ÖVP: Es fehlt die klare Handschrift

24. August 2008, 17:34
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Nur mit roten Forderungen wie einem Pflichtkindergarten für alle Fünfjährigen wird man den Vorsprung nicht bis zum Wahltag halten können - von Günther Oswald

Der Start der ÖVP in den Wahlkampf hätte zweifelsfrei besser verlaufen können. Lag man nach dem „Es reicht"-Ausruf von Parteichef Wilhelm Molterer noch klar vor der SPÖ, gab es zuletzt nur mehr einen Mini-Vorsprung. Freilich: Angesichts von 40 Prozent Unentschlossenen sind alle Umfragen mit Vorsicht zu genießen.

Die Nervosität ist bei den Schwarzen dennoch nicht zu übersehen. Bei vielen Funktionären fehlt der Glaube, dass der Ausstieg aus der Koalition die richtige Entscheidung war. Die Lobeshymnen der Kronen Zeitung auf SPÖ-Spitzenkandidat Werner Faymann, die sich mit vernichtenden ÖVP-Berichten abwechseln, verstärken diese Negativstimmung.

Es ist schon bemerkenswert, dass der Kurs der Bundes-ÖVP von einigen Landeschefs offen in Frage gestellt wird. Manche wollen sich nur eingeschränkt am Wahlkampfbudget beteiligen, andere wie Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll zweifeln gar an der Wahlkampfstrategie, Faymann möglichst scharf anzugreifen. „Mein Stil ist ein anderer", formuliert es Pröll noch diplomatisch. Übersetzt heißt das so viel wie: „Ich würde das ganz anders machen."

Unklar ist auch, wohin die ÖVP nach dem 28. September will. Molterer sagt: nicht mit der FPÖ und nicht mit der SPÖ. Die Minister Bartenstein und Fekter können sich eine Zusammenarbeit mit den Blauen schon vorstellen, Erwin Pröll wiederum will auch die große Koalition nicht verteufeln. Der ÖVP fehlt eine klare Wahlkampf-Handschrift. Nur mit roten Forderungen wie einem Pflichtkindergarten für alle Fünfjährigen wird man den Vorsprung nicht bis zum Wahltag halten können. (DER STANDARD, Printausgabe, 25.8.2008)

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