Widerstand gegen Partner regt sich

24. August 2008, 18:52
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Der von Konzernbetriebsratschef Kolek und Telekom-Boss Nemsic ventilierte Wunsch nach einem strategischen Partner für die TA sorgt im Konzern für schwere Irritation

Wien – Die vom Betriebsratschef der Telekom-Festnetzsparte, Michael Kolek, ventilierte und von TA-Generaldirektor Boris Nemsic bei der Roadshow in London bereitwillig aufgegriffene Empfehlung für eine Partnersuche für die Telekom Austria (TA) stößt in der Belegschaft auf Widerstand.

Vor allem in der Mobilkom (A1), Österreichs Marktführer im Mobilfunk und wichtigstem Ertragsbringer des teilstaatlichen Konzerns, sorgt der Alleingang des Konzernbetriebsratschefs für Irritation und Unmut. "Ich frage mich, ob ein Konzern mit einem Jahresüberschuss von gut einer halben Milliarde Euro tatsächlich dringend einen Partner braucht" , sagt Mobilkom-Betriebsratschef Werner Luksch zum STANDARD.

Kein Vergleich mit der AUA erwünscht

Einen Vergleich mit der (ebenfalls teilstaatlichten) AUA, für die der Kernaktionär beider Konzerne, die Verstaatlichtenholding ÖIAG, dringend einen strategischen Partner sucht, weist Luksch als "Themenverfehlung" und "geschäftsschädigend" zurück: Die TA und vor allem die Mobilkom erwirtschafte trotz widriger Rahmenbedingungen hohe Gewinne (von denen auch der Staat profitiere), sei klar auf Wachstumskurs und vor allem kein Sanierungsfall wie die AUA. Daher dürfe man die TA – ungeachtet der Probleme im Festnetz – auch nicht krankreden.

Außerdem, ruft Luksch in Erinnerung, gebe es zum Thema Verkauf gültige Beschlüsse der Gewerkschaft:" Und zu diesen stehen wir hundertprozentig." Sie sollte insbesondere Betriebsratskollege Kolek kennen, ist dieser doch Stellvertretender GPF-Vorsitzender.

Ein Blick ins Archiv zeigt, wie relativ Meinungen sind: 2004 hatte Kolek noch Betriebsversammlungen veranstaltet, in denen unter dem Motto "Hände weg von der Telekom" jede Art von Ausverkauf unter Streikdrohungen abgelehnt wurde. Und noch vor wenigen Monaten waren strategische Partner nicht willkommen. Luksch: "Bei einer Übernahme durch einen ausländischen Konzern wird doch keiner blauäugig glauben, dass nicht tausende Jobs akut gefährdet sind." In diesem Punkt nehme man den Staat in seiner Rolle als 27,4-Prozent-Eigentümer klar in die Verantwortung. Das gelte auch für das TA-Management, mit dem man die schwierige Situation im Festnetz gemeinsam meistern müsse. Die TA-Bediensteten erbrächten schließlich hervorragende Leistungen.

Schiefer Haussegen

Wie schief der Segen im Hause Telekom Austria hängt, zeigt sich nicht zuletzt an einem Seitenhieb, den sich Luksch offenbar nicht verkneifen kann: "Als Betriebsratschef der Telekom Austria TA AG kann Kollege Kolek ohne Votum der Konzerngremien gar nicht für die rund 12.000 Beschäftigten der TA-Gruppe in Österreich sprechen, sondern ausschließlich für das Festnetz."
Zum Vergleich: Die A1-Gruppe erwirtschaftete im ersten Halbjahr 2008 mit 8143 Beschäftigten 1,6 Milliarden Euro Umsatz und ein Betriebsergebnis von 347,5 Millionen Euro. Im TA-Festnetz brachten 9514 Mitarbeiter 1,043 Mrd. Euro Umsatz und ein Betriebsergebnis von 53,2 Mio. Euro auf die Waage.

Als A1-Betriebsrat sehe er seine Aufgabe überdies nicht darin, Angst und Schrecken zu verbreiten und mit Ideen für die Partnersuche zu verunsichern, sondern Probleme zu lösen, meint Luksch. Damit spricht er einen heiklen Punkt an, denn in dem unter Kundenschwund leidenden Festnetz sind gravierende technische Veränderungen (bei der Vermittlungstechnik, hunderte Wählämter fallen weg, Anm.) im Gang, die mittelfristig 2500 bis 3000 Beschäftigte überflüssig machen. Davon hängen Millioneninvestitionen in den Ausbau des Glasfasernetzes ab. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.8.2008)

  • In Telekom Austria und Postgewerkschaft mehren sich die kritischen Stimmen gegen ein "Aus"  des Staates.
    Foto: APA/EPA/Gindl

    In Telekom Austria und Postgewerkschaft mehren sich die kritischen Stimmen gegen ein "Aus" des Staates.

  • Die Lust von Konzernbetriebsratschef Michael Kolek auf Partner...
    Foto: AP/Strauss

    Die Lust von Konzernbetriebsratschef Michael Kolek auf Partner...

  • ...irritiert seinen Partner im A1-Betriebsrat, Werner Luksch.
    Foto: AP

    ...irritiert seinen Partner im A1-Betriebsrat, Werner Luksch.

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