Strompreis: Knüppel aus dem Sack

25. August 2008, 19:30
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Österreichs größter Stromkonzern tut sich in der Tat schwer, Gewinne zu verstecken - Von Günther Strobl

Konsumentenschützer und Preisaufsicht haben in diesen Tagen so viel zu tun wie schon lange nicht mehr. Produkte des täglichen Bedarfs haben sich im Jahresabstand so stark verteuert, dass einem beim Bezahlen Hören und Sehen vergehen. Beim Strom ist es wohl die nächste Jahresabrechnung, die den Konsumenten den Schweiß auf die Stirn treiben wird - angesichts von Nachforderungen, die so fix sind wie das Amen im Gebet. Kein Wunder also, dass die Arbeiterkammer jetzt den Knüppel aus dem Sack holt und jemanden drischt, der Sinnbild für das augenblicklich Böse ist: den Verbund.

Österreichs größter Stromkonzern tut sich in der Tat schwer, Gewinne zu verstecken. Trotz Ausnutzung aller legal möglicher Tricks kommt das Unternehmen auf eine Gewinnmarge von 34 Prozent. Das heißt: Gut ein Drittel des erwirtschafteten Umsatzes bleibt in der Kasse, ist für die einen märchenhafter, für die anderen unverschämter Gewinn.

Wenn die Arbeiterkammer nun eine kräftige Strompreissenkung fordert, kommt das zwar gut an - wer will schon mehr als unbedingt nötig zahlen. Damit würde aber das EU-weite Energiesparziel konterkariert, das letztlich zu einer Reduktion des klimaschädigenden CO2 führen soll. Außerdem würde eine Strompreissenkung Unternehmen das Genick brechen, die elektrische Energie - anders als der Verbund - nicht billigst mit abgeschriebenen Wasserkraftwerken erzeugen können. Da ist es allemal klüger, wenn der Staat als Mehrheitseigentümer des Verbunds eine höhere Dividende fordert und einen Teil des Geldes mittels Zuschüssen jenen zukommen lässt, die es wirklich brauchen. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.8.2008)

 

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