Scharia-konformer Urlaub

26. August 2008, 17:00
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Gäste aus Arabischen Ländern sind auf der ganzen Welt begehrt. Für die zahlungskräftige Klientel werden eigene, Scharia-konforme Hotels eröffnet

Die Zahl der Nächtigungen in Österreich von Gästen aus Arabischen Ländern steigt seit 1997 kontinuierlich. Waren es vor zehn Jahren noch rund 80.000 so haben 2007 bereits fast 330.000 Besucher ihren Urlaub in Österreich verbracht. Das sind 0,4 Prozent aller Auslandsnächtigungen, wobei vor allem die Sommersaison für die arabischen Gäste besonders attraktiv ist.

Zahlungskräftige Hotelgäste

Die Gäste kommen aus den Emiraten, aus Saudi Arabien, Kuwait, Oman und Katar und das was sie suchen ist genau das, was Österreicher im Urlaub hinter sich lassen: alpines Klima, kühle Bergluft, Schnee und Regen. Aber auch Shoppen gehört zum Fixpunkt bei Reisen nach Österreich. Und Gäste aus arabischen Ländern verstehen es, ihren Urlaub zu genießen. Der Großteil der muslimischen Gäste, nämlich über 70 Prozent, logiert in Vier- bis Fünfsternhotels und gibt bis zu 700 Euro am Tag aus. Das ist siebenmal mehr als der Durchschnittsgast. Hauptreisemonat ist der Juni, Hauptreiseziel in Österreich ist Salzburg und hier vor allem Zell am See und der Gletscher Kaprun, auf dem sich viele den Traum erfüllen, einmal Schnee zu berühren. Auf wenig Interesse stoßen hingegen die Badeseen, da für muslimische Frauen das Schwimmen in öffentlichen Bädern nicht gestattet ist.

In der Alpentherme Gastein zieht man sogar die Errichtung einer Textilsauna in Betracht. Allerdings sei noch nichts im Detail geplant. "Wenn wir tatsächlich eine Textilsauna errichten, muss der gesamte Bereich abgetrennt werden, da unser Saunabereich ein Nacktbereich ist", erklärt Eva Erber. "Die Nachfrage ist groß. Allerdings vor allem von Gästen aus Russland, Italien und England. Muslimische Frauen gehen grundsätzlich gar nicht in die Sauna. Der Bereich wird nur von Männern genutzt". Auch der bereits vorhandene Damenbereich wird von den muslimischen Besucherinnen nicht aufgesucht.

Neues Konzept für die gehobene Hotelerie

International, und hier vor allem in der arabischen Welt, werden die Gäste aus dem Arabischen Raum heiß umworben. Europas älteste Luxushotelmarke Kempinski hat in Kooperation mit der internationalen Finanzfirma Guidance Financial Group erst kürzlich die Marke Shaza Hotels gegründet. In den kommenden acht Jahren sollen 30 Scharia-konforme Hotels in Dubai, Bahrain, Kairo, Marrakesch und Doha eröffnet werden und auch in Genf ist eine Hoteleröffnung geplant. "Es geht hier um die einmalige Chance für Kempinski, den expandierenden Tourismusmarkt des Mittleren Ostens für sich zu nutzen. Hotels dieser Art stellen ein völlig neues Konzept für den Vier- und Fünsternbereich dar", erklärt Christopher Hartley, Unternehmenschef von Shaza.

Das erste Hotel soll bereits 2010 in Dubai eröffnet werden. Vor allem Geschäftsreisende aus dem mittleren Osten und Familien sollen sich in den neuen Hotels wohl fühlen, in denen es vor allem darum geht, den kulturellen Hintergrund und die Traditionen der Gäste zu berücksichtigen. Dazu gehört, dass kein Alkohol ausgeschenkt wird und ausschließlich Halal-Speisen serviert werden. "Davon abgesehen werden Reisende kaum Unterschiede zu anderen Hotels feststellen", sagt Hartley. Laut Hartley bietet das neue Konzept sogar eine Reihe von Vorteilen für nichtmuslimische Gäste: "Heutige Reisende wollen weg von der Einheitlichkeit herkömmlicher Hotels und suchen mehr und mehr das Außergewöhnliche und Einzigartige. Shaza Hotels werden lokales Flair mit dem hochwertigem Service bieten, der die jahrelange Erfahrung der Kempinski-Gruppe mit sich bringt." Mit authentischen Angeboten wie Hamam, Spa, regionaler Küche und islamischer Kunst soll für Individualität gesorgt werden, die andere Hotels mit sich ähnelnder Ausstattung vermissen lassen.

Der Islam in neuem Licht

Die Shaza-Hotels sollen ein neues Bild vom Islam vermitteln. Die muslimischen Traditionen wie Gastfreundschaft sowie die reiche Kultur stehen dabei im Vordergrund. "Unsere Gäste sollen die Möglichkeit haben, eine Region mit all ihrer reichhaltigen Kultur und Tradition kennen lernen und damit ein anderes Bild erhalten, als es negative Politik über Jahre hinweg in den Köpfen der Menschen geschaffen hat", sagt Harley. Etwa vier Prozent aller Gäste in den Kempinski Hotels sind Muslime.

Alkoholverbot und Kopftuch

Noch gibt es keine Vorgaben dafür, wie ein Scharia Hotel auszusehen hat. In einigen wird kein Alkohol ausgeschenkt, in anderen sind Glücksspiele verboten. Im Jawhara-Gardens-Hotel in Dubai ist sogar das Mitbringen von Alkohol verboten. Frauen, die hier arbeiten, müssen ein Kopftuch tragen, unabhängig davon, ob sie dem islamischen Glauben angehören oder nicht. Muslimische Gäste müssen verheiratet sein, um übernachten zu dürfen. Für Frauen gibt es speziell ein überdachtes Außenbecken-Schwimmbecken. Alljährlich spendet das Jawhara-Gardens-Hotel 2,5 Prozent des Nettogewinns an Wohltätigkeitsorganisationen, so wie es der islamische Glaube vorschreibt.  (Mirjam Harmtodt/derStandard.at/26.08.2008)

  • Kopftuch ist Pflich für Frauen, die im Jawhara-Gardens-Hotel arbeiten.
    foto: jawhara-gardens-hotel

    Kopftuch ist Pflich für Frauen, die im Jawhara-Gardens-Hotel arbeiten.

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