Wire: "Object 47"

    7. September 2008, 19:26
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    46 + 1: Mit ihrem aktuellen Album unterstreicht die nunmehr auf drei Mitglieder geschrumpfte englische Band ihre Liebe zum Pop

    10 + 23 + 6 + 7 = 46. 46 + 1 = Object 47. Das 47. Objekt ist das Resultat eines langen Weges: zehn Alben, 23 Singles, sechs Live-Alben und sieben Kompilationen. Die Rede ist vom aktuellen Album der englischen Combo Wire.

    Gegründet wurde die Band 1976 in London, ein Jahr bevor ihre erste Platte erschien: Pink Flag, seit 2000 auch Name des eigenen Labels. Nach drei Alben und Jahren löste sich das Quartett auf, erst Mitte der 80er musizierten und experimentierten sie wieder zusammen. Bis 1991 erschienen fünf weitere Alben. Und fünf Jahre sind mittlerweile vergangen, seit ihr bisher letzter Longplayer Send (2003) erschienen ist - ein kurzer Zeitraum, wenn man die insgesamt siebzehn Jahre bedenkt, die zwischen dem vorletzten und bisher letzten Longplayer lagen.

    Musikalische Reise

    "Wireless" sind bzw. waren die vier Bandmitglieder Bruce Gilbert (Gitarre), Graham Lewis (Gesang, Bass), Colin Newman (Gesang, Gitarre) sowie Schlagzeuger Robert Go To Bed, der nun wieder unter dem Namen Robert Grey aufscheint, auch mit ihren zahlreichen Seiten- und Soloprojekten beschäftigt - darunter Dome, Duet Emo, Githead, He Said, P'O.

    Egal ob mit oder ohne Band: die vier Musiker galten immer schon als Außenseiter, denn ihre Musik war noch nie so gestrickt, dass sie leicht ins Ohr geht. Ihre musikalische Reise ist bestimmt vom Post-Punk der späten 780er und frühen 80er, gefolgt von der manchmal kitschigen Periode des Elektropop bis hin zum brachialen Rock des neuen Jahrtausends.

    Antithese

    Mit dem aktuellen Tonträger Object 47 haben Wire nun gewissermaßen eine Antithese zu ihren Vorgängern geschaffen. Denn Hochgeschwindigkeitssongs wie auf Send oder der EP-Reihe Read and Burn Vol 1 und 2 sucht man auf dem neuen Tonträger vergeblich. Nahe kommen diesen noch am ehesten One of Us, All Fours, oder Perspex Icon.

    Außerdem stellt Object 47 einen Wendepunkt in der Geschichte der Band dar: Erstmals sind Wire zu dritt. Denn als Drummer Robert Go To Bed Anfang der 90er Jahre vorübergehend die Band verließ, kürzte die Band ihren Namen um einen Buchstaben. "Wir" nannte sich die drei Verbleibenden damals. Aus welchem Grund auch immer: beim aktuellen Album wurde auf diese symbolische Geste verzichtet.

    Diesmal ist es Bruce Gilbert, der fehlt - und mit ihm auch gleichzeitig der Protagonist des Lärms schlechthin. Zusammen mit Lewis war er für die Experimente der Band verantwortlich, während Drummer und Gitarrist eher zu den Rock-Hauptverantwortlichen zählen.

    Minimalismus

    Die Folge seiner Abwesenheit: Object 47 greift auf overdubs zurück, um die Lücke zu füllen, die sich durch seinen Abgang ergibt. Und seine Abwesenheit erklärt wohl auch, dass es eines Page Hamilton von Helmet bedurfte, um Wires "brachiale Brillanz" zumindest in einem Song wieder darzubieten (man höre: All Fours) .

    Object 47 ist bei weitem nicht so intensiv und brachial wie Send. Vielmehr unterstreichen die Musiker darin ihre Liebe zum Pop, die sich besonders durch die mit Synthesizern angereicherten Liedern manifestiert. Doch schon mit Folge drei der Read & Burn-Trilogie hat sich angekündigt, dass die Zeit ohne Gilbert sanfter klingen wird. In den 35 Minuten bleibt jedoch eines der einprägsamsten Markenzeichen von Wire bestehen: der strukturierte und präzise Minimalismus, der auf ihrer langen Reise zum Glück noch nicht verloren gegangen ist. (cra)

    Link
    Wire

    Video
    One of Us (YouTube)

    • Wire: "Objekt 47" (Pink Flag/Trost 2008)
      foto: pinkflag.com
      Foto: pinkflag.com

      Wire: "Objekt 47" (Pink Flag/Trost 2008)

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