Der Härtetest für das iPhone in Japan

26. August 2008, 08:57
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Die anfängliche Begeisterung hat sich zwar inzwischen gelegt. Dennoch könnte das iPhone ein Meilenstein in Japans Handygeschichte werden: als Türöffner für ausländische Mobiltelefone

Am 11. Juli standen in Japan die Apple-Fans Schlange, um gleich am ersten Verkaufstag ein iPhone zu ergattern. Dabei ist ein Hype um ein bestimmtes Handy ein Novum in Japan. Etliche Wochen nach dem Verkaufsstart hat sich die Nachfrage nach Apples Mobiltelefon in Japan wie auch anderswo normalisiert. Erste Anbieter wie der Netzbetreiber Softbank Mobile bieten bereits neben der 45 Euro teuren Flatrate für Datennutzung einen preiswerteren Einstiegsvertrag für Wenignutzer an.

Entwicklung

Die Verkaufsentwicklung des iPhones im japanischen Mobilfunkmarkt wird von Experten mit großem Interesse verfolgt. Das Gerät könnte ein Meilenstein in der japanischen Handygeschichte werden - als Türöffner für ausländische Mobiltelefone in den am höchsten entwickelten Handymarkt der Welt.

Ausstattung

Technisch sind japanische Mobiltelefone europäischen und amerikanischen oft um zwei bis drei Jahre voraus, sagt Gerhard Fasol, Chef des Technologieberaters Eurotechnology in Tokio. "Bei UMTS-Diensten hat Japan vier bis fünf Jahre Vorsprung vor Europa. Japan ist für das iPhone der Härtetest."

Konkurrenz

Leicht hat es das Apple-Gerät nicht: Die hier verkauften Handys verfügen über eine hochwertige und teure Ausstattung, bei der das iPhone im Vergleich oft den Kürzeren zieht. So hat das iPhone zum Beispiel keine in Japan zur Basisausstattung gehörende Infrarot-Schnittstelle, über die die Japaner Kontaktdaten oder Bilder austauschen. Noch auffälliger ist der fehlende Digital-TV-Tuner. Fast jedes Handy in Japan ist heutzutage auch ein Bonsai-TV. Auch ein großer Touchscreen mit hoher Auflösung ist nichts Besonderes mehr. Zwei-Finger-Bedienung beherrscht zwar weiterhin nur das iPhone. Aber die ist in Japan auch nicht so wichtig, da die meisten Menschen ihre Handys in den vollen Bahnen stehend und damit einhändig bedienen.

Fehlend

Auch fehlt dem iPhone eine Öse, an der die Japaner die allgegenwärtigen Anhänger oder Halteschnüre befestigen könnten. Anhänger für andere in der Hand haltbare Geräte wie Klappfächer sind seit Jahrhunderten ein fester Bestandteil der Alltagsmode. Obendrein war der Zeitpunkt des iPhone-Debüts eher ungünstig. Der Handymarkt schrumpft gerade drastisch, weil die Regierung per Dekret das Geschäftsmodell der Netzbetreiber geändert hat. Die hohen Handy-Subventionen sollen verschwinden und dafür die Telefongebühren sinken.

Erfolg

Bei allen Einschränkungen ist das iPhone dennoch schon heute in Japan ein Erfolg. Fast alle TV-Sender berichteten zum Verkaufsstart live vom Ansturm auf das Apple-Handy. Allein im Juli wurden schätzungsweise 75.000 bis 125.000 iPhones verkauft. (Martin Kölling / DER STANDARD Printausgabe, 26.08.2008)

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Apple

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    Nach dem ersten Willkommensbeifall im Juli muss sich Apples iPhone jetzt im anspruchsvollen japanischen Markt behaupten

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