Nemsic: "Vieles hat sich einfach ergeben"

8. September 2008, 17:00
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Boris Nemsic wollte früher Taucher werden - Jetzt ist er Telekom-Chef und agiert nach dem Motto "WWW - We Will Win" - Ein Karriere-Telegramm

"Meistens bin ich so 11 bis 12 Stunden am Tag im Büro oder auf Reisen", meint Boris Nemsic, Generaldirektor der Telekom Austria Group und der mobilkom austria, im Mail-Karriere-Telegramm von derStandard.at. Nemsic, der eigentlich Taucher werden wollte, schwört auf "kontinuierliche Riten", um Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bringen. Das berufliche Vorbild des 51-Jährigen ist der Meeresforscher Jacques Cousteau. Von der Politik wünscht er sich ein Ende des "Regulierungswahnsinns".

derStandard.at: Wie sieht der "typische" Arbeitstag eines Boris Nemsic aus?

Nemsic: Ich stehe um 6 Uhr 40 auf, was mir oft nicht leicht fällt, denn ich bin ein leidenschaftlicher Langschläfer. Ein Kaffee macht mich dann munter und um 7:30 bringe ich meistens meine Kinder in die Schule. Ab 8 Uhr erledige ich erste Anrufe. Mein Arbeitstag ist natürlich dicht gefüllt mit Terminen und Besprechungen und dauert meistens bis 20 Uhr, danach besuche ich eventuell noch auf eine Abendveranstaltung oder ich entspanne mich bei einem Abendessen mit meiner Familie.

derStandard.at: Wie viele Stunden arbeiten Sie im Schnitt pro Woche?

Nemsic: Das ist oft sehr unterschiedlich, wenn ein großes Projekt ansteht, wie etwa ein weiterer Expansionsschritt arbeite ich sicher mehr. Meistens bin ich aber so 11 bis 12 Stunden am Tag im Büro, oder auf Reisen. Zu meinen Job gehören natürlich auch viele Geschäftsreisen.

derStandard.at: Wie entspannen Sie sich vom beruflichen Stress?

Nemsic: Freizeit ist wichtig, um wieder Kraft und Energie zu tanken. So oft es meine Zeit erlaubt, versuche ich nach Kroatien ans Meer zu fahren. Solche Kurzreisen sind ein wunderbarer Ausgleich zum Job. Wo ich mich auch hervorragend entspannen kann, ist ein Essen mit Freunden - in Ruhe essen zu können ist mir sehr wichtig. Außerdem versuche ich regelmäßig laufen zu gehen - entweder im Lainzer Tiergarten oder am Laufband daheim im Keller - oft muss ich da aber meinen inneren Schweinehund überwinden :-)

derStandard.at: Welches Rezept haben Sie, um Berufliches und Privates unter einen Hut zu bringen?

Nemsic: Ich habe es mir im Laufe der Jahre angewöhnt, in kurzen Zeitperioden viel Kraft zu tanken. Ich kann schnell umschalten zwischen intensiver Arbeit und Privatleben. Natürlich kommt meine Familie oft zu kurz, aber wichtig sind da kontinuierliche "Riten" wie zum Beispiel ein fixes Frühstück am Sonntag oder zwei Mal pro Woche ein fixes gemeinsames Abendessen.

derStandard.at: Welche Rolle spielen für Sie berufliche Netzwerke beim Erklimmen der Karriereleiter?

Nemsic: Ich glaube nicht, dass berufliche Netzwerke über beruflichen Erfolg entscheiden oder nicht - bestimmte reglementierte Kontakte gehören aber sicher zum guten Ton.
Das im Moment sehr moderne Networking halte ich eher für entbehrlich, denn ich glaube nicht, das regelmäßige Anrufe, nur weil man sich davon etwas verspricht, über Erfolg und Misserfolg entscheiden. Das wäre zu billig, zu transparent.

derStandard.at: Was war Ihr bis jetzt größter Karriereerfolg bzw. Karriereflop?

Nemsic: Ich habe eigentlich nie ein klassisches Karriereziel vor Augen gehabt. Vieles hat sich einfach ergeben. Ein Riesenerfolg war natürlich der Aufbau der kroatischen Mobilfunktochter Vipnet - wir haben es geschafft in nur 6 Monaten ein ganzes Mobilfunkunternehmen aus dem Boden zu stampfen. Definitiv mein größter Erfolg!
Zu Misserfolgen fällt mir viel eher das "alltägliche Scheitern" ein. Der größte Misserfolg ist, wenn man nicht verstanden wird. Das gibt's jeden Tag.

derStandard.at: Wie lautet Ihre berufliche Devise?

Nemsic: WWW We Will Win. Mit diesem Motto bin ich damals in Kroatien beim Aufbau der kroatischen Vipnet angetreten...und diese Devise habe ich gleich beibehalten.

derStandard.at: Haben sie ein berufliches Vorbild?

Nemsic: Jacques Cousteau, da er mit viel Begeisterung, Kühnheit und Leidenschaft an Unerforschtes heranging!

derStandard.at: Wenn Ihnen ein Wunsch von Seiten der Politik erfüllt werden würde, welcher wäre das?

Nemsic: Eine investitionsfreudige Umgebung schaffen ohne Regulierungswahnsinn!

derStandard.at: Sollten alle Gehälter in Österreich transparent gemacht werden?

Nemsic: Ich glaube nicht, dass das wirklich notwendig ist - klar verdiene ich gut. Ich hab aber auch die Verantwortung für über 17.000 MitarbeiterInnen in einem börsennotierten Unternehmen. Aber eines muss man auch sagen: Österreich ist nicht Europa und schon gar nicht USA.

derStandard.at: Welchen Traumberuf hatten Sie in der "Sandkiste"? Was wollten Sie als Kind werden?

Nemsic: Taucher - hat wohl nicht so ganz geklappt :-) aber die Liebe zum Meer ist geblieben.

derStandard.at: Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Nemsic: Auf einer Insel mit Internet und Mobilfunkanschluss:-)) Nein im Ernst: Ich hatte noch nie "großartige" Ziele, ich sehe mich da eher auf einem Weg mit interessanten Stationen. (derStandard.at, 8.9.2008)

Zur Person:

Boris Nemsic, geboren 1957, machte 1980 seinen Abschluss zum Diplomingenieur der Elektrotechnik an der TU Sarajevo. 1990 promovierte er an der TU Wien. Von 1990 bis zu seinem Eintritt bei mobilkom austria leitete er die Abteilungen für Mobilkommunikationsentwicklung bei Ascom und Bosch Telecom in Wien, Solothurn (Schweiz) und Berlin.

1997 wurde Nemsic von mobilkom austria als Bereichsleiter Netzplanung engagiert. Ab November 1998 leitete er das kroatische Tochterunternehmen Vipnet d.o.o. Am 4. Mai 2000 wurde Nemsic zum Generaldirektor von mobilkom austria bestellt und seit Mai 2006 werkt er auch als Generaldirektor der Telekom Austria Group.

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    "Ich habe es mir im Laufe der Jahre angewöhnt, in kurzen Zeitperioden viel Kraft zu tanken." Boris Nemsic hat als Generaldirektor der Telekom und der mobilkom die Verantwortung für 17.000 Mitarbeiter.

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