Emotionaler Auftakt zum Parteitag der Demokraten

26. August 2008, 06:22
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Redner beschwören Einheit der Partei, während es hinter den Kulissen brodelt: Hillary Clintons Anhänger sind enttäuscht

Zum Auftakt ihres Parteitags in Denver haben sich die Demokraten in den USA nach einem erbitterten Vorwahlkampf um Geschlossenheit bemüht. Erster Höhepunkt der viertägigen Versammlung war am Montag eine emotionale Ansprache von Michelle Obama, der Frau des designierten Präsidentschaftskandidaten.

Satellitenverbindung

Familienwerte und der amerikanische Traum seien zentrale Antriebskräfte für die Präsidentschaftskandidatur ihres Mannes Barack, führte Michelle Obama vor den mehr als 4.000 Delegierten aus. Sie beschrieb ihre eigene Kindheit in einer Arbeiterfamilie in Chicago. Barack Obama habe einen ähnlichen Werdegang gehabt und teile die gleichen Überzeugungen und Hoffnungen mit Millionen Amerikanern, sagte sie. "Ich liebe dieses Land", versicherte Michelle Obama mit Blick auf wiederholt öffentlich geäußerte Zweifel am Patriotismus ihrer Familie. Zusammen mit ihrem Mann fühle sie sich verpflichtet, im Interesse ihrer und aller Kinder für eine bessere Zukunft zu kämpfen.

Nach der Rede holte sie ihre beiden Töchter Sasha und Malia auf die Bühne, während ihr Mann über eine Satellitenverbindung auf der Leinwand erschien und sich mit einem Gruß an die Versammlung wandte. Der Parteitag will Obama offiziell zum Präsidentschaftskandidaten wählen. Höhepunkt der Versammlung ist eine Rede Obamas am Donnerstag, in der er die Kandidatur annehmen will. Um ihm dafür ein möglichst großes Podium zu bieten, wurde diese Rede in ein Stadion in Denver verlegt, das Platz bietet für 75.000 Menschen.

 

In einem ersten formellen Akt des Parteitags verabschiedeten die Demokraten ein Wahlprogramm, das zentrale Forderungen des designierten Präsidentschaftskandidaten Barack Obama enthält. Dazu gehören der Abzug der US-Kampftruppen aus dem Irak innerhalb von 16 Monaten, ein Paket zur Belebung der Konjunktur, eine allgemeine Krankenversicherung und höhere Steuern für Haushalte mit einem Jahreseinkommen von mehr als 250.000 Dollar (170.000 Euro).

Rede von Nancy Pelosi

Parlamentspräsidentin Nancy Pelosi forderte die Partei zur Geschlossenheit auf. Sie räumte ein, dass der Prozess der Versöhnung nach dem erbitterten Vorwahlkampf zwischen Obama und Hillary Clinton noch nicht abgeschlossen sei. Es sei aber nicht produktiv, weiter in diesem Streit zu schwelgen, sagte Pelosi und erklärte vor den Delegierten: "Die Demokraten werden diese Versammlung in Denver geeint, organisiert und stärker denn je verlassen, um Amerika mit Barack Obama als Präsident und Joe Biden als Vizepräsident in eine neue Richtung zu bringen.

Vorsprung eingebüßt

"Umfragen zufolge hat Obama seinen Vorsprung in der Wählergunst vor dem designierten Kandidaten der Republikaner, John McCain, mittlerweile eingebüßt. Beide Politiker liegen nun gleichauf.

Aufsehen erregte bei der Eröffnung des Parteitags die Anwesenheit des krebskranken Senators Edward Kennedy. Er rief zur Unterstützung Obamas auf und sagte: "Die Arbeit beginnt von neuem, die Hoffnung wächst wieder, und der Traum lebt weiter." Trotz der andauernden Behandlung wegen eines Hirntumors sagte Kennedy, er verspreche, dass er auch nach der Wahl im November wieder seinen Sitz im Senat einnehmen werde. Auf dem Parteitag wurde auch ein Film zu Ehren Kennedys gezeigt, der als Idol der liberalen Bewegung in den USA gilt und die politische Dynastie des einst als Hoffnungsträger gewählten Präsidenten John F. Kennedy verkörpert.

 

Wahl des Kandidaten

Die Wahl des Kandidaten beginnt am Mittwochabend, wenn die Delegierten der einzelnen US-Staaten ihre Stimmen abgeben. Die Parteitagsregie sieht dem Vernehmen nach vor, dass die Delegierten zunächst sowohl ihre Stimmen für Obama und Hillary Clinton abgeben. Dann aber soll Clinton ihre Delegierten aufrufen, für Obama zu stimmen.

Obama zeigte sich am Montag überzeugt, dass seine ehemalige innerparteiliche Rivalin sowie deren Ehemann Bill nun voll hinter ihm stehen. Die Clintons hätten ihm ihre Unterstützung nicht deutlicher zeigen können, sagte Obama nach einem Wahlkampfauftritt in Iowa. Er habe Verständnis dafür, dass nach dem heftig geführten innerparteilichen Wahlkampf einige von Clintons Anhängern nun zögerten, ihn zu unterstützen. Der Parteitag in Denver werde jedoch dazu beitragen, die Demokratische Partei wieder zu einen und ihr die für einen Wahlsieg am 4. November notwendige Geschlossenheit geben, sagte Obama.

Nach jüngsten Umfragen wollen immer noch 30 Prozent der Anhänger Clintons den republikanischen Kandidaten John McCain wählen oder überhaupt nicht zur Wahl gehen. In den landesweiten Umfragen hat McCain zuletzt deutlich aufgeholt und liegt nun gleichauf mit Obama. Die Republikaner kommen in der nächsten Woche in St. Paul in Minnesota zu ihrem Parteitag zusammen. (red, APA/Reuters)

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    Inszenierung von Gefühlen. Die Familie Obamas tritt zu seiner Huldigung an.

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    Der krebskranke Edward Kennedy sorgt ebenfalls für Emotionen: "Die Arbeit beginnt von neuem, die Hoffnung wächst wieder, und der Traum lebt weiter."

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    Obama verfolgte die Rede seiner Frau bei den Sozialarbeitern Jim and Alicia Girardeau in Kansas-City.


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