Keine Wahl ohne Ständer

25. August 2008, 18:56
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Die meisten Politikexperten meinen, nicht einer wähle einen Politiker, weil der so nett vom Ständer lächle

Sie sind die Plage jedes Wahlkampfs: Dreiecksständer machen Fußgänger an neuralgischen Punkten in der Verkehrslandschaft fast unsichtbar, behindern die Sicht der Autofahrer, und bringen Radfahrer in Sturzgefahr.

Dass sie obendrein kaum einen Effekt in der Wahlwerbung haben, ist nicht einmal mehr umstritten: Die meisten Politikexperten meinen, nicht einer wähle einen Politiker, weil der so nett vom Ständer lächle. Es ist also vernünftig , wenn die Wiener SPÖ nachdenkt, ob man speziell in der Großstadt auf Dreiecksständer überhaupt verzichten sollte.

Es zeugt aber von besonderer Chuzpe, wenn sie gleichzeitig vorschlägt, alle wahlwerbenden Parteien sollten stattdessen ihre Sprücherln auf die erst jüngst montierten, von der Rathaus-Opposition heftig kritisierten Halbschalen picken. Schließlich gehören die Halbschalen dem Wiener Plakat-Monopolisten Gewista, und an der Gewista wiederum ist, über Umwege, die Wiener SPÖ beteiligt.

Nach der Verteilungslogik früherer Wahlkämpfe bedeutete dies einen klaren Startvorteil für die SPÖ: Die prominentesten Plakatflächen waren meist schon vergeben, wenn eine andere Partei sie buchen wollte. Kein Wunder also, dass alle anderen Parteien wenig Lust haben, den Kampf um die besten Plätze auch noch auf die Halbschalen auszuweiten.

Wenn also der Wiener SPÖ-Landesparteisekretär Harry Kopietz treuherzig meint, er verstehe die unkooperative Haltung der Opposition nicht, ist das fast schon ein guter Wahlkampf-Witz. Wer die Dreiecksständer wirklich abschaffen wollte, weil er sich um die Verkehrssicherheit sorgt, müsste ernsthaftere Vorschläge machen. (Petra Stuiber, DER STANDARD; Printausgabe, 26.8.2008)

 

 

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