Filmstars aus dem Computer

24. August 2008, 17:00
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Hollywood-Filme sind ohne spezielle 3D- und Cut-Programme heute nicht mehr denkbar

Immer größere Teile der Hollywooderfolgsschlager kommen aus dem Computer. Der Einsatz von 3D-Modelling-Software oder Motion Capture-Systemen gehört zum fixen Bestandteil der Filmproduktionen und ist meist ein Garant für Publikumserfolge.

Eine der beeindruckendsten Szenen aus dem Oscar-gekrönten Abenteuerfilm "Der goldene Kompass" war Lyra Belacquas Ritt auf dem Polarbären. Fünfzehn Monate lang arbeitete ein 200-köpfiges Team von Framestore CFC, Europas größter Kreativschmiede für visuelle Effekte und Computeranimationen, um den gepanzerten Bären durch die verschneite Landschaft rasen zu lassen und andere beeindruckende Effekte zu schaffen, die im Februar 2008 mit dem Oscar ausgezeichnet wurden.

Der gepanzerte Bär

Für die Modellierung des Bären und seiner Rüstung wurden die Programme Cinema 4D und BodyPaint 3D des deutschen Herstellers für professioneller 3D-Modelling-, Painting-, Animations- und Rendering-Software, Maxon verwendet. Die beiden 3D-Grafik-Programme setzten die Animatoren von Framestore ein, um Rüstungen und digitale Doubles zu erschaffen und Phantasie-Landschaften und sonstige Hintergründe entstehen zu lassen und um den Helfer der Hauptfigur den riesigen, gepanzerten Eisbären Iorek Byrnison, zum Leben zu erwecken. Um die Bewegungen des Tiers und seines Metallpanzers so naturgetreu wie möglich umzusetzen, wurden zunächst reale Modelle erschaffen und mit 3D-Scannern erfasst. "Damit jede Geste etwa eines Panzerbären realistisch wirkt, vom Laufen bis zu den einzelnen Reflektionen der Metallplatten der Rüstung auf dem Eisbärenfell, müssen dafür sämtliche Bewegungsabläufe der fiktiven Figur von ihrer realen Anatomie abgeleitet werden", erklärt Sean Varney, als Head of film set Metrology bei Framestore CFC verantwortlich für die Digitalisierung von Filmsets, Schauspielern und Requisiten.

Texturen

Anschließend wird mit einer 3D-Grafik-Software, in diesem Fall mi BodyPaint 3D, das Tier zum Leben erweckt und in weiteren Schritten in die Landschaft integriert. "Iorek, Ragnar und die anderen Bären wurden mit BodyPaint 3D und Photoshop texturiert". Als Textur wird in der 3D-Animation das Bild bezeichnet, welches auf der Oberfläche des virtuellen Körpers dargestellt wird. Ioreks abgenutzte rostige Panzerung wurde zum Beispiel so bemalt um das Metall in der Bewegung möglichst naturgetreu erscheinen zu lassen.

Piraten auf dem Bluescreen

Den Oscar aus dem Vorjahr konnte die die US-amerikanische Konkurrenz des deutschen Erfolgsunternehmens Maxon, Autodesk in ihre Referenzliste eintragen. Für ihre preisgekrönte Arbeit in Fluch der Karibik Karibik 2 hat das Team von der US-amerikanischen Firma, die optische Spezialeffekte für Filme erschafft, Industrial Light & Magic (ILM) die Software Autodesk Inferno eingesetzt. Das Spezialeffektsystem Inferno von Autodesk wurde zum Beispiel eingesetzt, um im Bluescreen-Verfahren die Schauspieler mit einer Wasseroberfläche und einer Felskulisse zu kombinieren sowie um Vögel, Nebel und Brücken in die Szene zu integrieren. Bei Aufnahmen des Hafens und der Insel aus der Vogelperspektive setzte man das Programm ein, um Anzeichen der heutigen Zivilisation, wie zum Beispiel Telefonmasten und Motorboote, aus dem Filmmaterial zu entfernen und digitale Hintergrundbilder des Dorfes zu erstellen.

Das Holzauge des Piraten Ragetti und die leere Augenhöhle wurden ebenfalls mit Inferno geschaffen. Das System wurde eingesetzt, um dem Auge die trockene, hölzerne Oberflächenstruktur zu geben und um es zu beleuchten sowie mit Leben zu erfüllen.

Mit Maya, der 3D Animations-, Modellierungs- und Renderingsoftware von Autodesk wurden die Tentakel von Davy Jones und von dem Kraken geschaffen. ILM setzte die firmeneigene Hero-Software ein, um die fließenden Bewegungen der Tentakeln von Davy Jones zu erzeugen, wobei Maya genutzt wurde, um spezifischere Bewegungen zu animieren, wie zum Beispiel das Halten eines Schlüssels.

Kombination und Weiterentwicklung

Für beeindruckende visuelle Effekte, auf die kaum ein Hollywood-Streifen verzichten kann, benötigt man komplexe Software. Dazu gehören unter anderem 3D-Visualisierungs- und Animationsprograme, oder Motion Capture-Systeme die es ermöglicht, menschliche Bewegungen so aufzuzeichnen, das sie in 3D auf Rechner übertragen und dort analysiert werden können. Mit dem Performance-Capture-Verfahren, das in der Verfilmung des Epos "Beowulf" zum Einatz kommt, erfährt diese Technologie eine Erweiterung. Anders als beim Motion-Capture-Verfahren, werden nun auch Mimiken im virtuellen Raum erzeugt.

Compositing-Programme, die verschiedene Ebenen wie etwa künstlich erzeugtem Hintergrund, und der eigentlichen Filmaufnahme zusammenfügen, bilden eine der letzen Stufen bei der Erzeugung der visuellen Effekte. Neben dem bereits erwähnten Programm Inferno, wird im Compositing auch die Software Shake von Apple eingesetzt, die unter anderem auch beim Epos "Herr der Ringe" eingesetzt wurde. Interessant ist auch, dass sieben Jahre in Folge - angefangen 1997 mit Titanic - der Oscar für Visuelle Effekte an Filme ging, bei denen neben Produkten von den Avid, discreet, oder eyeon auch mit Hilfe von Shake produziert wurde.

Kassenschlager aus dem PC

Die Produktionsfirmen setzen in der Regel eine Vielzahl von unterschiedlicher Software an, die sie bei Bedarf auf die eigenen Bedürfnisse anpassen und weiterentwickeln. Dieser Umstand fällt besonders bei der Referenzliste des deutschen Softwarhersteller Maxon auf dessen Produkte in fast allen erfolgreichen und oft preisgekrönten Hollywoodschlagern zum Einsatz kamen. Die erfolgreichen Pixar Animation Studios (Toy Story, Monster AG) arbeiten hingegen bevorzugter weise mit der hauseigenen Software Marionette die mit Fremdprodukten kombiniert wird.

Ob Eigenentwicklung oder bereits Erprobtes, Software für Erzeugung von visuellen Effekten ist ein fixer Bestanteil der Filmproduktion geworden: Immer größere Teile der Hollywood-Klassenschlager kommen aus dem Computer und zusammen mit der Leistungsfähigkeit der Rechner wachsen auch die Entwicklungsmöglichkeiten neuer Programme und Techniken. (Olivera Stajic)

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    An der Seite menschlicher Schauspieler treten immer öfter auch Stars aus dem Computer auf

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