Fragwürdige Uni-Schelte

24. August 2008, 18:22
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Wie "peinlich" ist das Schanghai-Ranking? - Ein Kommentar der anderen von Heribert Wulz

Alle Jahre wieder kommt nicht nur das Ranking der Jiao-Tong-Universität Schanghai, sondern auch das Lamento darüber, dass Österreichs Universitäten den Sprung unter die besten einhundert der Welt wieder nicht geschafft hätten. Man mag die Aussagekraft dieser Rankings in Zweifel ziehen oder ihre Ergebnisse sogar "peinlich für Österreichs Universitäten" finden, wie Standard-Gastautor Ronald Pohoryles dies in seinem Beitrag vom 20. August ausgeführt hat.

Man sollte sich aber die Mühe machen, die Resultate vorurteilsfrei anzusehen: Die österreichischen Universitäten schneiden keineswegs wesentlich schlechter ab als jene aus Norwegen oder Finnland, auf die sich Pohoryles unter anderem bezieht. Finnland und Norwegen haben je eine Universität unter den Top 100 und sechs bzw. vier unter den Top 500, Österreich sieben (die Universität Wien und die Medizinische Uni Wien wären möglicherweise gemeinsam unter den Top 100).

Seiner Erkenntnis, dass sich hierzulande Wissenschaftspolitik vor allem in der Studiengebührenfrage zu erschöpfen scheint, kann man dagegen zustimmen: Sie bedeutet nur eine weitere Facette auf dem Jahrmarkt der Peinlichkeiten. Noch peinlicher mutet es aber an, dass die Kritiker bei ihren Rufen nach mehr Exzellenz in Forschung und Lehre auf akademischem Boden - darauf läuft die regelmäßige Uni-Schelte ungeachtet des Forschungs-Fokus im Schanghai-Ranking ja hinaus - nicht die Widersprüchlichkeit ihrer Argumentation erkennen. Eine Grundvoraussetzung zur Steigerung der Reputation wäre neben einer hinreichenden Uni-Finanzierung die nach wie vor ungelöste Zugangsfrage zu den Universitäten: Hier hält Pohoryles dem Wissenschaftsminister vor, er beabsichtige den Zugang zu den Masterstudien einzuschränken. Gleichzeitig stellt er die britischen Unis als leuchtendes Beispiel dar. Und vergisst zu erwähnen, dass in England die Zugangsbedingungen für alle Studienabschnitte selbstverständlich von den jeweiligen Universitäten festgelegt werden.

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Die Österreichische Universitätenkonferenz macht sich - beinahe gebetsmühlenartig - seit Jahren für eine signifikante Erhöhung der Investitionen in Forschung, Bildung und Ausbildung sowie für eine international kompatible Regelung der Zugangsbedingungen zum Uni-Studium stark. Im Entwurf der Novelle zum Universitätsgesetz wurde dieser Forderung nach Schaffung qualitativer Zugangsvoraussetzungen für Master- und Doktoratsstudierende erstmals Rechnung getragen. Zur Erläuterung: Hier geht es um eine exakte Beschreibung der notwendigen Vorkenntnisse, die zum Studium eines weiterführenden Programms qualifizieren; eine Regelung, die weltweit Standard ist, bei uns aber offensichtlich immer noch kritisiert wird. - Ob diese Regelung 2009 in Österreich Wirklichkeit wird, darüber werden wohl die Regierungsverhandlungen entscheiden. Bevor aber dieser Gesetzespassus überhaupt in Kraft tritt, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit noch das Schanghai-Ranking 2009 veröffentlicht. Und dann werden uns die Nachbetrachter wieder erzählen, was wir alles von den britischen Unis lernen können. (DER STANDARD, Printausgabe, 25.8.2008)

Zur Person: Heribert Wulz ist Generalsekretär der Österreichischen Universitätenkonferenz

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