
Maler, Filmemacher, Fackeltourveranstalter - und auch Spracherfinder: Ryborz vor seinem Selbstporträt im "Creativbüro".
Eigentlich ist Peter Ryborz ein Tausendsassa. Aber während andere, die weit weniger als der 47-jährige Perchtoldsdorfer auf die Beine stellen, sich über gute Netzwerke mehr als die ihnen (laut Andy Warhol) zustehenden 15 Minuten Ruhm sichern, tut sich Ryborz da ein bisserl schwerer.
Zumindest hierzulande: Seine "Vierter-Mann-Führungen" - szenisch angereicherte Führungen durch die Wienflusstunnel - wurden in Wien oft belächelt. Aber CNN feierte sie als "authentisches Wiener Abenteuer" ab.
Derzeit ist Ryborz aber Filmemacher. Seinen gerade fertiggestellten "Vierten Mann" ("das ist ein Film über Wiener, die in den Katakomben der Stadt Zwängen und Konventionen entfliehen") hat er gerade an die Viennale-Direktion geschickt. Und falls die Viennale sich nicht dafür begeistern kann, "kriegt den Film eben die Berlinale. Berlin ist ohnehin offener."
Einsam als Avantgarde
Und falls sich weder Berlinale noch Viennale für Ryborz' "Vierten Mann" erwärmen sollten, will dieser sich künftig der Volksbildung widmen. Als Sprachlehrer. Schließlich ist er auch Erfinder. Erfinder der "Rückwärtssprache".
Die, erklärt der gebürtige Essener, der als Kind nach Trofaiach und als Erwachsener nach Perchtoldsdorf kam, hat nur einen Nachteil: "Außer mir spricht sie keiner."
Dabei ist die Rückwärtssprache eigentlich einfach: Man spricht rückwärts. "Ich habe als Teenager Aufschriften rückwärts gelesen. Dann habe ich in Büchern jede Zeile vor- und zurückgelesen. Und dann habe ich auch im Kopf Wörter umgedreht." Aus Wörtern wurden Sätze - und irgendwann sprach Ryborz eben rückwärts.
Niemanden zum Reden
Mittlerweile, behauptet der Mann, der in der Josefstadt ein Souterrainlokal als "Creativbüro" führt, spreche er fast fließend, "aber ich habe keine Ahnung, ob man auch Konversation betreiben kann. Es gibt ja niemanden, mit dem ich reden könnte."
Feldversuche zeigten Ryborz aber, dass prinzipielles Interesse da ist: "Vor einigen Jahren durfte ich in einem dreitägigen Ritter-Rollenspiel einen Walddruiden mimen." Der Multi-Aktivist saß im Wald und sprach nur rückwärts. Bis die Mitspieler das durchschauten, dauerte es. Bis sie die von Ryborz gestellte Aufgabe lösten, auch: "Sie sollten ihre Namen rückwärts sagen, aber Rollenspieler wählen gern komplizierte französische Namen. Das war lustig."
Auch im "Vierten Mann" spielt die Rückwärtssprache eine Rolle - als Geheimsprache der Untergrund-Wiener: "Das ist der erste hochdeutsche Film mit deutschen Untertiteln." Aber der Spracherfinder plant schon weiter. Schließlich ist es doch ein bisserl fraglich, ob der Film je abseits jener Gruftie- und Rollenspielerszene, in der Ryborz eine fixe Größe ist, zu sehen sein wird: "Ein Volkshochschuldirektor hat mir einmal angeboten, Kurse abzuhalten. Auf dieses Offert werde ich nun zurückkommen."(Thomas Rottenberg/DER STANDARD-Printausgabe, 26.8.2008)
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Aber ich hab mal so eine Tour mitgemacht und sogar die ausländischen Touristen haben peinlich berührt dreingesehen, Kopf geschüttelt und miteinander geflüstert. Man muss diesen Veranstalter aber von "Der Dritte Mann Tour" unterscheiden, mit denen ich keine Erfahrung gemacht habe.
Erstmals möchte ich mich dafür bedanken, ein Thema auf´s Tapet gebracht zu haben, das schon längst einer allgemeinen Diskussion bedarf- die diplomatische Formulierung, ich hätte die Rückwärtssprache erfunden, stammt nicht von mir und ist offensichtlich unterstützend bezüglich des Echos. Aber nachdem es die schwachsinnigsten Forschungen gibt, frage ich mich, wann sich denn endlich mal Jemand DAMIT beschäftigt- von dem Jeder weiß, daß es das seit jeher gibt und nur als Kindheitsspielerei abtut. Am 11.4.08 gab es sogar ein esoterisches Seminar dazu in Frankfurt, in dem tatsächlich behauptet wird, daß die Rückwärtssprache Einblick in unser Inneres geben würde- wann schreitet denn da endlich Jemand ein und haut mal mit der Faust auf den Tisch?
Mit Georg Markus zB könnte er sich rückwärts sprechend unterhalten (hat der mal im TV vorgeführt); aber ich bin überzeugt, man könnte allein aus dem deutschen Sprachraum problemlos ein ganzes Dorf der RückwärtssprecherInnen rekrutieren. Vielleicht auch eine kleine Stadt.
Hätte er meine Oma kennen lernen sollen. Die "erfand" das schon als Kind mit ihren Freundinnen Anfang des 20. Jhs. Als wir noch klein waren hingen wir immer fasziniert und amüsiert an ihren Lippen, wenn Sie "Die Kraniche des Ibikus" oder sonstwas rückwärts gesagt hat...
...hätte wohl auch eine Pressemeldung verschicken sollen. Oder wie kommt man mit dieser "Erfindung" sonst in den Standard?
Uhh, ich erstarre in Erfurcht.
Warum behaupten Leute von sich selbst so einen Schwachsinn?
Diese Sprachspielereien gibt es schon länger.
z.B. http://www.bernhard-wolff.de/v1/
1.) Wie kann man in Katakomben und Verliesen Zwängen entfliehen, ein Paradox?
2.) Spricht er auch den ganzen Satz rückwärts, also vom Ende beginnend? Das wäre wirklich interessant, denn dann müßte er ihn vorher komplett im Kopf haben, so mit allen Nebensätzen und Appositionen. Das stelle ich mir lustig vor. Aber einzelne Wörter umdrehen, das ist fad, das hab ich als Kind auch gemacht...
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