Pressestimmen: Angst des Obama-Lagers vor Clintons

26. August 2008, 09:56
1 Posting

Hillary Clinton müsse ihre Anhänger überzeugen, dass Obama Unterstützung ihrer Fans benötigt

Zürich/Rom/Mailand - Mit dem Wahlparteitag der
amerikanischen Demokraten in Denver zur Nominierung des
Präsidentschaftskandidaten befasst sich am Dienstag die
internationale Presse:

"Tages-Anzeiger" (Zürich):

"Hinter dem Gerangel um die Rolle der Clintons steckt die
verständliche Angst des Obama-Lagers und mancher demokratischer
Oberen, das Power-Paar werde den demokratischen
Präsidentschaftskandidaten durch eine übertriebene Selbstinszenierung
überschatten (...). Nun kann Hillary Clinton (...) beweisen, wie sehr
ihr an einem demokratischen Sieg im November gelegen ist: Sie muss
ihre Anhängerinnen davon überzeugen, dass Barack Obama die
demokratische Nominierung verdient hat und die Unterstützung ihrer
Fans benötigt. Hadert die Partei mit sich selber und lehnt ein Teil
der demokratischen Wählerschaft Obama ab, dürfte dessen Sieg beim
Urnengang im November in weite Ferne rücken."

"La Repubblica" (Rom):

"Dass eine ´Kandidatin´ für das Amt der First Lady eine Rede beim
Parteitag hält, ist keine neue Erfindung. Damit hatte bereits Eleanor
Roosevelt im Jahr 1940 begonnen, die den richtigen Ton traf und die
Delegierten davon überzeugte, den vom Ehemann ausgesuchten Vize zu
akzeptieren. Aber eine Feier wie diese (...) hatte es bisher noch
nicht gegeben: Sie haben ihr ganzes Privatleben öffentlich gemacht,
ihre Verwandten, ihre Freunde, ihre Vergangenheit. Das Bühnenbild und
das Drehbuch waren perfekt: Zuerst erschien Michelles gigantischer
Bruder Craig, der das Basketball-Team der Universität Oregon
trainiert, und er war es auch, der sie präsentiert und auf die Bühne
gerufen hat. (...) Ab heute werden die Umfrageergebnisse zeigen, ob
der Versuch, das Vorurteil abzuwenden, geglückt ist, und ob auch das
Herz Amerikas davon überzeugt werden konnte, dass ein Mädchen aus dem
Ghetto an Thanksgiving den Truthahn im Weißen Haus zubereiten und die
Lichter des riesigen Weihnachtsbaumes entzünden kann."

"Corriere della Sera" (Mailand):

"In Denver waren die düsteren Gesichter der Hillary-Fans unter den
Delegierten gezwungen, Obama zu lobpreisen. In Minneapolis findet
hingegen in der kommenden Woche die Versammlung statt, bei der die
Partei McCain krönt, einen Kandidaten, den sie nicht wirklich liebt.
Die Parteitage des Jahres 2008 sind von Bauchschmerzen geprägt. Aber
das Unbehagen der Parteiapparate ist auch ein schönes Beispiel für
die Vitalität der amerikanischen Demokratie. (...) Die Wähler bei den
Vorwahlen haben die Parteiapparate besiegt, die das Unvermeidbare
schließlich akzeptieren mussten. Wenn es nun bei den Parteitagen
etwas an Enthusiasmus fehlt und es ein paar Proteste gibt, dann muss
dies als Zeichen der Stärke der amerikanischen Demokratie - und nicht
als Schwäche - verstanden werden."

Zeitung "ABC" (Madrid) am Dienstag:

"Es ist nicht zu erwarten, dass Parteitag der Demokraten in Denver
nähere Aufschlüsse über die Person des künftigen Kandidaten Barack
Obama zutage bringen wird. Das Treffen wird im Gegenteil dazu dienen,
Schwächen zu vertuschen. Obama hat gezeigt, dass er ein
ausgezeichneter Kandidat ist. Nun muss sich noch herausstellen, ob
aus ihm auch ein guter Präsident werden kann. Der Parteitag in Denver
wird jedoch ablaufen wie alle Treffen dieser Art: Es wird Marketing
betrieben und das Image des Kandidaten aufpoliert werden. Was man
eigentlich bräuchte, wird es nicht geben, nämlich Hinweise darauf, ob
Obama in der Lage sein wird, die wichtigste Macht der Welt zu
führen."

"Westdeutsche Zeitung" (Düsseldorf):

"Kann es sein, dass sich jener Barack Obama, der während der
demokratischen Vorwahlen eine taktisch geniale Kampagne inszenierte,
sich nun kräftig verrechnet hat? Obwohl er sich in der Schlussphase
relativ deutlich von Hillary Clinton absetzen konnte, darf der
Neuling Obama den Einfluss des früheren 'ersten Ehepaars' Hillary und
Bill nicht unterschätzen. Erst brüskierte er das nach wie vor
einflussreiche Paar mit der Nominierung Joseph Bidens zum
Vizepräsidentschaftskandidaten, nun wird dem Ex-Präsidenten diktiert,
worüber er beim Parteitag reden soll. Obama muss vorsichtig sein,
denn ohne die tatkräftige Unterstützung der Clintons, die ärmere
weiße sowie hispanische Wähler auf ihrer Seite haben, droht ihm im
November ein böses Erwachen." (APA/dpa)

 

 

Share if you care.