Die Angst der ÖVP vor "Onkel Hans"

25. August 2008, 15:19
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Die Negativ-Kampagne der "Krone" sei für die ÖVP eine "gefährliche Situation", sagt Wahl- kampfleiter Missethon - Könnte den Sieg kosten

Wien - Die ÖVP ist alarmiert und ratlos. Was tun gegen die Negativ-Kampagne der "Kronen Zeitung", die den bisherigen komfortablen Vorsprung der Partei vor der SPÖ empfindlich schrumpfen lässt?

Einige Meinungsforscher, wie Peter Ulram vom ÖVP-nahen Fessel-GfK-Institut, die die Schwarzen stets weit vor den Roten positioniert hatten, orten bereits ein Kopf-an-Kopf-Rennen. "Die Kronen Zeitung kann der ÖVP den Wahlsieg kosten", warnen jetzt Franz Fischler und Bernd Schilcher vom Personenkomitee für ÖVP-Chef Wilhelm Molterer im Gespräch mit dem STANDARD. "Aber bitte, was sollen wir machen?", fügt der sonst durchaus wortgewaltige Ex-VP-Politiker Schilcher ratlos hinzu. Schilcher: "Das ist ja ärger als es jede Parteizeitung jemals war. Es gibt für uns zwei Möglichkeiten: In die Knie gehen und anpassen oder Haltung bewahren. Ich habe sonst auch keinen Ausweg parat."

"Haltung bewahren"

Franz Fischler, Vorsitzender des Molterer-Komitees, hält ebenso nichts von "liebdienerischen" Aktionen. Fischler: "Die VP kann jetzt nur Haltung bewahren und versuchen, die anderen Medien von ihrer Positionen zu überzeugen."

Die "schreckliche Anbiederung der SPÖ" und ihres Chefs Werner Faymann in Sachen EU-Volksabstimmung habe diese "demokratiepolitisch gefährliche Situation" herbeigeführt, sagt Schilcher. Er hoffe nur noch auf eine "Gegenreaktion der Wähler".

ÖVP beharrt auf EU-Linie


Darauf setzt auch ÖVP-Generalsekretär und Wahlkampfchef Hannes Missethon: "Wir werden auch weiter unsere EU-Linie nicht ändern, kommt überhaupt nicht infrage. Wir lassen uns unser Rückgrat nicht brechen und werden unsere Haltung sicher nicht dem Boulevard opfern."

Wiewohl auch Missethon nicht ganz ausschließen kann, dass die Partei mit fliegenden Fahnen untergehen könnte. Missethon: "Es ist für uns ohne Zweifel eine gefährliche Situation." Eine Situation, auf die seine Partei jetzt mit "Aufklärung" kontern wolle. Missethon: "Wir werden klarmachen, dass zum Teil sogar Manipulation betrieben wird. Was da passiert, ist Nordkorea. Wir werden auch zur Diskussion stellen, wer das Land regieren soll: Einer, der von Hans Dichand die Aufträge erhält, oder einer, der der Bevölkerung verpflichtet ist."

"Signifikante Unterschiede"

Die Linzer Agentur für Medienanalyse hat die Berichterstattung der "Krone" jetzt mit anderen Medien verglichen und dabei "signifikante Unterschiede" festgestellt. Fazit: Die Kommentare und die Tendenz in der Berichterstattung über die SPÖ in der "Krone" "können zum allergrößten Teil als unterstützend positiv bewertet werden".

In praktisch allen wesentlichen Bereichen, in der Präsenz insgesamt ebenso wie bei der bildlichen Darstellung, liege Faymann deutlich vor VP-Chef Wilhelm Molterer. Negative oder kritische Berichte über Faymann, dem nachgesagt wird, mit Krone-Chef Hans Dichand per "Onkel Hans" zu verkehren - was Faymann aber dementiert -, sei in der "Kronen Zeitung" "hingegen keine auszumachen". (Walter Müller/DER STANDARD; Printausgabe, 25.8.2008)

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    Bernd Schilcher und ...

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    ... Franz Fischler warnen vor ...

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    ... Hans Dichand.

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