Pop und Pose mit McCain und Obama

25. August 2008, 17:40
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Der Musiksender MTV schaltet erstmals politische Werbespots


Es ist ein Zeichen dafür, wie viel Aufmerksamkeit das Duell Obama gegen McCain bei Jugendlichen erregt: Erstmals in seiner 27-jährigen Geschichte wird der Musiksender MTV im US-Wahlkampf politische Werbespots ausstrahlen.

"Junge Amerikaner, vor allem im Alter von 18 bis 24, wählen nicht so oft und verlässlich wie ältere," erklärt Jamie McKown, Politologe am College of the Atlantic in Maine. "Es gibt Wellen. Zur Zeit Bill Clintons gab es höhere Beteiligung, und Obama zieht auch wieder mehr junge Wähler an." Laut Joseph Tuman, Professor für politische Kommunikation an der San Francisco State University, ist MTVs Kursänderung auch Ausdruck eines Trends: "Es gibt bei uns eine immer größere Vermischung von Politik und Unterhaltung" , sagt er.

So werden etwa beim demokratischen Parteikonvent in Denver eine Reihe Filmstars erwartet. Noch während der demokratischen Vorwahlen hatte MTV laut Berichten einen Spot des Obama-Lagers zurückgewiesen und sich auf seine traditionelle "Choose or Loose" - ("Wähle oder verliere")-Kampagne konzentriert, die Jugendliche zur Ausübung des Wahlrechts anhält.
Ende Juli war es dann aber doch so weit. In der derzeitigen Wirtschaftsflaute, die auch Werbeeinnahmen großer Medienkonzerne getroffen hat, kann MTV das zusätzliche Geld auch gut brauchen.

"Finanziell ist es keine große Chance, weil die meisten politischen Spots in Lokalmedien gekauft werden" , erklärte Philippe Dauman, Präsident des MTV-Mutterkonzerns Viacom, zwar, fügte dann aber hinzu: "Aber es ist eine Chance, die wir wahrnehmen." Ums Wahrnehmen von Chancen geht es auch beim Buhlen um die Gunst der Jugend. In hart umkämpften Staaten mit vielen Universitäten wie etwa Ohio könnten junge Wähler durchaus entscheidend sein, meint McKown. Obama gilt als Favorit der Jugend, aber er muss sie auch motivieren können, um sie zum Wählen zu bewegen.

Auch John McCain kann die MTV-Generation nicht ignorieren. "Er muss aktiv sein und so viele junge Wähler wie möglich von Obama loseisen," sagt der republikanische Stratege David Johnson. Bemerkenswerterweise kam MTVs erster Politspot von der Obama-kritischen Gruppierung Let Freedom Ring. In 30 Sekunden warf er Obama vor, widersprüchliche Positionen zu vertreten. Titel: "Both-ways-Barack."

Die den Demokraten nahestehende Gruppe MoveOn.org schoss später mit einem Spot im Stil einer medizinischen Botschaft zurück. Die Einschaltung warnte Wähler davor, dass Obama sie anstecken könnte - mit Hoffnung. (Georg Szalai aus New York/DER STANDARD, Printausgabe, 26.8.2008)

  • Auch die Republikaner entdecken MTV: Die ersten Spots auf dem
Musiksender richteten sich gegen Obama und warfen ihm vor, dauernd
seine Positionen zu ändern.

    Auch die Republikaner entdecken MTV: Die ersten Spots auf dem Musiksender richteten sich gegen Obama und warfen ihm vor, dauernd seine Positionen zu ändern.

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