Mit den Nippeln spielen

26. August 2008, 17:00
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Was die Honda CB1000R mit heißen Nippeln zu tun hat? Jede Menge, wissen der Wachau-Ring und der glu

Wenn ich ganz ehrlich bin, hegen manche Motorradfirmen leichte Ressentiments gegen mich. Am heftigsten sind die Vorurteile bei Honda. Dafür gibt es einige Gründe. Einer davon war Resultat einer Einladung zum Motorradtest ins ÖAMTC-Fahrsicherheitszentrum in Teesdorf.

Im Zuge der Veranstaltung hab ich den Hauptständer eines Rollers derart angeschliffen, dass dieser ab 16:00 Uhr Mühe hatte, seiner ihm zugedachten Funktion zu entsprechen. Die viereckigen Bodenplatten des Hauptständers haben sich unter nervtötendem Kurvenkreischen in dreieckige verwandelt.

Mein Glanzstück aber war die Transalp. Während des Fotoshootings im Driving-Camp Pachfurth wunderten wir uns über das seltsame Schleifgeräusch der Transe. Zwar war wieder und wieder das hässliche Kreischen eines aufsetzenden Ständers zu hören - hundert kratzende Tafelkreiden sind eine Festwochen-Eröffnung dagegen - aber der Hauptständer blieb in Form. Des Rätsels Lösung erschloss sich erst am Ende des Fotoshootings. Da merkte der Graf Foto, dass der Bugspitz der Transe deutliche Spuren von Schräglagenausschlag zeigte.

Als ich für den Test dieser Woche die CB1000R abhole, mache ich mich ob dieser Kleinigkeiten schon auf mahnende Worte gefasst. Man wird mir ein „Bitte pass' drauf auf und bring sie als Ganzer zurück!" mit auf den Weg geben. Und ich werde lächelnd antworten: „Aber geh, ich hab euch eh noch nie ein Radl zerlegt." Damit bleibt die Form gewahrt - zumindest die der Höflichkeit.

Die CB1000R steht vor der Garage, ich habe schon die Papiere in der Hand, und in dem Moment, in dem ich den Schlüssel im Schloss versenke, höre ich: „Du, glu, bring sie bitte heil zurück. Wir brauchen sie noch." Und ich kontere lächelnd: „Aber geh, ich pass immer auf. Außerdem, euch hab ich noch nie ein Radl z'sammg'haut." Zwei verwirrte Augen schauen mich an und als ich „CB1000F" und „Totalschaden" höre, kann ich nur antworten, dass ich, mir natürlich unerklärlich, grad die vergessen habe. Und jetzt eigentlich auch nicht drüber reden möchte.

>>> Was Richi Lugner mit rasierten Nippel zu tun hat

 


 

Weil es hilft jetzt eh nix, darüber zu diskutieren, dass die Sterne Schuld waren, Richard Lugner, die Wildecker Herzbuben oder die Emanzipationsbewegung. Oder sonst was. Ich getrau mich auch nicht zu fragen, wann Stürze verjähren. So schwöre ich, die Honda jungfräulich zurück zu bringen und mache Meter. Meter in Richtung ÖAMTC-Fahrsicherheitszentrum. Aber nicht jenes in Teesdorf, sondern jenes, das sich da „Wachau-Ring" nennt.

Die CB1000R ist eine typische Honda. Da stimmt einfach alles. Das Styling ist futuristisch, das Fahrwerk fantastisch und der Motor ein Traum. Letzteres obwohl man sich eigentlich die Haare raufen möchte, wenn man die Leistungsdaten des Motors liest, der in der CBR für fast 200 PS gut ist: 125 PS bei 10.000 Touren. Wenn da aber jemand etwas von einem Vogelnest in der Airbox faselt, ist das in Wirklichkeit pures Stammtischgewäsch: 99 Nm treiben einem die Freudentränen ins Gesicht. Und der Motor dürfte so langlebig sein, dass meine Urenkerln noch eine Freud an der CB haben werden, wenn ihnen bereits alle Haare ausgegangen sind. (Wenn sie nach dir kommen, ist das aber nicht gar so lang... mfgux ;-)

So lasse ich die CB1000R über den Wachau-Ring fliegen. Das Fahrwerk steckt den ungewohnt sportlichen Einsatz weg, als wären wir grad beim Semmerl holen. Beim harten Anbremsen zeigt regelmäßig das ABS auf. Und das ist mir ganz recht, denn so weiß ich, wem ich es zu verdanken hab, dass ich die CB nicht übers blockierte Vorderrad in die Marillenbäume werfe. Ich hab ja versprochen, die 1000er gesund zurück zu bringen. Der enge Kurs, rechtsherum, passt der Honda wie angegossen. Hier kann sie ihre Stärken ungehemmt ausspielen. Phänomenal. Starker Motor, einfachstes Handling, hoch montierte Fußrasten für Schräglagenfreiheit ohne Ende und somit auf Anhieb Rundenzeiten in der Wachau, wie sie für mich auch mit einer Supersportlerin kaum zu knacken sind.

Einziges Manko: An den so hoch montierten Fußrasten hängen die Stöckel eines Damenschuhs. Soll heißen, in den Fußrasten sind Distanzschrauben montiert, die durch ihr Aufsetzen anzeigen: „So, und jetzt wird es Zeit aufzupassen, sonst brichst du dein Versprechen." Diese Distanzschrauben heißen in Kreisen jener Fahrer, die sie am liebsten schon vor dem Motorradkauf abschrauben würden, Angstnippel oder Angstwarzen. Diese Nippel haben wir nicht abmontiert. Und diese Nippel werden wohl auch so schnell nicht mehr abmontiert werden. Denn - und ich kann es mir nicht so richtig erklären - die Nippel der Honda sind nach dem Fotoshooting so deformiert, dass es kein Spezialwerkzeug gibt, das die noch rausbekommt.

Ein wenig begeistertes: „Na, das war ja eh klar!" schmettert mir entgegen, als ich die Honda -mit dem Kopf zwischen den Schultern, devot zu Boden schauend, mit dem Finger auf die Fußrasten zeigend und mit der Stimmgewalt eines Werner Faymann „Hoppala!" verkündend - zurückgebe. Schwarze Strickkrawatte hab ich keine um, aber einen Grinser im Mundwinkel.

Und ich muss gestehen: Geil war es schon, so mit den Nippeln zu spielen.

 

(Text: Guido Gluschitsch; Fotos: Wolf-Dieter „Graf Foto“ Grabner)

Guido Gluschitsch ist Chefredakteur von www.motorradnet.at.

 

Technische Daten zur Honda CB1000R:
Marke: Honda; Typenbezeichnung: CB 1000 R; Farben: pearl nightstar black, dragon green metallic, sword silver metallic, pearl cool white; Baujahr: 2008; Motor: Viertakt-Reihenvierzylinder-Motor; Kühlung: Flüssiggekühlt; Ventile: 16; Steuerung: DOHC; Hubraum: 998; Verdichtung: 11,1:1; Gemischaufbereitung: PGM-R Benzineinspritzung; Nennleistung: 92 kW (125 PS) bei 10.000/min; Max. Drehmoment: 99 Nm bei 7.750/min; Getriebe: 6-Gang; Endantrieb: Kette; Aufhängung vorne: Upside-Down Gabel, 43 mm; Aufhängung hinten: Einarmschwinge, Pro-Link-System mit HMAS-Dämpfer; Federweg vorne: 120 mm; Federweg hinten: 128 mm; Radstand: 1445 mm; Lenkkopfwinkel: 25°; Nachlauf: 99 mm; Sitzhöhe: 828 mm; Bremse vorne: Doppelscheibenbremsen, schwimmend gelagert, 310 mm Durchmesser, 4-Kolben-Zangen; Bremse hinten: Einscheibenbremse, 256 mm Durchmesser, 2-Kolben-Zange; Reifen vorne: 120/70 ZR17M/C (58W); Reifen hinten: 180/55 ZR17M/C (73W); Tankinhalt: 17 Liter; Serviceintervall: 6000 km; Spitze: 240 km/h; Preis: 11790.- Euro; Steuer/Jahr: 263.47.- Euro;

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Honda

  • Wenn Sie genau hinsehen, können Sie die Nippel von des glus Test-Bike erkennen. Dieses Mal - eine Honda CB 1000R. Lesen Sie mehr...
    foto: derstandard/grabner

    Wenn Sie genau hinsehen, können Sie die Nippel von des glus Test-Bike erkennen. Dieses Mal - eine Honda CB 1000R. Lesen Sie mehr...

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