"Auswüchse der Gesellschaft"

25. August 2008, 21:33
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Georg Pangl, der operative Chef der Fußball-Bundesliga, ist froh, dass das Derby fertig­gespielt wurde. Als Konsequenz müsse man noch mehr miteinander reden.

Standard: War es richtig, das Wiener Derby nicht abzubrechen?

Pangl: Ja, absolut, Schiedsrichter Thomas Steiner hat das gut gelöst. Erstens aus rein sportlicher Sicht. Fußball sollte nicht von Juristen entschieden werden. Zweitens aus Sicherheitsgründen. Ich will mir gar nicht ausmalen, welche Folgen ein Abbruch gehabt hätte.

Standard: Wo liegt die Schmerzgrenze? Polemisch gefragt: Wäre in Kochs Rücken ein Messer gesteckt, wäre auch weitergespielt worden?

Pangl: Nein, natürlich nicht.

Standard: Bleiben wir beim Konjunktiv. Wäre Rapid als Heimmannschaft abgetreten, hätte das eine 3:0-Strafverifizierung ergeben?

Pangl: Das wäre eine heikle Geschichte gewesen. Einerseits ist der Gastgeber für den reibungslosen Ablauf verantwortlich, andererseits lag in diesem Fall das Vergehen bei der Austria. Was im Gästesektor passiert, fällt auch in die Zuständigkeit des Gastvereins. Man kann sich nicht mehr abputzen, das wurde im Regelwerk geändert.

Standard: Nach solchen Vorfällen gibt es Schuldzuweisungen.

Pangl: Davon halte ich nichts. Wir haben tolle Fans, aber die dumme Minderheit werden wir einfach nicht los. Genauso wird es immer Leute geben, die betrunken Auto fahren. Es ist logistisch und finanziell unmöglich, Sicherheitsvorkehrungen wie auf einem Flughafen zu treffen. Diesen kleinen Böller findet man nicht. Im Fußball zeigen sich manchmal die krankhaften Auswüchse der Gesellschaft. Die Klubs können nicht das kaputte Elternhaus ersetzen, soziale Missstände beheben, das wäre zu viel verlangt. Wobei eines klar sein muss: Es ist kein Kavaliersdelikt, auf dem Fußballplatz deppert zu sein. Bei den Stadionverboten sollte man konsequenter sein.

Standard: Moral aus dieser Geschichte?

Pangl: Weiterarbeiten, aufklären, miteinander reden. Gerade Rapid und die Austria bemühen sich sehr intensiv um ihre Fans. (Christian Hackl; DER STANDARD Printausgabe 26. August)

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    "Die dumme Minderheit werden wir einfach nicht los."

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