Fragwürdige Karrierehilfe

25. August 2008, 10:38
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Zur Förderung von Wissenschafterinnen an den Universitäten - Ein Kommentar der anderen von Christian Scholz

Auf den ersten Blick erfreulich: Das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung spendiert im Rahmen der Initiative fForte den Unis 6,6 Millionen Euro, wenn sie mehr Frauen als Professorinnen einstellen - angesichts der knappen Universitätskassen viel Geld.

Auf den zweiten Blick verbirgt sich dahinter ein Prinzip, das immer typischer für die Arbeitswelt der Zukunft wird: Es zählen nicht Marktmechanismus und Leistungsprinzip, sondern nur die Fähigkeit, sich als benachteiligte Minderheit mit scheinbar legitimem Anspruch auf Sonderstatus zu deklarieren.

Auch auf EU-Ebene drücken immer mehr Einzelgruppen ihre Interessen zulasten anderer durch, die dann allenfalls mit EU-Verdrossenheit antworten. Das Gleiche passiert hier: Denn es werden nicht etwa nur "mehr Frauen" eingestellt, sondern gleichzeitig auch "weniger Männer".

Doch bevor Frauen jetzt vorschnell über diese Regelung jubeln - und vielleicht "f.F." als Hinweis auf ihr Förderprogramm hinter den Doktortitel stellen -, sollten sie sich die erkauften Nachteile anschauen: Sicherlich werden Universitäten mehr Frauen einstellen. Nur: Professorinnen in Österreich aus den fForte-Jahrgängen werden bei Studenten sowie Kollegen, in der Öffentlichkeit und international mit dem Stigma leben müssen, wonach sie möglicherweise nur wegen der hohen Kopfprämie eingestellt wurden. So traurig es ist: Das Gegenteil werden sie nie beweisen können.

Auch konzeptionell ist diese Regelung gefährlich: Wenn ein Mitarbeiter (m/w) beispielsweise durch eine tätigkeitsrelevante Behinderung nur schwer auf dem Arbeitsmarkt vermittelbar ist, so sind Teilübernahmen des Gehaltes durch eine staatliche Stelle eine soziale Leistung im Sinne einer Kompensation für die unverschuldet geringere Leistungsfähigkeit des Mitarbeiters. Sieht sich fForte in dieser Kategorie? Wohl nicht gerne. Trotzdem landet fForte zwangsläufig in dieser Schublade: "Man stellt Frauen als Professorinnen nur ein, wenn man dafür eine Entschädigung bekommt."

Bereits jetzt haben wir (zu?) viele Förderprogramme nur (!) für Wissenschafterinnen: Das Neueste ist ein Training, in dem Frauen lernen, sich in Medien erfolgreich zu präsentieren. Hinzu kommen unzählige Regeln, die weitgehend sicherstellen, dass im Bewerbungsverfahren keine Frau benachteiligt wird.

Wenn jetzt noch Millionen Euro für die Einstellung von Frauen an den Unis dazukommen, dann ist das nicht nur des Guten zu viel. Es ist leider ein Vorgeschmack auf die Unausweichlichkeit eines entliberalisierten Arbeitsmarktes der Zukunft, wo wie auch immer begründete Steuerungsimpulse des Staates mehr zählen als individuelle Leistung.

Und dagegen sollte sich eigentlich auch eine Frau Univ.-Profin. Dr. f.F. aussprechen. (DER STANDARD, Printausgabe 25.8.2008)

Zur Person

Christian Scholz ist Professor für Personalmanagement in Wien und Saarbrücken und Leiter des PoP-Jahresforums für die Personalwirtschaft.

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