"Zumachen" hilft nichts

24. August 2008, 19:26
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Migration macht Umdenken notwendig: weg von der Vorstellung, Zuwanderer in Maßen managen zu können, hin zur Einwanderungsgesellschaft - von Irene Brickner

Mag sein, dass Europa Einwanderer braucht - aber es funktioniert einfach nicht: Zu dieser Schlussfolgerung könnte ein Beobachter des zunehmenden Unbehagens im liberalen Schweden mit den Problemen der Ausländerintegration kommen. Tatsächlich ist die Nachricht, dass der dort vergleichsweise einfache Weg zu Niederlassungs- und Arbeitsbewilligungen sowie zu kostenlosen Sprachkursen den gesellschaftlichen Ausschluss vieler frisch Zugezogener nicht verhindern kann, ein Dämpfer für integrationspolitische Optimisten.

Und sie freut die Populisten, die sich für die jeweils angestammte Bevölkerung mit ihren angeblich traditionellen Werten einsetzen: in Schweden für die echten Schweden und das Schwedentum, in Österreich für echte Österreicher und das, was sie national und kulturell zusammenhält. Und so weiter, quer durch den Kontinent, der politisch ja eigentlich zusammenwachsen sollte, wie es im Rahmen der Europäischen Union und ihres Regelwerks vereinbart wurde.

Vor diesen immer stärker werdenden populistischen Kräften zittern herkömmliche Parteien überall in der Union. Deren forsches Auftreten und der Umstand, dass sie nach dem Prinzip "Wir gegen sie" bei Wählern Gefühle ansprechen, die auf nationalistischen Traditionen fußen, verhindern das Fassen klarer Gedanken. Dabei machen gerade die Herausforderungen der Migration ein allgemeines Umdenken notwendig: weg von der Vorstellung, Zuwanderer in Maßen schon irgendwie managen zu können - und dem Frust, wenn es nicht klappt -, hin zu einer Einwanderungsgesellschaft, die in einem solchen Fall nicht einfach "zumachen" will, sondern die Probleme zu lösen versucht.  (Irene Brickner, Der Standard Print-Ausgabe, 25.08.2008)

 

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