Schaeffler/Conti: Industrielle Logik

24. August 2008, 18:24
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Die Autoindustrie steht vor enormen Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen - Von Johanna Ruzicka

Die in drei "Cluster" nach Bundesländern geordnete österreichische Auto-Zulieferindustrie tut gut daran, den neuen Großen in Deutschland genau zu beobachten. Nicht so sehr wegen der trickreichen "Anschleich-Taktik", mit der das kleinere Familienunternehmen Schaeffler den Dax-Konzern Continental bezwang. Sondern wegen der Bedeutung für die weltweite Auto-Zulieferbranche: Im Firmenverbund steigen Schaeffler und Conti zum weltweit drittgrößten Zulieferer auf. Nach der deutschen Bosch und der japanischen Denso - und vor der austrokanadischen Magna.

Hinter dem Zusammenschluss steckt eine bestechende industrielle Logik, die nicht nur darin begründet ist, dass die beiden Unternehmen über weite Strecken den Vorteil sich ergänzender Produktlinien haben. Hauptgrund für das Streben nach Größe sind die enormen Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen, vor der die Autoindustrie steht. Ölpreisschock und Klimawandel bringen es mit sich, dass beim fahrbaren Untersatz der Zukunft keine Schraube unbeachtet bleibt. Um die gewünschten Treibstoff-ärmeren Motoren zu entwickeln, die noch dazu einen geringeren CO2-Ausstoß haben, sind ganz neue Techniken gefordert. Alles steht auf dem Prüfstand: Die Motorentechnik, die Treibstoffe, Karosserie, Reifen.

Die Autoindustrie kann diese Herausforderung nur im Zusammenschluss mit ihren Zulieferern annehmen. Noch mehr: Sie wird die dafür notwendigen Forschungen vielfach auslagern. Dass dies mit großen Zulieferern besser geht, ist nur logisch. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.8.2008)

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