Nordirland: Probritische UDA verkündet Waffenruhe

23. Februar 2003, 16:07
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Moratorium mindestens soll bis Februar 2004 gelten

Belfast/London - Die größte pro-britische Untergrundgruppe in Nordirland hat eine 12-monatige Waffenruhe angekündigt. Sie gelte für alle Einheiten der "Ulster Defence Association" (UDA), die Ulster Freedom Fighters (UFF) und die Ulster Young Militants, hieß es am Samstag in einer Erklärung der UDA. Ihre Waffen abgeben wollen die paramilitärischen Gruppen zunächst nicht, zuerst müsse sich die Untergrundorganisation IRA komplett entwaffnen, hieß es. Der Chef der Ulster Unionist Party (UUP), David Trimble, bezeichnete die Ankündigung als "eine positive und willkommene Entwicklung".

Gruppe will sich neu strukturieren

Die 1971 gegründete UDA wurde in jüngster Zeit von internen Fehden zwischen ihren verschiedenen Flügeln geschwächt. Ihre Stärke wird nur auf mehrere hundert Mitglieder geschätzt. Die UDA bekämpft Bestrebungen, Nordirland von Großbritannien abzuspalten und mit der Republik Irland zu vereinen und wird für Morde und Bombenanschläge auf katholische Häuser verantwortlich gemacht. Die Gruppe gab an, sie wolle sich neu strukturieren und auch über eine Entwaffnung beraten. Die britischen Medien schenkten dem am Sonntag in Kommentaren wenig Glauben. Zu oft habe die Gruppe bereits ihre Versprechen gebrochen.

Wahlen im Mai

Im Mai wird in der britischen Unruheprovinz Nordirland gewählt. Mitte Oktober 2002 hatte die britische Regierung die katholisch-protestantische Regierung Nordirlands und das Regionalparlament suspendiert, nachdem bekannt geworden war, dass die Republikaner das britische Nordirland-Ministerium ausspioniert hatten. Sowohl der britische Premierminister Tony Blair als auch der damalige protestantische Chef der Regionalregierung Nordirlands, Trimble, hatten eine Auflösung der IRA zur Vorbedingung für die Fortsetzung des 1998 eingeleiteten Friedensprozesses gemacht.

Schritt begrüßt

Die Regierungen in London, Dublin sowie die nordirisch-katholische Partei SDLP begrüßten den Schritt, der vom politischen Sprecher der UDA, Tommy Kirkham, bekannt gegeben wurde. Darüber hinaus werde auch der illegale Handel mit Drogen, Zigaretten und Raubkopien eingestellt. Das Moratorium solle bis mindestens Februar 2004 gelten, werde aber alle drei Monate überprüft. Die UDA kündigte ferner an, sie wolle die 2002 abgebrochenen Verhandlungen mit der Entwaffnungskommission unter Vorsitz des Kanadiers General John de Chastelain wieder aufzunehmen.

UDA will Waffen nur nach vollständiger Entwaffnung der IRA hergeben

Die Organisation betonte aber, vor einer vollständigen Entwaffnung der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) werde sie keine Waffen abgeben. Das Karfreitagsabkommen von 1998 sieht die Entwaffnung aller paramilitärischen Organisationen vor. Anschläge der UDA mit Rohrbomben oder Attentate mit Schusswaffen haben seit 2001 mindestens sechs Katholiken das Leben gekostet. Die UDA hatte 1994 schon einmal einen Waffenstillstand erklärt, der aber 2001 von der britischen Regierung für unwirksam erklärt wurde. In den vergangenen Wochen hatten interne Fehden innerhalb der UDA einen Höhepunkt erreicht.(APA/dpa/AP)

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