Aufregung um Kündigungen im Grazer Autocluster

26. August 2008, 18:01
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Abbau von 600 Arbeitnehmern, aber Bedarf an 250 Ingenieuren - Magna sieht sich als Wahlkampfopfer

Graz - Im Grazer Autocluster tauchten zu Wochenbeginn wieder Gerüchte bevorstehender massiver Kündigungswellen auf. Aktuell werden, so bestätigte Magna Steyr, tatsächlich 600 Mitarbeiter abgebaut - 350 Leiharbeiter und 250 Mitarbeiter aus der Stammmannschaft. Mittelfristig sollen aber "bis zu 3000 Arbeitsplätze" verlorengehen, meldete jetzt die Steirerkrone.
Im November des Vorjahres hatte Krone-Konkurrent Kleine Zeitung noch 2000 Kündigungen kolportiert. "Davon wissen wir nichts", sagte AMS-Sprecher Hermann Gössinger am Dienstag im Gespräch mit dem STANDARD.

"Massive Wahlkampfinteressen"

Die immer wieder kolportierten tausenden Kündigungen hält man hier im AMS, aber auch in der Metallergewerkschaft für nicht realistisch. Denn dies würde de facto den Zusammenbruch des Clusters bedeuten, heißt es. Und davon sei man im Cluster weit entfernt. Die jetzt fehlende Produktion durch den Entgang des BMW X3 würde durch neue Aufträge ab 2010 kompensiert, sagt auch Magna-Sprecher Daniel Witzani, der hinter der Kündigungsaufregung auch "massive Wahlkampfinteressen" ortet.

Die bisherigen Kündigungen seien im Grunde "durchaus bekannte Schwankungen" in dieser sehr instabilen Branche, will Metallergewerkschafter Sepp Pesserl beruhigen. Arbeitnehmer - vor allem Leiharbeiter - werden an das AMS "übergeben" und Monate später, wenn neue Aufträge an Land gezogen wurden, wieder eingestellt.

Betroffen sind diesmal aber auch Stammarbeiter. Für diese 250 Magna-Arbeiter sei schon länger eine Arbeitsstiftung im Aufbau, sagte Hermann Gössinger vom AMS. Das Land wird sich an dieser Stiftung mit rund 490.000 Euro beteiligen, kündigte Soziallandesrat Kurt Flecker am Dienstag an.

Magna sucht 250 Experten

Die in der Stiftung "zwischengeparkten" Arbeitnehmer könnten spätestes 2010 wieder aufgenommen werden, da zu diesem Zeitpunkt die neuen Produktionen anlaufen, heißt es bei Magna.

Während im Produktionsbereich zu wenig Auslastung herrscht, sucht Magna im Engineeringbereich aktuell 250 Experten. Witzani: "In der Entwicklungssparte haben wir ab sofort einen akuten Personalbedarf."

Derzeit werden in Graz - der Beschäftigtenstand variiert zwischen 7000 und 9000, davon rund 3000 Leiharbeiter - der BMW X3, die Jeep-Modelle Grand Cherokee und Comander, die Mercedes-G-Klasse, der Chrysler 300 C sowie das Saab Cabrio 9-3 produziert. Neue Aufträge von Aston Martin, Porsche und Peugeot sollen den Wegfall des BMW X3 zumindest teilweise kompensieren.

Kritik an Bartenstein

Harsche Kritik an Magnas Kündigungspolitik, aber auch an Wirtschaftsminister Martin Bartenstein kam am Dienstag von KPÖ, FPÖ und den Grünen. Die Kommunisten ätzten: Jetzt stelle sich heraus, Magna-Boss Frank Stronach sei eben doch nicht "der gute Onkel, sondern ein beinharter Kapitalist" .

Grüne und FPÖ nahmen Minister Bartenstein wegen dessen Ankündigungen lukrativer Eurofighter-Gegengeschäfte, die Magna zu erwarten habe, ins Visier. Grünen-Landessprecher Nationalratsabgeordneter Werner Kogler: "Bartensteins Gegengeschäfte mit Magna sind Schall und Rauch."  (Walter Müller, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.8.2008)

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