Dokumente, die CIA-Zahlungen an Schweizer Atomschmuggler belegen, vernichtet

25. August 2008, 17:32
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Friedrich Tinner ist mit seinen Söhnen Urs und Marco wegen Verstößen gegen das Kriegsmaterialgesetz angeklagt

Bern/New York - Ein Fall von Atomschmuggel sorgt in der Schweiz weiter für Aufregung. Drei Schweizer, die als Mittelsmänner des pakistanischen Atomwaffenschmugglers Abdul Qadeer Khan gearbeitet haben sollen, haben nach einem Bericht der "New York Times" vom amerikanischen Geheimdienst CIA zehn Millionen Dollar (6,77 Mio. Euro) erhalten. Dafür hätten sie der CIA geheime Informationen über das iranische und das libysche Atomprogramm geliefert und ihren Kunden manipulierte Bauteile verkauft, um deren Atomprogramme zu sabotieren. Das Geld sei den Schweizern mehrfach in Koffern voller Banknoten übergeben worden sein, schreibt die "New York Times" am Montag.

Friedrich Tinner sowie seine Söhne Urs und Marco sind in der Schweiz angeklagt wegen Verstößen gegen das Kriegsmaterial- und Güterkontrollgesetz sowie wegen Geldwäsche. Zudem sollen sie Libyen beim Bau von Nuklearanlagen unterstützt haben.

Urs und Marco Tinner sitzen seit mehreren Jahren in Schweizer Untersuchungshaft, ihr Vater war nach vorübergehender Haft 2006 wieder freigelassen worden. Friedrich Tinner soll bereits seit Mitte der 1970er Jahre mit dem Nuklearwissenschaftler Khan zusammengearbeitet haben. Die CIA habe schließlich im Jahr 2000 Sohn Urs angeworben, der dann seinen Vater und seinen Bruder zur Zusammenarbeit mit dem Geheimdienst überredet habe. Khan, der "Vater der pakistanischen Atombombe", soll Iran, Libyen und Nordkorea mit Atomtechnologie beliefert haben.

In der Schweiz waren Akten und Daten zum Fall Tinner geschreddert worden. Nach Einschätzung der Bundesanwaltschaft hatte sich der Schweizer Bundesrat von den USA dazu drängen lassen, die Unterlagen zu vernichten. (red/APA/dpa)

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