"Ferrari hat neue Nummer eins"

25. August 2008, 13:06
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Massa auf Überhol­spur - Keine Alarm­glocken bei Räikkönen, obwohl der Titelverteidiger seit acht Rennen keinen Sieg mehr verbuchen konnte

Valencia - Kimi Räikkönen glaubt noch immer daran, seinen Formel-1-WM-Titel aus dem Vorjahr erfolgreich verteidigen zu können. "Es ist noch immer ein langer Weg zu gehen, deshalb sollte man abwarten und schauen, was passiert", meinte der finnische Ferrari-Star, der seit bereits acht WM-Läufen ohne Sieg ist, nach seinem Ausfall im Europa-Grand-Prix von Valencia wegen eines Motorschadens.

Parallelen zu 2007

"Ich weiß auch, dass ich mich steigern kann. Und wenn auch das Team seine Hausaufgaben macht, dann habe ich sicher noch die Chance auf ein Comeback in der WM", betonte Räikkönen weiter und verwies auch auf sein grandioses WM-Finale 2007, als eigentlich niemand mehr mit ihm als Weltmeister gerechnet hatte.

Damals hatte er vor den letzten beiden Saisonrennen schon 17 Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Lewis Hamilton, in der Endabrechnung lag er dann jeweils einen Zähler vor dem Engländer sowie dessen damaligen spanischen McLaren-Mercedes-Teamkollegen Fernando Alonso und holte seinen ersten Fahrer-Titel in der Königsklasse des Motorsports.

Starker Saisonstart

Nach dem 12. der insgesamt 18 WM-Läufe 2008 weist der Skandinavier nun als WM-Dritter vor dem letzten Saisondrittel 13 Zähler Rückstand auf Hamilton auf, 7 sind es auf seinen in Valencia siegreichen brasilianischen Teamkollegen Felipe Massa. Dass es nicht mehr sind, verdankt Räikkönen vor allem seinem starken Start in die Saison, gewann er doch zwei der ersten vier Rennen und hielt nach fünf Grand Prix bereits bei 35 Zählern. Seit Mai hat der 28-Jährige allerdings nur noch 22 weitere Punkte gesammelt.

Das lag aber nicht nur an schwachen Vorstellungen von Räikkönen selbst, sondern auch seines Rennstalls, der am Sonntagnachmittag vor dem kapitalen Aggregatschaden bereits einen Boxen-Stopp des Finnen verpatzt hatte. Auch den in Valencia klar dominierenden Massa hätte ein ähnlicher Fauxpas beinahe seinen vierten Saisonsieg gekostet. Laut Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali war es aufgrund eines Problems mit der Lichtanlage zu den Boxen-Pannen gekommen.

Hoher Anspruch

Mehr Sorgen bereitete ihm aber der erneute Motorschaden, nachdem bereits Massa zuletzt vor drei Wochen in Ungarn den sicheren Sieg vor Augen mit einem kaputten Triebwerk liegengeblieben war. "Das ist ein ernsthaftes Problem", gestand Domenicali. "Wir müssen alles in unserer Macht tun, um die Ursachen herauszufinden und dieses Zuverlässigkeitsproblem für die kommenden Rennen zu lösen." Solche Fehler müssen in den letzten sechs Saisonrennen abgestellt werden, denn die Scuderia aus Maranello hat den Anspruch, sowohl den Fahrer- als auch den Konstrukteurstitel erfolgreich zu verteidigen.

Zwar geht Massa als WM-Zweiter nur sechs Punkte hinter Hamilton, der wie der Brasilianer ebenfalls bereits vier Siege in diesem Jahr gefeiert hat, mit der klar besseren Ausgangssituation ins letzte Saisondrittel, doch laut Domenicali ist auch Räikkönen trotz seiner langen sieglosen Serie noch immer voll im Titelrennen. "Wir haben volles Vertrauen in ihn. Er ist der Weltmeister und wir ein loyales Team", betonte der Ferrari-Teamchef, dass beide Piloten weiterhin gleich behandelt werden.

"Der Finne ist ein Problem"

Italiens Medien sahen es natürlich anders. "Das war die Wende: Jetzt ist Massa der Hamilton-Gegner", befand "La Gazzetta dello Sport" am Montag. "Der Finne ist ein Problem. Jetzt muss Ferrari eine Entscheidung treffen." Und für den "Corriere dello Sport" stand sogar bereits fest: "Massa triumphiert - Ferrari hat eine neue Nummer 1."

Beim WM-Konkurrenten McLaren sind solche Diskussionen überflüssig, ist doch Vizeweltmeister Hamilton die klare Nummer eins. Für den Briten war Platz zwei in Valencia wie ein Sieg, da der 23-Jährige durch die Nachwirkungen einer Grippe noch geschwächt in die Europa-GP-Premiere in der spanischen Hafenstadt gestartet war. Außerdem hatte er Probleme im Bereich der Halswirbelsäule, die mit Injektionen hatten behandelt werden müssen.

Dieses Handicap inspirierte die englische Presse. "Massa ist größerer Schmerz für Hamilton", titelte etwa der "Daily Express" sarkastisch und kam zum Schluss: "Hamilton brauchte Spritzen, um sich von Nackenschmerzen zu befreien, aber Massa blieb ihm im Nacken sitzen und machte deutlich, dass er den britischen Fahrer bis zum Ende jagen werde." (APA/Reuters/dpa)

 

 

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    Der Druck auf WM-Titelverteidiger Kimi Räikkönen steigt rasant an, doch der Finne bleibt cool.

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