2 Prozent der Bevölkerung in Anspruch genommen, am öftesten im Burgenland, am seltensten in Niederösterreich, so Laminger. (APA)

 

 

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