Saudi-Arabien: Zwangsverheiratung beschäftigt Gerichte

25. August 2008, 14:17
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Vater, der 11-jährige Tochter verheiratet hatte, soll sich vor Gericht verantworten - Weiterer Fall in Unaisa

Riad - In Saudi-Arabien wächst der Widerstand gegen die Zwangsverheiratung minderjähriger Mädchen. Laut der saudi-arabischen Zeitung "Okaz" hat ein Berater des Justizministeriums nun gefordert, einen Vater vor Gericht zu stellen, der seine zwei Töchter Abier (11) und Scheicha (14) zur Heirat mit älteren Männern gezwungen hatte. Laut "Okaz" hatte er Scheicha mit einem 75 Jahre alten Mann verheiratet.

Er selbst bekam dafür "im Tausch" eine Tochter des 75-Jährigen zur Frau. Die beiden Männer vereinbarten, auf das in Saudi- Arabien übliche Brautgeld zu verzichten. Von den Müttern von Scheicha und Abier, die beide nicht das Sorgerecht für ihre Töchter erhalten hatten, war der Vater zu diesem Zeitpunkt schon geschieden.

Der Fall war öffentlich geworden, weil die Mutter von Scheicha nach einem verzweifelten Anruf ihrer Tochter den Gouverneur der Provinz Taif eingeschaltet hatte. Inzwischen halten sich beide Mädchen in Taif in einer Art Frauenhaus auf. Scheicha hatte nach der Verheiratung versucht, sich das Leben zu nehmen.

Weiterer Fall in Unaisa

In der saudiarabischen Stadt Unaisa, nördlich von Riad, befasst sich derzeit ein Gericht mit dem Fall eines achtjährigen Mädchens, das von seinem Vater mit einem über 50 Jahre alten Mann verheiratet worden war. Der Mann will seine "Ehefrau" nach Angaben der saudiarabischen Presse nicht ziehen lassen.

In Saudi-Arabien herrscht die strenge Richtung des wahhabitischen Islam. In der absoluten Monarchie am Golf sind politische Parteien verboten. Seit 1992 gibt es einen ernannten Konsultativrat, dessen einzige Kompetenz in dem Recht besteht, Verordnungen der Regierung zu beeinspruchen, die dann vom König nochmals geprüft werden müssen. Die letzte Entscheidung liegt beim Monarchen. (APA/dpa)

 

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