Kaum Probleme beim Jobben in der Slowakei

25. August 2008, 18:54
9 Postings

Dass es kaum Regeln für Einwanderer gibt, kommt Jobsuchenden entgegen

Mit Einwanderern hat man in der Slowakei wenig Erfahrung, und es gibt wenige Regeln. Das führt bei Flüchtlingen zu Härten, kommt aber Jobsuchenden wie dem bulgarischen Lkw-Fahrer Kolev Hristov entgegen.

***

Schon vor fast zwanzig Jahren, praktisch gleich nach der Wende, wollte Kolev Nikolay Hristov aus Lovec in Bulgarien im Ausland arbeiten - und wenn möglich auch dort leben. Ein Freund riet ihm: Fang als Lkw-Fahrer an, da kannst du von der Welt viel sehen.

Also wurde aus Kolev ein Herr der Landstraße. Zuerst in seiner Heimat, doch dort wurde er zu schlecht bezahlt. Dann, ab Beginn 2008, in der Slowakei, für eine dortige Firma, die per Annonce dringend nach Lkw-Fahrern gesucht hatte, so schnell wie möglich.

Anfang 2008 fuhr der 55-Jährige also in Richtung Osten - und seine Frau und Kinder derweil in Richtung Süden: Sie ließen sich in Spanien nieder. "Also leben wir heute unfreiwillig getrennt", erzählt Hristov. So gehe es eben manchmal.

Im neuen Job in der Slowakei fühlte sich der Bulgare von Beginn an recht sicher. Sein Arbeitgeber meldete ihn bei der Krankenkasse und am Arbeitsamt an. Für Arbeitnehmer aus anderen EU-Staaten gelten in der Slowakei dieselben Regeln wie für Einheimische: Die Ausländerpolitik wird nur wenig gesteuert, weil es kein klares Konzept dafür gibt.

Kein Thema

Experten nennen dafür zwei Gründe: Erstens habe lange Zeit die relativ hohe Arbeitslosenrate von sieben bis neun Prozent gegen die Anwerbung von Arbeitskräften aus dem Ausland gesprochen - also habe man sich mit dem Thema nicht beschäftigt. Zweitens sei die Slowakei bisher immer ein Transit- und kein Einwanderungsland gewesen.

Als im EU-Vergleich extrem hart gilt die Asylpolitik in der Slowakei. Auch hier fehlen Strukturen: "Flüchtlinge haben oft Probleme, ihren Fluchtgründen vor den slowakischen Behörden Gehör zu verschaffen", sagt Peter Kresak, Chef der slowakischen UNHCR-Niederlassung. 2007 haben in dem Land an der EU-Außengrenze dann auch nur 2643 Menschen um Asyl angesucht, nur 15 Asylanträge wurden positiv beschieden.

Die Einstellung der Slowaken zu Flüchtlingen und Einwanderern ist von Misstrauen geprägt, was wohl damit zu tun hat, dass es lange Jahre wenig Erfahrungen mit Ausländern gab. Als 2004 in Trencin (Mittelslowakei) ein Asylwerberlager eröffnet werden sollte, gab heftige Proteste der Anrainer. Schließlich eröffnete man dort ein Lager für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. (Lydia Kokavcova aus Bratislava/DER STANDARD, Printausgabe, 26.8.2008)

 

 

Share if you care.