Hitparade der Mediaplayer: Von Winamp bis Songbird

24. August 2008, 20:20
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Software für Abspielen, Archivieren und Umwandeln von Musik- und Video-Dateien kann immer mehr - und immer mehr Tools buhlen um die Gunst der User

In Zeiten, in denen unsere Rechner Multimedia-Stationen geworden sind, die längst nicht nur Lieblingsmusik und die neuesten DVDs abspielen, mangelt es auch nicht an kompetenten Software-Lösungen. Dabei wird der Markt noch immer von wenigen großen Playern beherrscht.

Der gebändigte Riese

Bevor Apple mit dem iPod und dem dazugehörigen iTunes weltweite Erfolge feierte, hatte es Microsoft recht leicht: Bis zum EU-Urteil im Jahr 2003 wurde der Windows Media Player standardmäßig mit Microsoft Windows ausgeliefert. Diese Vertriebsart wurde von den Wettbewerbsschützern der Europäischen Union als Ausnutzung des Quasi-Monopols verurteilt. Als Reaktion auf die Forderung den Media Player vom Betriebssystem zu entkoppeln, bietet Microsoft Windows in einer Windows Light Version an, ohne den Player, aber zum gleichen Preis.

Diese abgespeckten Versionen kommen nicht besonders gut an, denn Dekrete sind wohl kein geeignetes Mittel um gegen ein Marktmonopol anzukämpfen. Kaum ein Nutzer verzichtet freiwillig auf ein etabliertes Produkt, es sei denn es gibt ein noch besseres leicht zugängliches Konkurrenzprogramm.

Konkurrieren müssen die Software-Anbieter mit einem etablierten Player der bereits in der Version 11 auf zahlreichen PCs als Standardprogramm für das Abspielen von Musik- und Videodateien thront. Der Funktionsumfang des Windows Media Players reicht von der Medienarchivierung, einer Synchronisation für MP3-Player über einen Internetradio-Empfänger bis zum Verwalten der Mediendateien. Schnittstellen zu verschiedenen Internet-Anbietern für Musik- und Videodateien sind auch mit an Board. Eines der interessantesten Featuras der aktuellen Version ist die Möglichkeit Musikdateien nicht nur auf mobile Multimediaplayer zu spielen, sondern sie auch von dort zurückkopieren.

Vielseitig und stylish

Eine beliebte Alternative zum Windows Media Player ist das 1997 zum ersten Mal als Shareware veröffentlichte Winamp der Firma Nullsoft. Derzeit kann Winamp kostenlos in der Version 5.5 heruntergeladen werden. Das Programm spielt problemlos alle wichtigen Formate ab und kann dank Erweiterungen mit passenden Plug-Ins auch mit kopiergeschützten Dateien umgehen. Seit der Version 5.2 ist Winamp, dank so genannten Portable Media Player (PMP)-Plugins, auch in der Lage auf diverse portable MP3-Player zuzugreifen. Dazu zählen Apples iPods, Player der Firma Creative sowie für Player die den Standard "Microsoft PlaysForSure" unterstützen. Seit der Version 5.3 werden auch preiswerte USB-Flash-Player erkannt. Neben der Kompatibilität und einfacher Bedienung machen auch die so genannten Skins Winamp zum Liebling vieler Nutzer. Mehr als 300 Farbkombinationen stehen zur Verfügung um dem Player eine individuellen Look zu verpassen.

Umstritten aber kompetent

Beim Real Player war es wohl weniger sein elegant-kühles Design als vielmehr seine Qualitäten im Bereich des Life-Video-Steamings, die ihn zu Liebling der Video-Fans machten. Real spielte hier lange Zeit die technologische Vorreiterrolle - das Real-Format war für Video-Streaming-Inhalte im Internet lange ein Quasi-Standard. Mittlerweile hat die Konkurrenz auf diesem Gebiet aufgeholt. Doch dank seines kompetenten Download-Managers, der zum Herunterladen von mehreren Videos gleichzeitig geeignet ist, und wegen seiner Kompatibilität mit vielen tragbaren Mediaplayern, bleibt der Real Player weiterhin unter den beliebtesten Multimedia-Programmen. Der Vorwurf, Real Player sei in einigen Versionen als Spyware einzustufen, hat seiner Popularität auch keinen Abbruch getan. Die Anti-Malware-Initiative StopBadware.org kritisiert, dass bei der jüngsten Version des Programms der Anwender nicht darüber informiert, dass zusätzlich auch die so genannte Rhapsody Player Engine installiert wird.

Flexibles Streaming-Wunder

Ein Steamnig-Talent ist auch der VLC media player. Die Software unterstützt unterschiedliche Streaming-Protokolle und wird auch von professionellen Nutzern, etwa zum TV-Stream eingesetzt. Privatanwender schätzen den Player auch wegen seiner Fähigkeit zahlreiche Video- und Audiodateien problemlos abzuspielen und diese auch umzuwandeln. Außerdem verfügt das Programm über interne Filter, wie etwa einen Farbfilter oder auch eine interessante Zusatzfunktion mit der man zum Beispiel ein im Hochformat aufgenommenes Video um 90 Grad drehen kann. Neben Windows unterstützt der VLC media player auch Mac OS X, BeOS oder etwa Syllable.

Königsklasse mit Defiziten

Viel weniger Flexibilität bietet Apples Player iTunes, doch die beliebten iPods und der iTunes-Store - Marktführer unter den Musikanbietern im Internet - machen den Mediaplayer unumgänglich für viele Musikfans. Solange man sich in der Apple-Welt - zwischen iPod und dem hauseigenen Musik-Store - bewegt, hat man mit dem iTunes-Player den idealen Begleiter. Mit anderen MP3-Playern ist iTunes allerdings nur im Zusammenspiel mit Plugins kompatibel. Einschränkungen gibt es auch bei Videoformaten. So können zum Beispiel auf einen Mac-Rechner keine WMA-Dateien in iTunes importiert werden - in der Microsoft-Version des Players ist das allerdings machbar.

Singvogel mit Internet-Affinität

Der neueste Konkurrent für die großen Marktlöwen, Songbird, der Mediaplayer der Mozilla-Foundation, ist vor wenigen Tagen in der ersten Beta-Version erschienen. Songbird-Entwickler haben vor allem auf zahlreiche Schnittstellen zum Internet gesetzt, so dass sich der Nutzer beispielsweise direkt aus dem Menü des Players über interessante Konzerte in seiner Umgebung informieren kann. Das Programm besitzt nämlich einen kompletten Browser, und zwar die Firefox-Engine. Um auch optisch mit den großen Konkurrenten halten zu können, stehen für den plattformunabhängigen Player eine Reihe von Skins bereit. Songbird 0.7 steht derzeit für Windows XP/Vista, Mac OS X und Linux zum Download bereit.

Mehr fürs Geld

Alle Programme bieten sich allesamt als kostenlose Komplettlösungen an, um Musik- und Videodateien anzuspielen, zu verwalten und teilweise auch umzuwandeln. Die neuesten Versionen der Software bieten in der Regel auch Schnittstellen zum Internet und sind mit tragbaren Mediaplayern kompatibel. Doch die Media-Pogramme gibt es oft auch in einer kostenpflichtigen Version die Zusatzfunktionen mitbringt. So kann man um circa 18 Euro Winamp Pro erwerben, mit dem auch das Brennen von CDs möglich ist. Die Bezahl-Version des Real Players mit dem Zusatz „Plus“ bietet gleich eine Art Mini-Schnittplatz mit dem neben dem Brennen von CDs auch die Möglichkeit analoger Aufnahmen von externen Audioquellen geboten wird. So kann man beispielsweise seine alte Schallplattensammlung digitalisieren. (Olivera Stajic)

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