Kopf des Tages: Ein Kandidat mit zweifelhafter Vergangenheit

25. August 2008, 19:16
1 Posting

Bhutto-Witwer Asif Ali Zardari will pakistanischer Präsident werden.

Dass Asif Ali Zardari Präsident Pakistans werden könnte, trübt vielen die Freude am Rücktritt von Pervez Musharraf: Der Witwer nach Benazir Bhutto wird zwar als "geläutert" bezeichnet. Auch ist er demokratisch legitimiert, denn die Volkspartei (PPP) hat die Wahlen gewonnen. Und viele der Vorwürfe gegen ihn mögen von politischen Gegnern aufgebauscht, sogar erfunden worden sein. Doch wenn nur die Hälfte von dem stimmt, was dem Mann angelastet wird, dann ist das sehr viel.

Die Läuterung - zu der gesundheitliche Probleme beigetragen haben sollen (Herz und Wirbelsäule) - erfuhr der 1956 geborene Zardari angeblich im Gefängnis: für Vorwürfe, die unter seinem Spitznamen "Mr. Zehn Prozent" zusammengefasst werden können. Nachdem 1990 die erste Regierung von Benazir Bhutto in Korruptionsvorwürfen unterging, stand der "Freund der Freunde" und Lebemann wegen seiner krummen Geschäfte - der Weg zu Staatsaufträgen hatte über sein Büro geführt - vor dem Richter. Von der Zelle ging es aber 1993 unter Bhutto II gleich wieder auf einen Ministersessel.

Nach dem nächsten Sturz 1996 hörten sich die Vorwürfe gegen ihn so an, als sei inzwischen aus einem kleinen Gangster ein großer Mafioso geworden: Wirtschaftskriminalität großen Stils sowie dreimal Mord, unter anderem am Bruder seiner Frau, Murtaza. Diesmal blieb Zardari acht Jahre im Gefängnis, obwohl die Verfahren nie abgeschlossen wurden. 2004 ging er ins Exil in die USA, obwohl seine Frau und die drei Kinder, Bilawal, Bakhtawar und Asifa, in Dubai und London lebten.

Auch Musharraf versuchte nach seiner Machtergreifung 1999 die 1,5 Milliarden US-Dollar, die die beiden angeblich angehäuft hatten, zurückzuholen. Und derselbe Musharraf sicherte ihnen auf US-Druck Straffreiheit zu, als sie 2007 vor den Wahlen nach Pakistan zurückkehrten. Daran scheitert jetzt die Koalition mit der Muslim-Liga von Nawaz Sharif: Aus Angst vor der eigenen Strafverfolgung will Zardari die von Musharraf abgesetzten Richter nicht wieder einsetzen.

Benazir Bhutto wurde im Dezember 2007 ermordet, und erst damals trat Zardari aus ihrem Schatten ins politische Rampenlicht. Die 1987 geschlossene Ehe mit Bhutto war von den Eltern arrangiert - und ein Erfolg: Jedenfalls sprachen die beiden offiziell immer gut voneinander. Im Vergleich mit dem mächtigen Bhutto-Clan waren Zardaris Leute, die etwas Land und ein Kino in Karatschi besaßen, eher bescheiden, aber alter PPP-Adel. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 26.8.2008)

Share if you care.