Grüne mit neuem Unternehmergeist

25. August 2008, 17:46
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Wirtschaftsfeindlich? Mit mir nicht, könnte einer der Slogans auf den Pla­katen von Grünen-Chef Van der Bellen lauten

Wirtschaftsfeindlich? Mit mir nicht, könnte einer der Slogans auf den Plakaten von Grünen-Chef Alexander Van der Bellen lauten. Aber ein Volkswirtschaftsprofessor macht noch keine grüne Wirtschaft.

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Wien - Die einen hoffnungslose Romantiker, die an Aubäume gekettet den Baggern den Weg versperren. Die anderen Betonierer, die Land, Luft und Gewässer und damit die Seele der Menschen skrupellos dem Gewinn opfern. So wurde vor bald einem Vierteljahrhundert, imDezember 1984, die Gründungslegende der Grünen in der Hainburger Au geschrieben.

"Den Konflikt hat es in der Historie der Grünen gegeben, in gewisser Weise ist der Widerstand gegen große Konzerne, die Rüstungslobby und Kraftwerke auch sinnstiftend für die Grünen gewesen" , beschreibt einer, den es demnach bei den Grünen gar nicht geben dürfte: Volker Plass, Bundessprecher der "Grünen Wirtschaft".

Als Zeichen, dass seit der Aubesetzung viel Wasser die Donau hinuntergeronnen ist, kandidiert Plass am 7. September beim Bundeskongress der Grünen um einen Listenplatz. "200.000 arbeiten als Unternehmer, sind aber in einer Rolle, die eher der eines Arbeitnehmers entspricht" , definiert Plass einen "Bereich der neuen Arbeitswelt, die neuen Selbstständigen, die Werksvertragler, auch die Scheinselbstständigen" , die "keine politische Vertretung haben."

Das Problem der Grünen: "Wir haben in erster Linie eine volkswirtschaftlichen Zugang zur Wirtschaft, etwa Verteilungsfragen oder Steuerpolitik. Aber es würde uns nicht schaden, Leute zu haben, die im Wettbewerb stehen und unternehmerische Praxis mitbringen" , sagt Plass. Er selbst ist seit 13 Jahren selbstständiger Werbegrafiker und hat sein Büro in der Hochburg der Wiener Grünen in Wien Neubau, weil es dort viele ähnlich strukturierte "Mikrobetriebe" gibt.

Wirtschaftsschwergewichte als Sympathisanten oder Berater haben die Grünen trotz aller Öffnung jedoch keine in ihrem Lager, räumt der oberösterreichische Umwelt-Landesrat Rudi Anschober ein. "Leichter geht der Kontakt zur Wirtschaft in der Regierungsverantwortung, weil dann ergibt sich der Prozess fast automatisch."

Wie bei der "ersten großen dicken Nuss" , die er zu Beginn seiner Amtszeit knacken musste: Der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für ein Voestalpine-Werk. Nach "intensiver Diskussionsphase" habe es zum Schluss eine für alle Beteiligten annehmbare Lösung gegeben: "1000 neue Arbeitsplätze, 40 Prozent Produktionssteigerung, und eine Verpflichtung, die Emissionen 70 Prozent zu senken."

"Für dieGrünen ist es wichtig, zu bestimmten Machtstrukturen in Oberösterreich klare Trennlinien zu halten," gibt Anschober dem Fehlen prominenter Wirtschaftstreibender im grünen Lager einen positiven Spin. Für das Regierungsprojekt der "Energiewende" , bei der das Land bis 2030 auf "Eigenversorgung bei Strom und Raumwärme" umgestellt werden soll, habe man durch Einbindung von Beteiligten aus allen Lagern die Fronten "durch Dialog aufgebrochen. Das ist etwas anderes als persönliche Naheverhältnisse."

"Wenn man ökologische Veränderungen will, muss man mit der Industrie und der Wirtschaft reden. Ich habe nie Berührungsängste gehabt" , sagt Monika Langthaler, die nach einer Karriere als grüne Abgeordnete eine der prominentesten Wirtschaftstreibenden im grünen Lager ist. Ihre 18 Mitarbeiter zählende Agentur "Brainbows" (Homepage-Slogan: "Wir verbinden Interessen" ) sei ein "Spezialist im Nachhaltigkeits- und Energiebereich" . Zum Kundenkreis zählen Konzerne wie die OMV, Telekom Austria, Verbund oder Rewe.

Wirtschaftsfragen seien bei den Koalitionsverhandlungen 2002 mit der ÖVP "kein Stolperstein gewesen" , sagt Langthaler, eher Themen wie Abfangjäger oder Studiengebühren. Auch sie sieht die ideologischen Konflikte der Anfangszeit überwunden, "es gibt auch auf der anderen Seite genug Interesse" . Was jedoch fehle: "Es wurde zu wenig getan, um die Kontakte zu Wirtschaft und Industrie aufzubauen. Es gibt zu wenig Querverbinder, ich bin eine der wenigen, die Leute auf beiden Seiten kennt. Aber das wird wenig genutzt." (Helmut Spudich, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.8.2008)

Donnerstag TEIL 6: Orange-blaue Seilschaften in der Wirtschaft

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Nachwuchs bei den Grünen:"Grüne Wirtschaft" für
Klein- und Kleinstunternehmer als Zukunftshoffnung.
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    Nachwuchs bei den Grünen:"Grüne Wirtschaft" für Klein- und Kleinstunternehmer als Zukunftshoffnung.

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