Spielen im Container für unter Dreijährige

25. August 2008, 18:35
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Ab nächster Woche können in Niederösterreich Zweieinhalbjährige am Vormittag gratis den Kindergarten besuchen - Die Gemeinden begegnen der großen Nachfrage teils mit Provisorien

Klagenfurt/St. Pölten - Niederösterreich und Kärnten gehen ab Schulbeginn in puncto Kinderbetreuung eigene Wege. Kommende Woche öffnen die niederösterreichischen Kindergärten für Zweieinhalbjährige. In Kärnten gibt es ab diesen Herbst das verpflichtende Kindergartenjahr für Fünfjährige. Beide Angebote sind halbtags gratis. Rund 600 Kinder mehr sollen durch die Kärntner Maßnahme in öffentliche Betreuung kommen. In Niederösterreich wird es durch die Öffnung für Jüngere mehr als zehnmal so viele zusätzliche Kindergartenplätze geben. "6000 ist sicher zu wenig geschätzt. Es werden alleine in diesem Herbst bis zu 8000 neue Plätze geschaffen", heißt es aus der Kindergartenabteilung des Landes.

Damit wird die ursprünglich angenommene Zahl der Neueinschreibungen deutlich überschritten. Im Februar hatte die zuständige Landesrätin Johanna Mikl-Leitner (VP) noch mit rund 6000 neuen Plätzen bis 2010 gerechnet. Das Förderpaket des Landes wurde von den Gemeinden aber deutlich besser angenommen als erwartet. Um der Nachfrage gerecht zu werden, werden viele Kinder in Provisorien unterkommen. Schätzungen zufolge werden mehr als 100 Gruppen vorerst in Containern oder Schulräumen untergebracht.

Das Land übernimmt für den Aus- und Neubau von Kindergärten bis 2010 bis zu 70 Prozent der Baukosten. Insgesamt stehen rund 180 Millionen Euro zur Verfügung. Zirka 350 der 571 niederösterreichischen Gemeinden meldeten Interesse an.

Endlich Platz für Dreijährige

Eine dieser Gemeinden ist die Stadt Stockerau, die jährlich um rund 1000 Einwohner wächst. Bis Jahresende sollen hier zwei zusätzliche Kindergartengruppen in Betrieb gehen. Insgesamt sind acht neue Gruppen zu je 25 Kindern geplant. Der Bedarf sei da, sagt Bürgermeister Helmut Laab (SP). Allerdings würden in seiner Gemeinde erst ab 2010 die Kindergärten auch für unter Dreijährige öffnen. "Wir haben jetzt schon Probleme, die Dreijährigen unterzubringen. Es wäre schön, wenn wir bis Ende 2009, Anfang 2010 tatsächlich auch die Zweieinhalbjährigen aufnehmen könnten", sagte Leeb dem Standard. Dass die längst überfälligen Ausbauten nun gefördert würden, sei erfreulich. "Allerdings werden die jährlichen zusätzlichen Kosten nicht unerheblich sein", meint Leeb. Betriebskosten, Infrastruktur und Kindergartenhelferinnen muss nach wie vor jede Gemeinde selbst bezahlen.

"Wiener Neustadt muss pro Jahr rund 500.000 Euro zusätzlich schlucken", heißt es aus dem Büro des Bürgermeisters Bernhard Müller. 98 unter Dreijährige gehen dort ab September in den Kindergarten. Die Stadt will bis 2010 zwölf neue Kindergartengruppen eröffnen. Zehn sind bereits startklar, mehr als die Hälfte allerdings in Containern.

Personelle Probleme schafft das Paket laut Kindergartenabteilung des Landes keine, "nicht in Niederösterreich". In Wien warnen Grüne und VP seit Wochen vor Engpässen beim Betreuungspersonal. (Gudrun Springer/DER STANDARD Printausgabe, 26. August 2008)

  • Damit auch für Zweieinhalbjährige in Niederösterreichs Kindergärten Platz zum Austoben ist, bauen hunderte Gemeinden ihre Einrichtungen aus.
    foto: standard/corn

    Damit auch für Zweieinhalbjährige in Niederösterreichs Kindergärten Platz zum Austoben ist, bauen hunderte Gemeinden ihre Einrichtungen aus.

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