Ex-Außenministerin wirft Saakaschwili "unglaubliche Ignoranz" vor

26. August 2008, 08:57
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Surabischwili sieht internationale Glaubwürdigkeit verspielt und tritt für "nationales Rettungskomitee" ein - Präsident habe "schwere Fehler" zu verantworten

Tiflis/Paris - Die ehemalige georgische Außenministerin Salome Surabischwili hat Präsident Michail Saakaschwili eine "geradezu unglaubliche Unkenntnis der diplomatischen und militärischen Geschichte Russlands" vorgeworfen. Andernfalls hätte er sich nicht auf das Südossetien-Abenteuer einlassen können, erklärte die Oppositionspolitikerin in einem Interview für die neueste Ausgabe des französischen Nachrichtenmagazins "L'Express". Surabischwili verwies dabei auf mehrere Begebenheiten in den russisch-georgischen Beziehungen im 18. Jahrhundert unter Zarin Katharina II. (1801 kam es zur Annexion Georgiens durch Russland.)

Provokationen

Es gebe keinen Zweifel daran, sagte Surabischwili, dass Moskau mit "direkten und indirekten Provokationen", wie unter anderem der Ausstellung russischer Pässe an Südosseten und Abchasen, das Ziel verfolgt habe, Georgien zu dem schweren Fehler zu verleiten, den Saakaschwili zu verantworten habe. "2004 und 2005 hatte Georgien alles für sich: Einen starken nationalen Zusammenhalt, eine uneingeschränkte internationale Unterstützung, eine europäische und atlantische Perspektive, ein beträchtliches Wirtschaftswachstum und sogar eine konstruktive Neutralität Russlands", das die sogenannte Rosenrevolution Saakaschwilis gegen den dann gestürzten Präsidenten Eduard Schewardnadse hingenommen habe, meinte die Ex-Außenministerin, die zu den Parlamentswahlen 2007 als Kandidatin der Opposition für das Amt des Regierungschefs angetreten war.

Es sei heute das große Dilemma der georgischen Opposition, Saakaschwili nicht kritisieren zu können, ohne den Eindruck zu erwecken, "das Spiel Moskaus zu spielen" und das geschwächte Land zu spalten. "Jeder muss verstehen, dass ein Staat, dessen Präsident von Russland ausgesucht wird, keinen Anspruch mehr auf Unabhängigkeit und Souveränität erheben kann." Es sei aber unmöglich, Saakaschwili länger an der Macht zu belassen: "Er hat keine internationale Glaubwürdigkeit, und es fehlt im das Vertrauen der Nation, um für Georgien vitale Verhandlungen erfolgreich führen zu können." Surabischwili tritt für eine "demokratische Machtteilung" zwischen dem Präsidenten und einem "nationalen Rettungskomitee" ein. "Das ist es, was Europäer und Amerikaner fördern sollten." (APA)

 

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