Die Woche der Entscheidung

24. August 2008, 19:03
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Ein fast aufgezehrter Überbrückungskredit, der bis Jahresende hätte vorhalten sollen. Ein verdoppelter Halbjahresverlust. - Bei Alitalia ist bis zum Konkurs alles möglich

Die Tage der angeschlagenen Fluggesellschaft Alitalia sind gezählt. Sollte der Sanierungsplan nicht in dieser Woche verabschiedet werden, so muss der am Freitag stattfindende Verwaltungsrat der halbstaatlichen Airline entweder die Zwangsverwaltung oder aber den Konkurs beantragen. Denn die finanzielle Situation der Alitalia ist derart prekär, dass eine Fortsetzung der Geschäftstätigkeit nicht mehr gewährleistet werden kann. Dies berichtet die Mailänder Wirtschaftszeitung Il Sole - 24 Ore.

Der Halbjahresverlust soll sich um die 400 Mio. Euro, doppelt so viel wie im Vorjahr, belaufen. Und die 300 Mio. Überbrückungskredit, welche bis Jahresende ausreichen sollten, seien infolge des hohen Treibstoffpreises, wachsender Konkurrenz der Billigflieger und sinkender Anzahl der Passagiere bereits aufgezehrt.

Splittung

Heute, Montag, trifft Banca Intesa-CEO Corrado Passera die privaten Investoren, die sich für eine Beteiligung an der New Company bereiterklärt haben. Wie bekannt, sieht der von Intesa ausgearbeitete Sanierungsplan die Splittung der Alitalia in eine New Company, die eigentliche Fluggesellschaft, und eine "bad company" vor.

In der "bad company" sollen die defizitären Boden- und Wartungsdienste integriert werden. Die schuldenbelastete "bad company" soll von einer staatlichen Gesellschaft "aufgefangen" werden. Dazu muss die Regierung bei dem für 28. August angekündigten Ministerrat-Treffen noch die Änderung des Konkursgesetzes Marzano beschließen.

Partnersuche erst nach Sanierung

Die privaten Übernahme-Interessenten an der noch zu 49,9 Prozent vom Staat kontrollierten Fluggesellschaft sind laut banknahen Kreisen Carlo Tato (Eigentümer der nationalen Fluggesellschaft Air One), Colaninno (Piaggio-Vespa), Benetton, Gavio (Autobahnbetreiber). Ligresti (Versicherer), Tronchetti Provera (Pirelli) und Fossati (Lebensmittelkonzern Star) sowie die Fondsgesellschaften Clessidra und Equinox sowie die Banken Nomura, Morgan Stanley und Mediobanca. Vorerst wird mit keinem ausländischen Partner verhandelt, heißt es bei Banca Intesa. Von einer strategischen Partnerschaft mit einer ausländischen Airline kann erst dann die Rede sein, wenn die New Company saniert ist. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.8.2008)

 

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    Über die Zukunft der Alitalia wird diese Woche intensiv nachgedacht. Ausländische Partner kommen erst dann infrage, wenn die Gesellschaft saniert ist.

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