Staatsanwälte betrachten Ex-Mannesmann-Chef als käuflich

22. Februar 2003, 12:41
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Kein Widerstand Essers gegen feindliche Übernahme durch Vodafone

Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft erhebt in ihrer Anklage gegen frühere Führungskräfte der Mannesmann AG nach einem Zeitungsbericht den Vorwurf, Ex-Konzernchef Klaus Esser sei käuflich gewesen. Esser und seinem Amtsvorgänger Joachim Funk werde in der noch nicht veröffentlichten Anklageschrift vorgeworfen, sie hätten die umstrittenen Zuwendungen in Millionenhöhe an sich selbst zu einem Zeitpunkt verabredet, als sie sich noch gegen die feindliche Übernahme durch Vodafone hätten wehren können, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) in ihrer Samstag-Ausgabe. Die Strafverfolger wollten dem Bericht zufolge diese Behauptung mit Hinweisen in schriftlichen Verabredungen "von Ende Januar" belegen.

600 Seiten Anklageschrift

Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft wollte den Bericht nicht kommentieren. In Justizkreisen hieß es, Grundzüge der 600 Seiten starken Anklageschrift würden voraussichtlich am Dienstagmittag veröffentlicht. Esser sagte der Nachrichtenagentur Reuters: "Die gegen mich seit Jahren erhobenen Vorwürfe, insbesondere der Vorwurf der Käuflichkeit, sind in der Anklage nicht mehr enthalten." Die Spekulation, er habe mit Funk "Ende Januar" eine unkorrekte Verabredung getroffen, sei so falsch wie frühere Vorwürfe.

Betroffen auch Zwickel und Ackermann

Die Staatsanwaltschaft hatte in der vorigen Woche im Zusammenhang mit hohen Abfindungszahlungen und Boni bei der milliardenschweren Übernahme von Mannesmann durch den britischen Mobilfunkkonzern Vodafone gegen sechs Spitzenmanager und ehemalige Aufsichtsräte Anklage erhoben. Die Anklage richtet sich Justizkreisen zufolge auch gegen IG-Metall-Chef Klaus Zwickel und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Nach einem monatelangen Übernahmekampf hatten sich Mannesmann und Vodafone Anfang Februar 2000 schließlich auf eine einvernehmliche Übernahme geeinigt.(APA/Reuters)

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