Ulram: Plakate das "mit Abstand ineffizienteste Mittel" zur Wahlwerbung

24. August 2008, 21:34
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Informationsgehalt bei politischen Plakat-Kampagnen gehe tendenziell gegen Null - Meinungsforscher: Eher Signal an Funktionäre

Wien (APA) - SPÖ, ÖVP, Grüne und FPÖ haben sie schon aufgestellt, das BZÖ will dies nächste Woche tun: Wahlplakate zieren auch bei dieser Nationalratswahl wieder das Bild auf den Straßen. Laut Meinungsforschern haben die großflächig gedruckten Slogans aber wenig Wirkung: Plakate seien das "mit Abstand ineffizienteste Mittel" zur Wahlwerbung, meint etwa Werner Ulram von Fessel & GfK. Auch Imma Palme (Ifes) hält derart dargebrachte Botschaften eher für Signale an die Funktionäre.

"Genug gestritten" und "Es reicht" - mit diesen beiden Slogans sind SPÖ bzw. ÖVP in den Wahlkampf gestartet und diese sind auch prominent auf ihren Plakaten zu finden. Während die Kanzlerpartei in ihren ersten Plakatwellen klar auf die Person des SPÖ-Spitzenkandidaten Werner Faymann setzt und Inhalte ausspart, versuchte die ÖVP den umgekehrten Weg: Unter dem Generaltitel "Es reicht" propagiert die Volkspartei ihre Forderungen, etwa: "Familien-Beihilfe jeden September doppelt" oder "Ohne Deutschkurs keine Zuwanderung". ÖVP-Chef Wilhelm Molterer ist auf den Plakaten nicht zu finden.

"Volle Härte bei Kindesmissbrauch"

Kommende Woche will die ÖVP ihre nächste Plakatwelle starten - laut Parteizentrale werde man "weitere thematische Schwerpunkte" setzen. Die Tageszeitung "Österreich" berichtet in ihrer Sonntag-Ausgabe, dass die Volkspartei den Slogan "Volle Härte bei Kindesmissbrauch" plakatieren wird. Dazu heißt es neben einem im Gerichtssaal stehenden Richter. "Wir schützen Opfer, nicht Täter".

Die SPÖ hat bereits zwei Wellen lanciert, neben dem Slogan "Genug gestritten" lächelt Spitzenkandidat Werner Faymann auch neben dem Schriftzug "Faymann. Die neue Wahl" dem Betrachter entgegen. Die Plakate sind in rot gehalten, der SP-Spitzenkandidat in schlichtem schwarz gekleidet. Die dritte Welle soll nach dem offiziellen Wahlkampfauftakt der SPÖ am kommenden Freitag starten.

"Blockieren? Nicht mit mir"

Schlicht gingen es die Grünen an, auf recht nüchtern gehaltenen Plakaten verkündet Parteichef Alexander Van der Bellen vor schwarzem Hintergrund, was mit ihm alles nicht machbar sei: "Blockieren? Nicht mit mir", heißt es etwa. Auch "umfallen", "Dauerstreit" oder "aufhetzen" will der Grüne Bundessprecher nicht. Auch hier ist eine zweite Welle geplant, wie diese aussehen könnte, ist noch geheim.

Mit Altbekanntem wartet die FPÖ auf: Parteichef Heinz-Christian Strache setzt auf Soziales ("Soziales Sicherheit für unsere Leut'"), Ausländer ("Asylbetrug heißt Heimatflug") oder das Thema EU ("Volksvertreter statt EU-Verräter"). Auch Heimatbewusstsein und Mittelstand sind der FPÖ ein Anliegen ("Heimatland braucht Mittelstand"). Unterstrichen werden die Forderungen mit einem alten Werbe-Spruch von Straches nunmehrigen Kontrahenten, BZÖ-Chef Jörg Haider: "Sie sind gegen ihn, weil er für euch ist!". Auch die FPÖ werde noch eine weitere Reihe von Plakaten starten, der Termin ist offen.

BZÖ startet am 30. August

Sparsam gab sich bisher das BZÖ, vom orangen Bündnis gibt es bisher keine bundesweite Wahlplakate-Kampagne. "Wir haben immer gesagt, Start ist mit 30. August", sagte Generalsekretär Stefan Petzner. Er halte "nichts von wochenlangen Wahlkämpfen, wir wollen die vier Wochen im September nützen". Ab dann werde auch eine Wahlkampagne, "mit allem was dazugehört", kommen.

Die Experten ordnen den Plakaten eher eine untergeordnete Rolle zu. Ulram meinte, der Informationsgehalt bei politischen Plakat-Kampagnen gehe tendenziell gegen Null und würden "wenig wahrgenommen". Produktwerbung bringe immer auch eine Information, dass etwa Faymann für die SPÖ kandidiere sei aber "nicht so überraschend". Moderne Wahlkämpfe würden grundsätzlich über die Medien gehen. Eben über diesen Umweg der Berichterstattung würden die Plakate aber dennoch Aufmerksamkeit wecken könne, sagte Palme. So sei etwa das Wahlplakat von Faymann medial "recht breit abgehandelt worden".

Kandidaten vorstellen

Für Christoph Hofinger (SORA) gilt es für beide Großparteien, ihre Kandidaten vorzustellen, da diese noch nie Spitzenkandidaten gewesen seien. Bei der ÖVP ortet er den Versuch, den "Fehler" der letzten Nationalratswahl nicht zu wiederholen, indem man "ohne Themen in den Wahlkampf gehe". Dass beide Parteien aber hauptsächlich den "Unmut der Bevölkerung zurückspiegeln" ("Es reicht", "Genug gestritten") halte er "für beschränkt mobilisierungswirksam". Denn nur zu sagen, "wir verstehen Euch und Euren Ärger", sei zu wenig. "Dass die Wähler angefressen sind, muss ich nicht zur Botschaft machen", so Hofinger. (APA)

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