EU-Staaten warnen Russland vor Einverleibung der Krim

28. August 2008, 06:10
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Weitere Grenzverschiebungen befürchtet – Nato fordert Rücknahme der Georgien-Beschlüsse

Moskau/Kiew - Die gegenseitigen Warnungen und Drohungen zwischen Russland und dem Westen haben nach der Anerkennung Südossetiens und Abchasiens durch Moskau weiter zugenommen. Die französische EU-Ratspräsidentschaft befürchtet nun, dass Russland in Europa versuchen könnte, weitere Grenzverschiebungen vorzunehmen. Es könne "andere Ziele" geben, sagte der französische Außenminister Bernard Kouchner am Mittwoch im Radiosender Europe 1. Er nannte dabei "insbesondere die Krim, die Ukraine und Moldau".

Die Nato forderte Russland am Mittwoch auf, die Anerkennung der Unabhängigkeit Abchasiens und Südossetiens von Georgien rückgängig zu machen.

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"Insbesondere die Krim, die Ukraine und Moldawien" , könnten nach Georgien die nächsten Ziele Russlands sein, mutmaßte der französische Außenminister Bernard Kouchner am Mittwoch im Radiosender Europe 1. In der Tat gibt es einige Parallelen zwischen der zur Ukraine gehörigen Schwarzmeerhalbinsel Krim und der von Georgien abtrünnigen Region Südossetien.

Wie in Südossetien sind auch auf der Krim viele Einwohner russische Staatsbürger, die Halbinsel gilt als prorussisch, und es gibt starke Forderungen nach einer Abspaltung von der Ukraine, sollte diese der Nato beitreten. Westlichen Medienberichten zufolge hat Moskau 170.000 der rund zwei Millionen Bewohner mit russischen Pässen ausgestattet. Hinzu kommen die Soldaten der russischen Schwarzmeer-Flotte, deren Kriegsschiffe laut einem Pachtvertrag mit der Ukraine noch bis 2017 im Hafen von Sewastopol vor Anker gehen dürfen. Kiew hat aber nach dem russischen Einmarsch in Georgien angekündigt, den Pachtvertrag nicht zu verlängern.

Die komplexe Bevölkerungsstruktur und die bewegte Geschichte der Halbinsel tragen nicht zur Entspannung der Lage bei. Nach der Besetzung durch die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg wurde das muslimische Turkvolk der Krimtataren auf Stalins Befehl kollektiv wegen Kollaboration mit den Nazis nach Zentralasien deportiert. Erst ab 1988 durften sie zurückkehren. Heute leben rund 240.000 Krimtataren auf der Insel, weshalb die Krim auch als ein Zentrum des Islams in der Ukraine gilt. (Mascha Dabić/DER STANDARD, Printausgabe, 28.8.2008)

 

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    Russlands Präsident Dmitri Medwedew in der "Financial Times": Hatte keine andere Wahl, als Abchasien und Südossetien anzuerkennen.

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    Der US-Zerstörer USS McFaul kreuzt vor der georgischen Küste im Schwarzen Meer.

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