Kaschmir-Konflikt kehrt zurück

26. August 2008, 08:28
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In der zwischen Indien und Pakistan geteilten Provinz spitzt sich der Konflikt um den Status der Region zu - Seit Juni gab es 39 Tote

Srinagar - Massenproteste Im indischen Teil von Kaschmir sind seit Anfang dieser Woche fünf Menschen von Soldaten oder Polizisten erschossen worden. Die Sicherheitskräfte gingen nach offiziellen Angaben gegen islamische Demonstranten vor, die in Srinagar und benachbarten Ortschaft trotz eines Ausgehverbots für ein Ende der indischen Herrschaft in Kaschmir demonstrierten.

Seit Juni kamen bei den anhaltenden Unruhen mindestens 39 Menschen ums Leben. Kaschmir ist seit dem Ende der britischen Kolonialherrschaft 1947 zwischen Indien und Pakistan geteilt. Im indischen Teil Kaschmirs kämpfen muslimische Separatisten für die Unabhängigkeit oder den Anschluss an Pakistan. Indien und Pakistan haben seit ihrer Unabhängigkeit drei Kriege gegeneinander geführt, zwei davon um das geteilte Kaschmir. Ein seit Ende 2003 geltender Waffenstillstand schließt die muslimischen Extremisten nicht ein.


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Der vorerst letzter Vorfall in dem Konflikt, war als am Mittwoch Regierungstruppen gewaltsam eine Geiselnahme beendeten. Islamische Rebellen hatten ein eistöckiges Haus besetzt. Elf Menschen starben bei der Befreiungsaktion.

Auslöser: Land für Hindu-Pilger

Ausgelöst hat die Krawalle der Streit um ein 40 Hektar großes Stück Land. Indische Behörden hatten das Landstück in Kaschmir an Hindu-Pilger übergeben. Das erzürnte die Muslime. Als die Behörden einen Rückzieher machten, stiegen in Jammu die Hindus auf die Barrikaden. Seit dem schaukeln sich Proteste und Gegenproteste hoch. Das Klima zwischen dem hinduistischen Jammu und dem muslimischen Kaschmir, die auf dem Papier einen Bundesstaat bilden, ist vergiftet.

Massenaufstand gegen Indien

Die Proteste im indischen Kaschmir haben sich in den letzten Monaten zum Massenaufstand gegen das ungeliebte Indien ausgeweitet. Vergangene Woche zogen hunderttausende Muslime durch die Hauptstadt Srinagar, um Freiheit zu fordern. Die Polizei sprach von mindestens 200.000. Es war die größte Kundgebung seit Beginn des Aufruhrs vor zwei Monaten. Am Sonntag verhängte die Regierung dann eine Ausgangssperre, um weitere Demonstrationen zu verhindern. Seit Samstag legt zudem ein Generalstreik große Teile Kaschmirs lahm.

Die Stimmung in der einzigen von Muslimen dominierten Region Indiens ist aufgeheizt. 23 Muslime wurden bei Krawallen von der Polizei erschossen. Erst am Donnerstag starben zwölf Rebellen und drei Soldaten. Viele Kaschmiris sehen Indien als Besatzungsmacht an. Indien soll 500.000 Soldaten in der Region stationiert haben. In Neu-Delhi ist man hochbesorgt. Die Szenen wecken böse Erinnerungen an 1989. Damals hatten Separatisten eine blutige Revolte gegen Indien begonnen, die in den nächsten Jahren danach tausende Leben kostete. Viele Militante sollen damals von Pakistan geschickt worden sein. "Dies ist eine Freiheitsbewegung" , sagt der 27-jährige Salman Ahmed. "Wir werden Indien bekämpfen, bis wir frei sind."

Waffenstillstand seit 2003

In den vergangenen fünf Jahren war es in Kaschmir relativ ruhig gewesen. Selbst Touristen wagten sich in die Region zurück. Dazu hatte der Friedensprozess zwischen Indien und Pakistan beigetragen, die zwei Kriege um das geteilte Kaschmir geführt hatten. Seit 2003 herrscht an der Grenze ein Waffenstillstand.

Doch der Aufruhr belastet das Klima zwischen den alten Rivalen. Indien wirft Pakistans Geheimdienst ISI vor, die Proteste in Kaschmir anzuheizen und wieder Extremisten nach Kaschmir loszuschicken.

Brüchiger Waffenstillstand

Vergeblich versuchte die Zentralregierung, den Aufruhr zu beenden. Fundamentalisten feuern den Hass an. In Jammu agitieren die Hindunationalisten der BJP. Im Kaschmir gießen muslimische Separatisten Öl ins Feuer. Auch die Waffenruhe zwischen Indien un Pakistan wird immer brüchiger. Pakistanische Soldaten feuern immer öfter über die Grenze auf indische Stellungen. Noch haben die Inder nach eigenen Angaben aber nicht zurückgeschossen. (red, APA/AP)

Link:

The Economist: Bitter fruit

Statement von Human Rights Watch zur Gewalt in Jammu

  • Silhuetten vom muslimischen Kaschmiris hinter einer Flagge auf der "Allah ist groß" zu lesen steht. Die Mehrheit der Bevölkerung Kaschmirs ist muslimisch.
 
    Foto: AP Photo/Dar Yasin

    Silhuetten vom muslimischen Kaschmiris hinter einer Flagge auf der "Allah ist groß" zu lesen steht. Die Mehrheit der Bevölkerung Kaschmirs ist muslimisch.

     

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    In Kashmir wohnen mehrheitlich Muslime. Viele von ihnen sehen Indien als Besatzungsmacht.

  • Indische Polizei patrouilliert am in Srinagar. Die Ausgangssperre wurde am Sonntag verhängt. Vier Seperatisten-Führer wurden verhaftet. Die anti-indischen Proteste sind die größten seit 20 Jahren.
    Foto: REUTERS/Fayaz Kabli

    Indische Polizei patrouilliert am in Srinagar. Die Ausgangssperre wurde am Sonntag verhängt. Vier Seperatisten-Führer wurden verhaftet. Die anti-indischen Proteste sind die größten seit 20 Jahren.

  • Proteste in Srinagar am Samstag vergangener Woche (23.3.). In der Sommerhauptstadt blieben Geschäfte und Schulen für drei Tage geschlossen.
    Foto:

    Proteste in Srinagar am Samstag vergangener Woche (23.3.). In der Sommerhauptstadt blieben Geschäfte und Schulen für drei Tage geschlossen.

  • Proteste in Jamma am Dienstag (26.6), der Winterhauptstadt von Kaschmir.
    Foto: EPA/JAIPAL SINGH

    Proteste in Jamma am Dienstag (26.6), der Winterhauptstadt von Kaschmir.

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