Strom drahtlos über größere Distanzen übertragen: Es funktioniert

26. August 2008, 12:47
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Forscher vom MIT und Chip-Konzern Intel versorgen bereits Glühbirnen über einen Meter hinweg mit Energie - Dennoch bleiben noch einige Probleme zu lösen

San Francisco - Stromversorgung drahtlos und über größere Distanzen ohne maßgeblichen Energieverlust war bis vor kurzem Science Fiction. Die Vorstellung, beispielsweise Laptops oder Mobiltelefone ohne Steckdose und Kabelsalat aufzuladen und zu betreiben, könnte dennoch in nicht allzuferner Zukunft auch für den herkömmlichen Anwender Realität werden: Der Chip-Konzern Intel zeigte, dass es möglich ist, eine 60-Watt-Glühbirne aus etwa einem Meter Entfernung mit Strom zu versorgen und zum Leuchten zu bringen.

Grundlage ist eine Technik, die das Massachusetts Institute of Technology (MIT) im vergangenen Jahr erstmals präsentiert hatte. Das Besondere an der Vorführung von Intel war die relativ hohe Energieeffizienz bei der Übertragung. Es ging gerade einmal ein Viertel der ursprünglichen Energie verloren. "Das war für mich der verblüffendste Teil - die Übertragung von 60 Watt bei einer Effizienz von 75 Prozent über einen Meter", sagte Intel-Technikchef Justin Rattner. "Der Akku in ihrem Laptop hat nicht diese Effizienz - das ist eines von den Dingen, die schon fast zu schön sind, um wahr zu sein."

Zu große Spulen

Noch aber ist auch eine kommerzielle Nutzung noch nicht unmittelbar in Sicht. Die zur drahtlosen Stromübertragung eingesetzten Spulen zum Beispiel waren noch viel zu groß. Trotzdem arbeite Intel schon daran, Strom auf einen Laptop zu übertragen, sagte Rattner. Eines der Probleme, die gelöst werden müssten, sei es noch, zu verhindern, dass das elektromagnetische Feld der Stromübertragung nicht die anderen Teile des Computers beeinflusst.

MIT-Professor Marin Soljacic erklärte, die Forscher hätten seit ihrem Durchbruch im vergangenen Jahr schon eine Reihe von Vorschlägen erarbeitet, wie ihre Technik eingesetzt werden könne. Das reiche bis zur Stromversorgung von Herzschrittmachern und künstlichen Herzen.

Problem Energieeffizienz auf weite Distanzen

Eine große Herausforderung bleibt aber die Energieeffizienz der Stromübertragung. Die MIT-Forscher kamen bei ihren ersten Tests mit einer Glühbirne über eine Distanz von zwei Metern nur auf unter 50 Prozent. Das bedeutet, dass die meiste Energie auf dem Übertragungsweg verloren ging. Soljacic erklärte, seine Forschergruppe habe es aber inzwischen auf bis zu 90 Prozent bei einer Entfernung von einem Meter gebracht, was sogar noch besser ist als im Intel-Test.

Er freue sich, dass der weltgrößte Chip-Hersteller auch an dieser Technik arbeite und sie weiterentwickle, sagte Soljacic. Das sei die Bestätigung, dass die Menschen diese Technik haben wollten. Jetzt gehe es nur um die Frage, ob es machbar sei oder nicht. "Es scheint jeden Tag wahrscheinlicher zu werden." (APA/red)

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    MIT-Professor Marin Soljacic demonstriert die drahtlose Stromübertragung. Noch ist die Technologie groß und unhandlich.

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