Wolkenkratzer in Ceausescus Viertel

25. August 2008, 19:00
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    fotos: trigranit

    Das Esplanada-Projekt: Kritiker fürchten ein Verkehrschaos in der Stadt.

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In Bukarest steht das größte Bauprojekt Südosteuropas an: Ein Hochhausviertel im Herzen der Stadt - Viele Bürger lehnen es ab

 In Bukarest steht das größte Bauprojekt Südosteuropas an: Ein Hochhausviertel im Herzen der Stadt. Viele Bürger lehnen das Projekt ab. Der Bürgermeister will daher lieber einen Park errichten und Rehe ansiedeln.

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Es gibt kaum einen Bewohner der rumänischen Hauptstadt, der Bukarest als angenehmen Ort zum Leben preisen würde. Staub aus der südrumänischen Steppe, immer kleiner werdende Grünanlagen und dazu ein unerträglich aggressiver Verkehr in chronisch verstopften Straßen - kurz, die Balkanmetropole stresst das Nervenkostüm.

Und demnächst soll - wenn es nach dem Willen der Regierung geht - eine gigantische neue Baustelle hinzukommen, für das wohl größte Immobilienprojekt Südosteuropas: das Esplanada City Center, mit Wolkenkratzer-Bürotürmen und einer Mehrzweckhalle, erbaut von der multinationalen Firma Trigranit.

Die Firma wird von Budapest aus von Sandor Demjan, dem reichsten Unternehmer Ungarns, betrieben. Trigranit hat in Budapest bereits so gut wie alle neuen repräsentativen Gebäude der vergangenen Jahre errichtet: das Nationaltheater und den Palast der Künste am Donauufer, zahlreiche Einkaufszentren. Darüber hinaus hat Trigranit Mammut-Einkaufszentren und Bürotürme in Slowenien, Polen, der Slowakei und Kroatien errichtet.

In Bukarest will Trigranit ein neues Stadtzentrum schaffen, in Sichtweite von Ceauºescus Mammutpalast, dessen umstrittener Monumentalität die neuen Wolkenkratzer Konkurrenz machen würden. Doch damit der Superlative nicht genug: Architekt des Esplanada-Ensembles ist der für seine Wolkenkratzer berühmte deutsch-amerikanische Architekt Helmut Jahn, der unter anderem den neuen Berliner Potsdamer Platz mitgeprägt hat.

Bauplatz ist ein 10,7 Hektar großes unbebautes Areal am Südrand des historischen Stadtkerns, das durch den heftig kritisierten Abriss eines Stadtviertels entstanden ist, den Diktator Nicolae Ceauºescu in den 1980er-Jahren vornehmen ließ. Der Diktator konnte seine dort geplanten Bauprojekte bis zu seinem Sturz 1989 nicht ganz verwirklichen.

Stattdessen soll jetzt der Immobiliengigant zum Zuge kommen. Mit einer Investition von mindestens einer Milliarde Euro sollen dort Büros, Wohnungen, Geschäfte und Vergnügungseinrichtungen auf einer Fläche von 800.000 Quadratmeter entstehen. Trigranit hat mit der rumänischen Regierung ein Partnerschaftsmemorandum geschlossen. Es sieht vor, dass Trigranit das Grundstück bebaut und vermarktet. Der Staat solle dafür die Mehrzweckhalle geschenkt bekommen. Der Haken dabei ist, dass die Stadtverwaltung das Bauprojekt genehmigen muss.

Angst vor Verkehrsinfarkt

Tatsächlich spricht vieles gegen das Esplanada-Projekt, vor allem die neue Verkehrsbelastung. Kein Mensch weiß, auf welchen Straßen die voraussichtlich tausenden Mitarbeiter der neuen Büros zu ihrer Arbeit kommen sollen. Schon jetzt braucht man im Normalfall mehr als eine Stunde, um per Auto vom Stadtrand ins Zentrum zu kommen.

Grundsätzlich sind die Bukarester allergisch gegen neue Bauprojekte, weil die Neubauten der vergangenen Jahre rücksichtslos gewachsen sind. Große Empörung löste etwa der Büroturm aus, den eine Firma wenige Meter neben die römisch-katholische Sankt-Josephs-Kathedrale setzen wollte. "Cathedral Plaza", hätte das Gebäude ironischerweise heißen sollen. Die Gläubigen hielten Mahnwachen gegen das Projekt. Jetzt stehen die Arbeiten nach einem Gerichtsurteil still. Nicht neue Gebäude braucht die Stadt, sondern Luft zum Atmen - da sind sich die meisten Bukarester einig.

Angesichts dieser Stimmung war es logisch, dass sich der in diesem Juni gewählte Bürgermeister Sorin Oprescu im Wahlkampf gegen das Esplanada-Projekt ausgesprochen hat. Nach seiner Wahl wollte er aber weder für noch gegen Esplanada Stellung nehmen. Oprescu hatte versprochen, auf dem Esplanada-Gelände einen Park anlegen zu lassen und darin Rehe anzusiedeln. Weil die scheuen Tiere vor dem Bukarester Lärm sicherlich die Flucht ergreifen würden, dürfte er zumindest dieses Versprechen sicher brechen. (Kathrin Lauer aus Bukarest/DER STANDARD, Printausgabe, 26.8.2008)

Kommentar posten
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Hirtenspieler
01
Ich freue mich als "Europäer", dass ich dies

mitfinanzieren muss !!

U-Bahn Steuer
02
1.10.2008, 20:29

das denken sich sicher auch einige ausserösterreichische europäer die die hunderste burgenländische therme mitfinanziert haben!

ministry of information
 
13
28.8.2008, 17:45
zustände wie im mittelalter

aber für moderne architektur haben die das geld

torch
 
00
27.8.2008, 08:45

Architektursperrmüll und Profitmacherei...

Deswegen besucht wohl niemenand freiwillig die Stadt, wenn dann wohl eben wegen der historischen Bereiche oder eben auch wegen Ceausecsus "Entwurf" der historischen Achse...

Coldplay21
00
26.8.2008, 18:28

Sicher EU-Förderungsgeldwürdug. So wie die irischen Autobahnen, die im Nichts enden.

Londo Mollari
 
01
26.8.2008, 17:28
eine gescheite idee für die "altstadt"

würde wohl am meisten helfen.

Mormoloc
00
29.8.2008, 18:29
Eben, denn es gibt mehr Altstadt in Bukarest, als man auf den ersten Blick sieht.

projektxat
 
03
26.8.2008, 15:41
Irgendwie kommt mir das komisch vor...

Da konnte sich Rumänien / Bukarest endlich seines Diktators entledigen und in der Altstadt (zumindest was davon noch übrig geblieben ist) sieht man zarte Pflänzchen der Restaurierung und jetzt soll - in der Freien Glorreichen Zeit nach der Diktatur - wieder ein Mammut-Projekt-Tempel hochgezogen werden...

Hat sich etwa in den verantwortlichen Positionen des Landes dieselbe Kultur (Personen) wie vor 20, 30 Jahren gehalten ?!?

Pennpatrik
22
26.8.2008, 15:11
Jetzt ...

... wo westliche Architekten und ganz westliches Kapital da ist, ist es natürlich toll und fortschrittlich gigantomanisch zu bauen.
Man sieht deutlich, wie verkommen und verlogen die Fortschrittlichen sind.

der klient
 
11
26.8.2008, 15:10
Die Rumänienhysterie ist ausgebrochen !

Rumänien ist derzeit bei sehr vielen Journalisten total hipp ? Warum ? Wegen der 8 Prozent Wirtschaftswachstum ? Wegen der vielen neureichen Rumänen, die bei uns Winterurlaub anstatt in den Karpaten machen ? Wegen dieses seltsamen Hochhausprojektes in Bukarest ?
Nur langsam, keine Panik......das Land glänzt vorerst nur in Bukarest, ausserhalb davon herrschen vielerorts noch Zustände wie bei Ceausescu; und wenn man bedenkt, wo Rumänien wirtschaftlich in etwa begonnen hatte, darf man wegen der 8 Prozent Wachstum jetzt auch nicht völlig lalli werden........mal sehen, ob sie wirklich ihre Hausaufgaben ordentlich machen; der nächste Korruptionsbericht der EU wird dies untermauern oder aber auch nicht..........

Mormoloc
20
26.8.2008, 17:35
Sie waren auch bestimmt jedes Jahr so vier oder fünf Mal da, gelle?

der berufsjungendliche
00
27.8.2008, 08:59
Na Sie sicher nicht ! sonst hätte Sie nämlich etwas Inhaltliches beigetragen.

Hervorragendes Gegenargument von Ihnen, aber leider ist das die Realität. Egal ob in Craiova, Constanta, Temesvar oder anderswo, dort herrschen teilweise Zustände wie man sie sich für Europa gar nicht ausmalt, von den ländlichen Gegenden gar nicht zu reden.

Also lieber gar nicht posten, auch wenn man sich ärgert daß jemand mehr weiß als einer selbst oder die Tatsachen einem nicht passen.

Mormoloc
00
27.8.2008, 11:20
Komisch, dann muß ich in einem anderen Timisoara studiert haben als in dem, welches Sie meinen...

Und in einem anderen Craiova gelebt haben...

der klient
 
00
27.8.2008, 08:52
Lieber Freund......

.....ich LEBE zufällig in Bukarest, o.k. ?????

Mormoloc
00
27.8.2008, 12:56
Ja und? Wie lange schon? Sprechen Sie die dortigen Sprachen? Wo kaufen Sie ein? Haben Sie ein rumänisches Durchschnittsgehalt, oder darf es etwas mehr sein?

Und mit welchen Rumänen kommen Sie in Kontakt? Schon mal mit Csángos gesprochen? Oder Kraschowenern? Das Land ist recht groß und bunt...

Mormoloc
00
27.8.2008, 11:19
Toll. Welch Argument. Sprechen Sie denn auch Rumänisch?

Geronimo 02
01
26.8.2008, 16:23
hallo

na bei mindestens 1 mrd € für das projekt wird es auf die eine oder ander mio zusätzlich auch nicht mehr ankommen.
hat sich anscheinend der bürgermeister auch schon überlegt, oder?

Arminius
13
26.8.2008, 13:31

Die sollen ihre Dörfer mal lieber ordentlich mit Wasser und Kanalisation ausstatten.

Mormoloc
21
26.8.2008, 14:25
Wer sind 'die'?

Arminius
11
26.8.2008, 15:03

Die für die Infrastruktur verantwortlichen staatlichen Organe, die offensichtlich zum Teil das hier vorgestellte Prestigeobjekt so toll finden.

clever s
00
26.8.2008, 23:16

vieleicht wird auch auf dieses ergebniss gerechnet ,,,
man baut hübsche dinge wo investoren mit viel geld unterkommen,die weiderum mehr steruern zahlen usw usf..vieleicht,ich weiß ja nicht

Mormoloc
30
26.8.2008, 15:13
Ach, 'die'...

Mormoloc
01
26.8.2008, 11:10
Und viele herrliche alte Gebäude in Bukarest (und anderen Städten) verrotten und verfallen...

Nick Knattertoni
00
26.8.2008, 10:34

schön prollig.. - aber angeblich ist es dort ja ausserhalb von häusern recht gefährlich.. - auch ein lösungsansatz.

SappaLot
01
26.8.2008, 16:13
"angeblich so gefährlich"

Bin jahrelang in Rumänien und Bukarest mit dem Auto unterwegs, bis jetzt war nichts gefährlich. In Wien hatte ich einmal meine Aktentasche auf dem Rücksitz stehen lassen, Seitenscheibe eingeschlagen, Aktentasche weg, Polizei und Feuerwehr da,.... wo ist es nun gefährlicher???

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