Chip-Implantate gegen Kidnapping nur "teure Spielereien"

25. August 2008, 12:01
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Immer mehr Mexikaner lassen sich Chips implantieren, um im Fall der Entführung schneller gefunden zu werden - laut Datenschützern kaum wirksam

Besorgte Mexikaner lassen sich Mikrochips unter die Haut einsetzen, um bei einer Entführung von den Behörden geortet werden zu können. Neben wohlhabenden Mexikanern zählen auch immer mehr Bürger der Mittelklasse zu den Kunden der Sicherheitsfirma Xega, dem Hersteller der Chip-Implantate. Die Verkäufe von Xega stiegen 2008 um 13 Prozent an. Eigenen Angaben zufolge hat die Firma bereits über 2.000 Kunden.

"Teure Spielerei"

Das Unternehmen implantiert den Chip von Größe und Form eines Reiskorns mit einer speziellen Spritze unter die Haut. Ein Sender im Chip kommuniziert mit einem größeren GPS-Empfänger, der ebenfalls von der Person mitgeführt werden muss. Gegner kritisieren, dass der Chip nicht mehr als eine teure Spielerei sei und nicht wirklich zu mehr Sicherheit beitrage.

Zusätzliches GPS-Gerät

Der Chip alleine könne nämlich nicht lokalisiert werden und das GPS-Gerät kann von den Kidnappern zerstört werden, wie Datenschützer bemängeln. Der Chip kostet 4.000 US-Dollar inklusive einer jährlichen Gebühr von 2.200 US-Dollar. Xegas Mikrochips wurden bis vor wenigen Jahren noch zur Lokalisierung gestohlener Autos genutzt. Nach der Entführung eines der Eigentümer im Jahr 2001 stieg das Unternehmen auf die Implantate um.

Expansion in Südamerika

Die meisten Entführungen werden in Mexiko nicht gemeldet. Offizielle Statistiken melden 751 Kidnappings in 2007, das unabhängige Institut ICESI geht jedoch von etwa 7.000 Entführungen aus. Zwischen 2004 und 2007 stiegen die Fälle von Kidnapping in Mexiko offiziellen Informationen zufolge um 40 Prozent an. Damit reiht sich Mexiko mit Ländern wie dem Irak und Kolumbien in die Gebiete mit den meisten Entführungen ein. Das Unternehmen will demnächst auch nach Brasilien, Kolumbien und Venezuela expandieren. (red)

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    Chip-Implantate sollen sich nicht zur Lokalisierung bei einer Entführung eigenen, benötigen zusätzliches GPS-Gerät

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