Pferdeforschung kommt nicht in die Gänge

25. August 2008, 18:28
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Der Rechnungshof kritisiert die 2,8 Millionen teure Wissenschaftskooperation zwischen Hofreitschule und Veterinärmedizinischer Universität: Kaum "nennenswerte" Ergebnisse

Wien - Fast scheint es, als hätten die Spanische Hofreitschule und die Veterinärmedizinische Universität (VUW) ihre Pferde von hinten aufgezäumt. Zumindest was den 2005 abgeschlossenen Kooperationsvertrag zwischen den beiden Institutionen betrifft. Der wird nämlich vom Rechnungshof (RH) in seinem jüngsten Bericht kritisiert. Die Kosten der Forschungskooperation: 2,8 Millionen. Diese flossen allerdings bereits vor Abschluss des Vertrags von der VUW zur Hofreitschule - und die Vertragserfüllung war am Ende nicht eben zufriedenstellend.

Die Kooperation wurde im Juni 2005 auf vier Jahre abgeschlossen und sollte die gemeinsame Betreuung von Forschungsprojekten umfassen. Die VUW verpflichtete sich dabei zu einer Zahlung von 2,8 Millionen an die Hofreitschule. Das Inkrafttreten des Vertrags machte die VUW davon abhängig, dass sie vom Landwirtschaftsministerium das 263 Hektar große Lehrgut in Kremesberg im südlichen Niederösterreich übertragen bekommt, das die Uni bis dahin um rund 45.000 Euro jährlich gepachtet hatte. Dies erfolgte im August 2005.

Laut Kooperationsvertrag sollten wissenschaftliche Projekte, Diplomarbeiten und Dissertationen gemeinsam betreut werden. Studenten sollten in Praktika an der Hofreitschule und in Piber eingebunden werden. Laut RH-Bericht zeigten jedoch "weder die wissenschaftliche Zusammenarbeit noch die geplante Einbindung von Studierenden nennenswerte Ergebnisse". Die VUW habe erstmals 2006 fünf Studierende nach Piber entsandt. Da es schwer gewesen sei, die Praktikanten in den Betrieb einzubinden, "sah die VUW - auch wegen der teilweise negativen Beurteilung durch die Praktikanten - bis auf weiteres davon ab, weitere Studierende namhaft zu machen".

Für Erwin Klissenbauer, den Manager der Hofreitschule, kommt die Kritik des Rechnungshofs zu früh (der RH prüfte im Juli und August 2007). Das Kooperationsprojekt sei bis 2009 angelegt, und erst dann könne Bilanz gezogen werden. Seit er zusammen mit Elisabeth Gürtler im Dezember 2007 die Hofreitschule übernommen habe, gebe es aber keine Klagen. Weder seien Studenten, die mittlerweile wieder an Praktika teilnähmen, unzufrieden, noch gebe es zu wenige bewilligte Forschungsprojekte. Klissenbauer gesteht aber ein, dass manche Projekte "nicht machbar" seien. Aber: "Alles, was machbar ist, lassen wir von den Studenten erforschen." Dass jetzt noch keine Ergebnisse auf dem Tisch lägen, sei "normal": Forschung erfolge eben zeitverzögert.

"Bilanzverbesserung"

Eine Geldspritze für die finanziell marode Hofreitschule - der RH spricht von "Bilanzverbesserung" - kann Klissenbauer durch den Vertrag mit der VUW nicht erkennen. Die 2,8 Millionen Euro seien nicht auf einmal geflossen: Jährlich werde ein bestimmter Betrag des Geldes genommen und in die studentische Ausbildung investiert. Im RH-Bericht liest sich dies allerdings etwas anders. Die VUW entrichtete demnach Ende Juni 2005, noch vor Inkrafttreten des Vertrags, 2,60 Millionen Euro, der Rest folgte im Oktober

Laut Klissenbauer überwiegen die Vorteile für die Uni: Die Studenten könnten das Marketing der Hofreitschule kennenlernen und mit den Pferdebeständen der Hofreitschule arbeiten. Eigene Pferde müsse die VUW damit nicht anschaffen.Dennoch müssten die kritisierten Punkte verbessert werden. Beim nächsten Treffen mit dem VUW-Rektor werde das angegangen.

Dieser räumt ebenfalls ein, dass sich die Kooperation nicht so positiv entwickelt habe wie gewünscht. Der häufige Führungswechsel in der Hofreitschule habe die Arbeit nicht unbedingt erleichtert, sagt VUW-Rektor Wolf-Dietrich von Fircks. "Aber wir sind gut beraten zusammenzuarbeiten." (Bettina Fernsebner-Kokert Verena Langegger/DER STANDARD Printausgabe, 26. August 2008)

 

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    In Piber und in der Winterreitschule in Wien sollen Studenten der Veterinärmedinzinischen Uni bei Forschungsprojekten mitarbeiten. Bisher sei dies nur mäßig angelaufen, befindet der Rechnungshof.

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