Blaues Auge für Österreichs Banken

26. August 2008, 18:52
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Die Finanzkrise hat den Instituten binnen eines Jahres zwei Milliarden Euro an Wertberichtigungen beschert. Wie viel davon wirklich schlagend wird, weiß heute noch niemand

Alpbach - Die österreichischen Banken sind bei der von den USA ausgegangenen internationalen Finanzmarktkrise bisher mit einem blauen Auge davongekommen. Der Wertberichtigungsbedarf in den Bilanzen hat sich (vergleichsweise) in Grenzen gehalten - trotzdem summieren sich die Abwertungen (auf strukturierte Kreditprodukte) seit Sommer 2007 bis Ende Juni 2008 auf rund zwei Milliarden Euro.

Im Jahr 2007 (und da im zweiten Halbjahr) betrugen die Abwertungen exakt 1,065 Mrd. Euro; heuer kamen noch einmal 916 Millionen dazu (davon fast 770 im ersten Quartal). Diese Zahlen präsentierte die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) anlässlich eines Hintergrundgesprächs mit OeNB-Vizegouverneur Wolfgang Duchatczek beim Alpbacher Bankenseminar. Mit 0,18 Prozent der gesamten Bilanzsummen liegt die hiesige Branche damit im internationalen Vergleich deutlich besser als die Konkurrenz im Ausland.

Die tatsächlichen Ausfälle aus diesen Investments lagen laut dem künftigen OeNB-Direktoriumsmitglied Andreas Ittner im ersten Halbjahr bei nur 50 Mio. Euro. Das bedeutet laut dem Banker, dass die österreichischen Institute keine "Junk" -Papiere haben. Wie das alles ausgehen wird, das steht derzeit freilich noch in den Sternen. Denn wie viel von den bisher abgewerteten Beträgen auch wirklich schlagend wird, das können auch die Notenbanker nicht beurteilen; ebenso wie sie die Frage nicht beantworten können, wann allenfalls erste Zuschreibungen erfolgen können.

Unsichere Märkte

Nur eines ist sicher: Die Märkte und Preisentwicklungen sind unsicher. Ittner drückte das mit einem Hinweis auf leichte Entspannung so aus: "Die Finanzmärkte werden noch für einige Zeit volatil bleiben, und daher wird es weitere Preisbewegungen geben - jedoch kommt es zu einer Verlangsamung."

Insgesamt stand die Bankenbranche im Vergleich zum Vorjahr und im ersten Halbjahr 2008 auf der Schattenseite; das Betriebsergebnis der Banken in Österreich litt vor allem unter schrumpfenden Handels- und Provisionsergebnissen (minus 11,2 Prozent). Dafür wachsen die Einlagen, und zwar doppelt so stark wie die Kredite, und das stärkt das österreichische Finanzsystem, wie die Notenbanker analysierten. Zwar hätten die Banken die Konditionen verschärft, eine Kreditklemme gebe es in Österreich aber trotzdem nicht.

Die Musik für die Österreicher spielt im Osten, derzeit entfallen laut OeNB bereits zwei Drittel der Bilanzsummen der Banken auf das dortige Geschäft. Zwar gäbe es auch im Osten "Wachstumsabschwächungen, aber die österreichischen Banken würden auch Gewinnrückgänge in CEE verkraften", glaubt der Notenbanker.

Weltweit betrachtet können die Banker seit März wieder leichter durchatmen. Da wurde der US-Investmentbankriese Bear Stearns aufgefangen - was laut Ittner zu einer Entspannung der Lage geführt hat. Interessantes Datenmaterial hatte Ittner bei der Eröffnung des Bankenseminars präsentiert, und zwar Schätzungen des Währungsfonds (IWF) über die Höhe der abschreibungsbedingten Verluste im internationalen Bankgeschäft: 950 Mrd. Dollar (rund 643 Mrd. Euro).

Banken tragen nicht alles

Am meisten (rund 500 Mrd. Dollar) mussten zwar die Banken abschreiben, aber - und das ist ein Novum bei Finanzkrisen - den gesamten Rest mussten sich Versicherer, Pensionsfonds oder Hedgefonds umhängen. Laut IWF sind 70 Prozent der entstandenen Löcher schon wieder mit frischem Eigenkapital aufgefüllt. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.8.2008)

  • Infografik: Finanzkrise - Abschreibungen internationaler Großbanken
    grafik: standard

    Infografik: Finanzkrise - Abschreibungen internationaler Großbanken

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